Bensheim

Evangelische Gemeinde Schönberg Renovierung des Gotteshauses ist nahezu abgeschlossen

Marienkirche erstrahlt in neuem Glanz

Archivartikel

Schönberg.In der Evangelischen Kirchengemeinde Schönberg/Wilmshausen wird ein Zweijahres-Projekt abgeschlossen. Im kommenden Gemeindebrief zu Weihnachten wird die Marienkirche unter der Überschrift „Ich bin entrüstet!“ aus eigener Sicht befreit davon berichten, wie froh sie ist, das Metallkorsett und die Verhüllung „à la Christo“ wieder los zu sein.

„Das ist kein Schrei des Protestes, eher der Erlösung! Aber es ist ja notwendig gewesen. Wie hätte man sonst meine Spuren des Alters an Turm und Dach erkennen und sie auch nach und nach ausbessern oder gar komplett erneuern können…“, so lautet ihr Fazit.

Es gab wirklich viel zu tun, berichtet die Gemeinde. In Kürze seien hier lediglich die elementarsten Arbeitsschritte benannt: An der Turmspitze konnte das Kreuz vor Ort erneuert werden, eine deutlich günstigere Lösung, als es ab- und wieder aufzumontieren. Es grüßt jetzt schon von Weitem als glänzendes Symbol.

Turm kommt gut zur Geltung

Überhaupt kommt jetzt der gereinigte schlanke Kirchturm sehr deutlich zur Geltung. Der immer noch stabile Turmhelm aus massivem Sandstein und die dicken Sandstein-Balustraden wurden „gecheckt“, denn die Witterung hatte in den vergangenen 120 Jahren doch Spuren hinterlassen. Mürbe Stellen wurden herausgeschnitten und durch massiven Sandstein ersetzt. Schwache Stahlarmierungen und metallene Turmtüren mussten ausgetauscht werden und wurden erneuert.

Nachdem der Dachstuhl und das Dachgebälk repariert und stabilisiert worden waren, bekam das gesamte Dach eine neue Schiefer-Deckung. „Hier hat uns der Denkmalschutz genehmigt, statt einer altdeutschen Deckung eine Schiefer-Schuppendeckung auszuführen, was durchaus eine Kostenreduzierung bedeutete“, so die Gemeinde.

Natürlich musste auch der Blitzschutz erneuert werden. Für den Brand der ersten Kirche 1900 war allerdings keinem Blitz die Schuld zuzuweisen; es war seinerzeit Brandstiftung gewesen. Davon berichtete der Inhalt einer Kassette, die unter dem Turmkreuz verborgen war und wichtige Zeitdokumente in Text und Bild aus den Jahren 1900/1901. Im Austausch hinterlegte die Gemeinde eine Kupferkartusche mit Dokumenten der Gegenwart.

Schrift wieder gut lesbar

Am Kirchenschiff wurden nach der Schieferdeckung die Dachrinnen, Fallrohre und beidseitige Schneefanggitter komplett erneuert und verstärkt. Im Portus, dem Eingangsbereich, war die Schrift neu zu streichen: Nun ist die Botschaft aus Lukas 11,28 wieder gut lesbar: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“. Bei den Glasfenstern konnten vom Gerüst aus einige defekte Stellen ausgebessert werden, und am Turm sind Putz- und Malerarbeiten erfolgt.

Dazu kam immer wieder mal der Einsatz von Schädlingsbekämpfungs- und Reinigungs-Unternehmen, weil Tauben doch durch ein Loch in den netzbehangenen Glockenstuhl eingedrungen waren und für ziemlich große Verunreinigung gesorgt haben. Das war auch ein Grund, dass immer wieder mal die Glocken abgeschaltet werden mussten. Nun aber darf sich Schönberg wieder am harmonischen Dreiklang des Geläuts erfreuen.

„All das Planbare und auch Unvorhergesehene konnte mit perfektem Überblick und in professioneller Regie durch das Architekturbüro Wolff Architekten aus Bickenbach gesteuert werden“, schreibt die Kirchengemeinde. Die Einsätze der verschiedenen regionalen und überregionalen Firmen und Handwerker seien immer souverän abgestimmt worden, auch wenn mal überraschend Änderungen oder Terminumstellungen notwendig wurden: So waren Schlosser, Steinmetze, Zimmerer, Dachdecker, Glaser, Maurer, Tüncher, Maler, Elektriker, Schädlingsbekämpfer und Installateure nach und nach und auch gemeinsam vor Ort im Einsatz.

Schließlich ist noch die Ergänzung der Elektrik mit Beleuchtung im Dachraum erfolgt sowie die Erneuerung der Erdung von Glockenanlage und Hauptverteilung.

Weiterhin wird der Plattenbelag auf der Turmrückseite zum Turmeingang mit Unterboden noch erneuert. Dies wird aber voraussichtlich erst im neuen Jahr erfolgen, da diese Arbeiten vor Gerüstabbau nicht ausgeführt werden konnten.

Zufahrt hat gelitten

Unten im Ortsteil Schönberg hat man davon nicht viel gemerkt, allerdings ist die Zufahrt über den Weg „Am Rosengrund“ ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier hat sich in den letzten 120 Jahren eben nichts getan – eine Lösung wird sich aber finden müssen, denn der Stolz der Kirchengemeinde, der Kommune und der Region brauche eine ordentliche Zufahrt.

Unterstützung und Beratung von Seiten der Kirchenverwaltung erhielt die Gemeinde anfangs durch Architekt Olaf Köhler und später durch dessen Nachfolgerin Architektin Elke Suden.

Alle Fäden der Unternehmung, Sichtung und Archivierung der Angebote, Aufträge, Rechnungsstellung und vieles mehr liefen über Gabriele Herzberger im Gemeindebüro zusammen und von dort zum RVV – dem Evangelischen Regionalverwaltungsverbund Starkenburg-West in Gernsheim –, zur Kirchenverwaltung in Darmstadt und an das Landesamt für Denkmalschutz in Wiesbaden. Natürlich letztlich entscheidend waren die Diskussionen und Beschlüsse des Kirchenvorstandes, dessen Mitgliedern Respekt und großer Dank gebühre. red

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