Bensheim

Corona Unternehmer Michael Dreißigacker ärgert sich

„Miesmacher sitzen im Ministerium“

Archivartikel

Bensheim.Michael Dreißigacker nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Der Unternehmer erzählt über wirtschaftliche Folgen des Coronavirus und schüttelt den Kopf über das Verhalten von Zeitgenossen.

Herr Dreißigacker, Sie sind Unternehmer und Betreiber der Kletterhalle in Bensheim, wie ist die Lage?

Michael Dreißigacker: Wir haben schon seit Dienstag geschlossen, auf eigene Initiative, und nicht noch einen Tag gewartet, bis gestern die offizielle Anordnung für die Schließung kam. Ich verstehe nicht, warum man gewartet hat. Wenn ein Problem, nicht nur wie Corona, auftritt, dann reagiere ich sofort.

Was machen Sie in der Zeit, in der die Kletterhalle geschlossen ist?

Dreißigacker: Wir kümmern uns um Instandhaltung und andere Arbeiten, die wir im laufenden Betrieb nicht so einfach erledigen hätten können. Wir entwerfen auch neue Kletterrouten draußen und drinnen, überlegen uns neue Angebote und bereiten uns auf die Wiedereröffnung vor, um mit neuem Schwung durchzustarten.

Das kann dauern, womit ist zu rechnen?

Dreißigacker: Mich stört, dass schon heute etwa das hessische Kultusministerium für schlechte Stimmung sorgt und außerschulische Veranstaltungen bis zu den Herbstferien absagt. Wir bieten sozialpädagogische Trainings an, Absagen für den Herbst sind eine Katastrophe. Keiner weiß, wie lange die Krise dauert, aber ich wehre mich gegen solche Miesmacher. Wir brauchen trotz allem eine positive Stimmung.

Was bedeutet die Schließung wirtschaftlich für Sie?

Dreißigacker: Wir haben uns 13 Jahre lang ein Polster aufgebaut, wir waren sparsam, damit können wir drei bis vier Monate überstehen, dann wird es eng. Aber das Geld holen wir auch nicht wieder rein, das ist weg.

Gibt es Hilfen, wie von der Politik allenthalben angekündigt?

Dreißigacker: Wir haben nur mit unserem Steuerberater und der Bank gesprochen. Aber was ich so mitbekomme, sind alle überfordert.

Wie nehmen Sie derzeit die Stimmung wahr?

Dreißigacker: Ich bin entsetzt, wenn ich lese, dass trotz Verboten Tausende Menschen sich in der Pfalz zur Mandelblüte treffen, wenn ich mit eigenen Augen sehe, dass der Lorscher Marktplatz voll ist und die Leute eng beieinander hocken, obwohl Abstand empfohlen wird. Wenn Eltern von Schülern sich über schulfrei freuen und Ausflüge planen. Wenn sich die Leute um ihren Sommerurlaub sorgen, weil sie jetzt schon ungeplant Urlaub für die Kinderbetreuung nehmen müssen. Wenn das unser wichtigstes Problem ist, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Da machen manche so weiter, als wenn nichts wäre – im Gegenteil, sie amüsieren sogar darüber. Außerdem wird im Internet so viel Unsinn verzapft. Wir brauchen aber auch von den Behörden mehr Transparenz, sonst wird noch mehr Quatsch verbreitet. mir

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