Bensheim

Dauerregen An der Sirona-Unterführung und in Gronau tritt der Bach über die Ufer / Bauhof, Feuerwehr und Gewässerverband im Einsatz

Meerbach wird erneut zum Problemfall

Archivartikel

Bensheim.Kurze Regenpause, eine Seltenheit am Dienstagvormittag. Um 11.45 Uhr hat Tief Axel aber ein Einsehen. „Wenn es jetzt trocken bleibt, dürfte hier nicht mehr viel passieren. Aber es soll wohl noch ein bisschen was kommen“, meint Ulrich Androsch. Der Geschäftsführer des Gewässerverbands Bergstraße steht an der Sirona-Unterführung, wo sich der Meerbach (mal wieder) in eine kleine Seenlandschaft verwandelt hat – und über die Ufer getreten ist.

Katastrophale Auswirkungen wie in anderen Regionen Deutschlands hat das leichte Hochwasser nicht. Erwischt hat es allerdings ausgerechnet den Bauhof, der an der Ecke unter anderem ein Salzlager hat. Ein stetes Rinnsal sucht sich seinen Weg auf das Betriebsgelände. Welche Auswirkungen die Feuchtigkeit auf das Streugut hat, lässt sich noch nicht abschätzen. „Wir müssen erstmal abwarten“, kommentiert ein Mitarbeiter. Vor das große Eingangstor hat man eine Barriere gesetzt, Sandsäcke werden an dieser Stelle nicht gebraucht.

Abfluss in die Tongruben

In den Tongruben zwischen Heppenheim und Bensheim hat der Gewässerverband zügig einen Schieber öffnen lassen, was zu einem Abfluss ins Naturschutzgebiet führt und Druck vom Meerbach nimmt. „Dadurch ist der Pegel binnen kurzer Zeit um 20 Zentimeter gesunken“, schätzt Androsch. Immerhin konnte so auch eine Sperrung der vielbefahrenen Unterführung verhindert werden.

50 Liter pro Quadratmeter sollen es in etwa gewesen sein, die an der Bergstraße zwischen Montagabend und Dienstagmittag herunter regneten. Irgendwann war der Boden gesättigt, die Bäche und Flüsse stiegen an. „Dabei haben wir immer noch Wassernotstand“, erinnert der Diplom-Ingenieur. Hitze-Sommer, trockener Winter, die Reserven sind längst nicht aufgefüllt. Selbst am vergangenen Wochenende kamen laut Androsch an der Bergstraße im Mittel nur zehn Liter pro Quadratmeter zusammen – auch wenn der subjektive Einruck vielleicht ein anderer war.

Sandsäcke für Gronau

Dass der Regen der Natur hilft, ist unstrittig. In Gronau dürfte man sich gestern jedoch alles andere als gefreut haben über das Nass von oben. Denn das Oberdorf stand erneut unter Wasser, der Meerbach konnte sich in einigen Abschnitten ungehindert über die Märkerwaldstraße ergießen. Der Bauhof rückte mit Sandsäcken an, die Feuerwehr war im Einsatz.

„Wir sind gut gerüstet“, so Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn, der bis in den Nachmittag hinein mehrere neuralgische Punkte abklapperte, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Den Einsatzkräften spielte dabei in die Karten, dass am Wochenende eine große Katastrophenschutzübung auf dem Gelände des Kieswerks Rohr an der Erlache anstand. In deren Verlauf wurden 2500 Sandsäcke befüllt. Eine glückliche Fügung mit Blick auf die Wetterkapriolen. Etwa 400 davon hatte der Bauhof laut Karn am Dienstag auf zwei Lastwagen geladen, um schnell reagieren zu können.

Während im Bensheimer Stadtgebiet vor allem der Meerbach Probleme bereitete, blieb es entlang der Lauter und des Winkelbachs sowie der Weschnitz weitgehend ruhig. Wenngleich man auch dort merkte, dass der Wonnemonat in diesem Jahr ziemlich feucht um die Ecke kommt.

„Bei der Weschnitz wird es sich erst später bemerkbar machen, dafür dauert es dann auch länger, bis es abgeflossen ist“, so Androsch. Leidtragende werden in den nächsten Tagen vor allem die Bodenbrüter in Gewässernähe sein. „Dort wird alles unter Wasser stehen, das ist nicht gut“, bedauert der Geschäftsführer. Gleiches gilt für die Winkelbach-Aue an der verlängerten Saarstraße in Auerbach.

„Haben erneut Glück gehabt“

Ulrich Androsch hatte am späten Nachmittag die Wetterprognosen weiter im Blick und konnte ein vorläufiges Fazit ziehen: „Wenn es dabei bleibt, sind wir ohne größere Schäden in der Region davongekommen. Alles in allem hatten wir erneut Glück – besonders, wenn man sich die Meldungen aus dem Rest des Landes anschaut. Bei uns sinken die Pegel momentan langsam wieder.“ Doch nur wenige hundert Kilometer weiter in Mittel- und Nordhessen wurden Straßen und Wohngebiete geflutet, herrschte Land unter, gab es Verletzte bei Unfällen. Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

In Bensheim blieb die Frage, warum es den Meerbach meistens an der Sirona-Unterführung erwischt. Für den Fachmann ist das Problem schnell erklärt: Es fehlt schlicht an Gefälle. Wo B 3 und Bahnlinie unterirdisch gequert werden, beginnt für das Bächlein die Flachetappe. Zuvor geht es immer stetig bergab, an der Kreuzung und bereits davor wird er ausgebremst. Wenn dann was kommt, fließt es nicht schnell genug ab und staut sich an den Brücken. „Da hilft nicht mal mehr die Entlastung in die Tongruben“, so Androsch.

Von Seiten der Wasserwirtschaft sei man mit solchen Konstrukten nicht glücklich, zumal sie unabhängig von Hochwassergefahren Kosten verursachen. Im Drei-Jahres-Rhythmus muss unter der Brücke aufwendig Schlamm entfernt werden. „Das ist technisch schwierig zu realisieren und kostet jedes Mal mehrere zehntausend Euro“, bemerkt der Geschäftsführer.

In diesem Jahr müssen die Mitarbeiter wieder ran und für einen besseren Durchfluss sorgen. Damit beim nächsten Stark- oder Dauerregen das Ganze nicht noch mehr ausufert.

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