Bensheim

Umwelt-Aktion Bensheim hat sich der Mannheimer Kampagne „Bleib deinem Becher treu“ angeschlossen / Trinkgefäße ab heute erhältlich

Mehrweg statt Einweg: Der Becher ist da

Archivartikel

Bensheim.„Bleib deinem Becher treu“, heißt es ab sofort in Bensheim. Seit heute sind in den ersten Läden einheitliche Mehrweg-Behältnisse für Kaffee, Tee & Co. erhältlich. Mit dieser Aktion will die Stadt dazu beitragen, dass auf lange Sicht weniger Müll durch Einwegbecher anfällt – und somit Umwelt und Ressourcen geschont werden.

Das Problem ist bekannt und wird seit einigen Jahren immer intensiver diskutiert: In Deutschland werden stündlich etwa 320 000 Coffee-to-go-Becher verbraucht, hat die Deutsche Umwelthilfe ausgerechnet. Sobald der Inhalt geleert ist, also in der Regel nach ein paar Minuten, landet der Becher im Müll – oder noch schlimmer: auf dem Gehweg oder im Park.

Mittlerweile haben deutschlandweit etliche Städte eigene Pfandbecher eingeführt, um dem Problem Herr zu werden. Bensheim zählt ab heute dazu. Dabei hat die Stadt das Rad nicht neu erfunden, sondern sich der Aktion der Stadt Mannheim angeschlossen. Dort gibt es seit dem Frühjahr eigene Kunststoffbecher: 6000 Exemplare wurden bisher an Kunden verkauft. 41 Unternehmen mit insgesamt 96 Filialen beteiligen sich bis dato in der Quadratestadt an dem System und füllen Kaffee in Mehrweg- statt Einwegbecher.

Zunächst drei Anlaufstellen

In Bensheim sind es naturgemäß weniger. Die Stadt startet zunächst mit drei Anlaufstellen, wo man seinen Becher kaufen, befüllen und bei Bedarf auch abgeben und gegen eine Pfandmarke eintauschen kann. In der Innenstadt sind das Bäckerei Jost und TeaTime, in Auerbach die Tankstelle Agip. Weitere Geschäfte werden folgen. „Gespräche mit möglichen Teilnehmern laufen“, betonen Stadtrat und Umweltdezernent Adil Oyan und Max Thiel vom Team Klimaschutz, Umwelt und Energie. Auch auf die weiterführenden Schulen will man zugehen. Beiden ist klar, dass sich die Aktion in Bensheim erstmal warmlaufen muss.

„Wir sind die ersten an der Bergstraße“, freuen sie sich, dass Bensheim in Sachen Pfandbecher eine Vorreiterrolle einnimmt. Und die Kampagne soll weiter um sich greifen. Mit den Kollegen in den Rathäusern von Lorsch, Heppenheim und Zwingenberg habe man bereits erste Gespräche geführt. „Die Idee ist, ein regionales Mehrwegprodukt einzuführen“, erklärt Thiel – vielleicht sogar für die ganze Metropolregion?

Das deutet zumindest schon jetzt die Optik des Bechers an. Die Silhouetten von Wahrzeichen aus verschiedenen Städten sind darauf zu sehen: das Heidelberger Schloss etwa, der Wasserturm in Mannheim, der Hochzeitsturm in Darmstadt, der Speyerer Dom. Darunter sind, zur Identifizierung der Städte, die jeweiligen Autokennzeichen aufgedruckt. So müssen die Bensheimer verschmerzen, dass lediglich „HP“ auf dem Becher zu lesen und ein Bild der Starkenburg zu sehen ist . . . Daneben ist das Kunststoff-Behältnis mit netten Sprüchen bedruckt: „Denn er gehört zu mir“ beispielsweise, „Er geht mit dir, wohin du willst“ oder „Wiederfüllen macht Freude“.

„Der Becher wird in Deutschland produziert, er ist qualitativ hochwertig und schadstofffrei“, betont Oyan. Bereits bei der Herstellung werde auf Nachhaltigkeit geachtet. 1000 Exemplare hat die Stadt zunächst zum Einkaufspreis erworben, sie werden für den gleichen Preis an die teilnehmenden Läden verkauft. Für Verbraucher gibt es den Becher für vier Euro. Neben den beteiligten Betrieben ist er auch in der Tourist-Info und im Rathaus an der Info-Theke erhältlich – Kaffee gibt es dort allerdings keinen.

Für Stadtrat Oyan ist jetzt der erste entscheidende Schritt getan: „Die Stadt stellt die gesamte Infrastruktur für die Aktion. Das Projekt lebt von der Teilnahme möglichst vieler Partner. Deshalb hoffen wir, dass die Zahl der Teilnehmer noch deutlich steigen wird.“ Einen großen Dank spricht Oyan der Stadt Mannheim und der Klimaschutzagentur Mannheim dafür aus, dass Bensheim die aufwendige und sehr detaillierte Vorarbeit nutzen und sich der Aktion anschließen konnte. So können etwa auch Plakate und Aufsteller 1:1 übernommen werden.

Vielleicht folgen bald auch noch weitere Städte der Region – dann könnte aus dem Pfandbecher ein gutes Beispiel von interkommunaler Zusammenarbeit werden.

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