Bensheim

Blindenmission Spargruppen unterstützen behinderte Menschen bei Kreditaufnahme

Mit Bananenbier heraus aus der Armut in Ruanda

Archivartikel

Bensheim.„Ein Bierchen in Ehren kann keiner verwehren“ – am Freitag (2. August) ist internationaler Tag des Bieres. Begangen wird der Tag zu Ehren der Menschen, die das Getränk brauen.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) macht an diesem Tag auf einen ganz speziellen Bierbrauer in Ruanda aufmerksam: Den blinden Familienvater Jean Kambanda, der mit dem Erlös aus selbst gebrautem Bananenbier seine Familie versorgen kann. CBM- Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: „Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern sind oft ausgegrenzt und haben kaum Zugang zu Erwerbstätigkeit. 80 Prozent von ihnen leben in Armut. Die CBM kämpft deshalb mit ihnen für Chancengleichheit. Wir unterstützen sie, in dem wir sie ausbilden und ihnen Möglichkeiten geben, ihren Lebensunterhalt eigenständig zu bestreiten.“

In einem großen Steintrog presst Jean Kambanda den Saft aus Bananen. Den Saft wird er schließlich zusammen mit gekochter Hirse fermentieren lassen. Daraus entsteht das Bananenbier, mit dessen Verkauf er genug verdient, um seine Familie zu ernähren.

Der 59-Jährige lebt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in einem Dorf rund eine Autostunde von der ruandischen Hauptstadt Kigali entfernt. Die Verhältnisse sind einfach, doch die Familie wirkt glücklich.

Das war nicht immer so im Leben des Bierbrauers: Er war gerade einmal 25 Jahre alt, als er sich bei einem Autounfall am Kopf verletzte. Jean hätte operiert werden müssen, doch die notwendigen Spezialisten waren nicht verfügbar. Als Folge seiner Kopfverletzung verlor er nach und nach sein Augenlicht. Zwölf Jahre später war er völlig erblindet.

Als er seine heutige Frau traf, ging es langsam aufwärts: Auf ihrem kleinen Stück Land bauten sie Gemüse an und verkauften einen Teil ihrer Ernte. Dann hörten die beiden von einer Spargruppe, die mit Hilfe der CBM speziell für Menschen mit Behinderungen aufgebaut wurde. Die CBM unterstützt solche Gruppen, indem sie Business-Mentoren ausbildet. Diese Mentoren schulen die Mitglieder darin, wie man mit Gewinn ein Geschäft aufzieht.

Keine Selbstverständlichkeit

Dank der Spargruppe kann Jean Kredite aufnehmen und das Geld investieren. Das ist für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern keine Selbstverständlichkeit. Nach wie vor haben sie Probleme, bei einer Bank einen Kredit zu bekommen, obwohl sie mehr als andere darauf angewiesen sind: Denn sie finden viel seltener eine formelle Anstellung und brauchen Kredite, um sich selbstständig machen oder anderweitig in ihre Zukunft investieren zu können.

Um das Bananenbier herzustellen, hat sich der Familienvater umgerechnet rund sechs Euro geliehen. Er benötigte nämlich viele Bananen für das Bier. Mit fast 20 Euro Gewinn kann er drei große Kanister voll Bier verkaufen. Den Kredit hat er längst zurückgezahlt und immer noch genug Geld für sich und seine Familie.

Die Unterstützung der CBM sorgt bei Jean und anderen Mitgliedern der Spargruppen zum einen für ein dauerhaftes Einkommen. Zum anderen gibt die Spargruppe bisher ausgegrenzten Menschen ein neues Selbstwertgefühl: Jean und die anderen sind wieder Teil der Gesellschaft und stehen auf eigenen Füßen. Gemeinsam sind sie sogar in der Lage, für ihre Rechte einzustehen.

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