Bensheim

Gronau Erneuerung der Märkerwaldstraße wird um 900 000 Euro teurer / Kritik im Stadtparlament

Mit Bauchweh ins Sanierungsfinale

Archivartikel

Bensheim.In nur drei Jahren haben sich die Kosten für die komplette Sanierung der Gronauer Märkerwaldstraße von 2,6 auf knapp sieben Millionen Euro vervielfacht. Für den voraussichtlich letzten Bauabschnitt der Maßnahme, die im Sommer 2019 gestartet war, werden nun weitere 900 000 Euro fällig. Damit wurden die in 2017 ursprünglich veranschlagten Gesamtkosten bereits zum dritten Mal nachträglich erhöht.

Ursache für die Verteuerung ist die Sanierung eines Stützwandabschnitts zwischen Pitzweg und der Einmündung Am Mühlkandel. Der KMB, der das Projekt im Auftrag der Stadt Bensheim durchführt, soll nun drei Varianten prüfen, die allesamt ohne eine Vollsperrung der Märkerwaldstraße über die Bühne gebracht werden könnten.

Der Gronauer Ortsbeirat hatte der Verwaltungsvorlage unter der Voraussetzung zugestimmt, die Option einer Verdolung des Bachlaufs auf einem rund 70 Meter langen Teilstück aus der weiteren Planung herauszunehmen.

Keine Verzögerungen riskieren

Die Stadtverordnetenversammlung hat den Weg für das Finale der Baumaßnahme frei gemacht. Mit 25 Ja-Stimmen wurden die zusätzlichen Haushaltsmittel genehmigt. Allerdings nicht ohne Bauchschmerzen auch bei jenen, die dafür votiert haben. „Wir stimmen zähneknirschend zu“, so der Bauingenieur Feridun Bahadori für die CDU-Fraktion.

Es gehe nun darum, die Großmaßnahme zu Ende zu bringen und nicht noch weitere Verzögerungen zu riskieren. Auch Franz Apfel von der Wählergemeinschaft Bürger für Bensheim (BfB) betonte, dass ein weiterer Stillstand vermieden werden müsse. Bereits im August 2019 waren die Bauarbeiten wegen Problemen bei der Einbringung von Spundwänden auf Eis gelegt worden, weil man Vibrationen oberhalb der festgelegten Schwellenwerte festgestellt hatte. Es drohte Gefahr, dass die Bausubstanz der angrenzenden Gebäude beschädigt würde.

„Hätten wir die Straßenbeitragssatzung nicht abgeschafft, würden jetzt einige Anwohner Bankrott gehen“, so Apfel über die Kostenexplosion der lokalen Maßnahme. Die BfB stehe voll hinter der Haltung des Ortsbeirats, so der Fraktionschef bei der Sitzung in der Weststadthalle.

Die Grünen gingen mit dem Thema erheblich kritischer um: Sprecher Wolfram Fendler sprach von einem Skandal und einer Missachtung der Stadtverordneten. Argument: Der KMB habe den Auftrag, der zu den jüngsten Mehrkosten geführt habe, bereits im Herbst vergangenen Jahres erteilt – und das, ohne die Zustimmung des höchsten Entscheidungsgremiums abzuwarten.

Daher müsse der Zweckverband auch den finanziellen Aufwand zahlen. „Wir wurden über diese Kosten nicht einmal informiert“, so Fendler, der die gesamte Baumaßnahme als eine Verkettung von Fehlern bezeichnete. Er sprach außerdem von einer wiederholten „Legendenbildung“ von Seiten der ausführenden Akteure. Nicole Rauber-Jung (CDU) erkannte Märchen in einem ganz anderen Lager. Die Erste Stadträtin kommentierte Fendlers Ausführungen als „völlig verdreht“ und weit entfernt von jeder faktischen Grundlage.

Bereits zu Beginn des Tagesordnungspunktes verwehrte sie sich ausdrücklich gegen Behauptungen, die offenbar per Mail die Runde machten. Über die Urheber, sofern diese überhaupt bekannt sind, fiel kein Wort. Auch der Gronauer Ortsbeirat und die Bürgerinitiative hätten sich davon bereits klar distanziert. „Ich wünschte mir, dass solche Inhalte nicht ungefiltert weitergegeben werden“, sagte Rauber-Jung. Sämtliche bislang erfolgten Einzelmaßnahmen seien rechtlich einwandfrei. Von einer eigenständigen Auftragsvergabe seitens des KMB, wie kolportiert, könne keine Rede sein.

Rolf Tiemann (FWG) sieht in der nachträglichen Verteuerung öffentlicher Bauvorhaben ein Muster, das sich durch viele Projekte ziehe. Beispielhaft nannte er das Sportfunktionsgebäude im Weiherhausstadion und die Bürgerhaus-Sanierung. Dies sei entweder auf planerische Unfähigkeit oder bewusstes Kalkül zurückzuführen. „Beides ist schlecht!“ Tiemann fordert, dass „systematische Ursachen“ solcher Prozesse analysiert und abgestellt werden. Trotz Kritik votierte er für die Beschlussvorlage. „Die Maßnahme muss endlich fertig werden.“

Für die FDP blies Holger Steinert in ein ähnliches Horn: „Ein weiteres unrühmliches Kapitel Bensheimer Bauvorhaben.“ Die Mehrkosten belasteten hier nicht allein die Anlieger, sondern alle Steuerzahler. Steinert vermisste Transparenz und einen mangelnden Elan seitens der Stadt. Die Länge des Verfahrens könne man nicht allein den am Bau beteiligten Firmen zuschreiben. Die Fraktion enthielt sich ihrer Stimmen. Die GLB votierte dagegen.

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