Bensheim

Sankt Georg Gregor Knop mit dem 13. Abend seiner Gesamtpräsentation der Bach-Orgelwerke

Mächtige Präludien und Fugen

Archivartikel

BENSHEIM.Auf seiner inzwischen schon zweijährigen Reise durch Bachs gesamte Orgelmusik hat Regionalkantor Gregor Knop immer wieder die einzigartige, aber nur selten wirklich gewürdigte Vielfalt dieses rund 250 Kompositionen umfassenden Oeuvres erlebbar gemacht. Spannend waren dabei gerade jene nicht den prominenten Zyklen gewidmeten Programme, deren dramaturgisch kluge Werkzusammenstellungen stets schönsten Abwechslungsreichtum garantierten. Exemplarisch dafür stand auch das aktuelle 13. Konzert am Sonntag: Knop verband hier in reizvollem Wechselspiel drei große Paare Präludien und Fugen mit einem Dutzend eher unbekannter Choralminiaturen. Als weitere Raritäten gab es die wohl zu Bachs frühesten Orgelstücken zählende c-moll-Fuge BWV 575 und den einzeln überlieferten d-moll-Triosatz BWV 583 aus seinen Leipziger Jahren. Drei Choralmelodien kamen diesmal besonders eindringlich zur Geltung: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ und „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ erklangen nämlich jeweils in zwei Fassungen, „Liebster Jesu, wir sind hier“ sogar in drei Versionen (darunter das herausragend innige Juwel BWV 706). Perfekte Ergänzungen dazu waren die von Knop mit allem Gespür für kunstvolle Schlichtheit ausgekosteten Vertonungen „Wir glauben all an einen Gott“ BWV 765, „Gott, durch deine Güte“ BWV 724, „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ BWV 726, „Herzlich tut mich verlangen“ BWV 727 und – wahrhaft erhebend dank delikatester Verzierungskunst – „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ BWV 734.

Ebenso entdeckenswert wie diese vernachlässigten Choralbearbeitungen erschienen die feurige frühe c-moll-Fuge BWV 575 und der den berühmten Triosonaten verwandte edle d-moll-Triosatz BWV 583. Der experimentierfreudige junge und der abgeklärte reife Bach standen sich in den beiden vital interpretierten Fundstücken auf aussagekräftigste Weise gegenüber. Bachs Lieblingskombination „Präludium und Fuge“ ließ Gregor Knop an diesem Abend wieder einmal zu virtuoser Höchstform auflaufen. Das begann schon mit dem aus der Weimarer Zeit stammenden a-moll-Werkpaar BWV 543, dessen konzentrierte Energie in wunderbar plastisch-klaren Orgelsound übersetzt wurde. Noch mitreißender geriet das rhapsodisch aufgeladene g-moll-Gespann BWV 535, dem man seine mutmaßliche Herkunft aus den wilden Arnhäuser Teenagerjahren des Komponisten allemal anzuhören glaubte.

Spektakulär abgerundet wurde Knops 13. Bach-Programm durch das monumentale Leipziger e-moll-Werkpaar BWV 548, das mit seinem fulminant klangmächtigen Präludium und seiner atemberaubend brillant entfesselten Fuge als eines der interpretatorischen Glanzlichter der Reihe im Gedächtnis bleibt. Die etwa 70 Besucher in der Bensheimer Stadtkirche St. Georg zeigten sich entsprechend begeistert. Weitere Konzerte folgen am 10. März um 19 Uhr (nochmals Präludien, Fugen und Choräle) sowie am 12. Mai um 19.30 Uhr (Concerti und Sonaten).

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