Bensheim

Heilig-Geist-Hospital Das neue Diabetologieteam wird Anlaufstelle zur Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms

Mobil bleiben, Amputationen vermeiden

Bensheim.Mit rund 50 000 Krankenhausaufenthalten wegen Amputationen pro Jahr, davon zirka 15 000 mit Ober- und Unterschenkelamputationen, liegt Deutschland europaweit im oberen Bereich. Fast 70 Prozent aller Amputationen werden bei Patienten mit Diabetes mellitus durchgeführt.

Grund dafür ist häufig das sogenannte Diabetische Fußsyndrom. Hierunter versteht man verschiedene Erkrankungsbilder des Fußes wie Verletzungen, Geschwüre und Wunden, aber auch Knochenschäden und -brüche, die aufgrund einer diabetesbedingten Knochenerweichung entstehen können. Die Wahrscheinlichkeit, ein diabetisches Ulkus (Geschwür) zu entwickeln, beträgt für die gesamte Lebensdauer eines Menschen mit Diabetes 19 bis 34 Prozent.

Um es gar nicht erst zu einer Amputation kommen zu lassen, sollte ein betroffener Patient bereits bei den ersten Anzeichen frühestmöglich eine Praxis oder Klinik aufsuchen, die zur Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms zugelassen ist. Die neu aufgestellte Abteilung Diabetologie bietet im Heilig-Geist-Hospital nun eine der rar gesäten Anlaufstellen in der Region.

Die zum Jahresbeginn ans Bensheimer Hospital gewechselte Chefärztin Dr. Bettina Hartmann ist seit Jahren führende Expertin in der Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms. Unterstützung erhält sie nun von Diabetesberaterin und Wundassistentin Susanne Roßmann sowie Diabetesassistentin Martina Gehlen-Thiedt.

Bei der sogenannten Diabetischen Polyneuropathie sind die Nerven am Fuß geschädigt. Dadurch vermindert sich mit der Zeit nahezu unbemerkt das Druck- und Schmerzempfinden an den Füßen. Selbst große und tiefe Wunden bleiben dadurch häufig lange unbemerkt und breiten sich aus.

Bereits ein Steinchen im Schuh oder das Anstoßen der Zehen können schnell fortschreitende Wunden zur Folge haben – das macht Fußwunden für Menschen mit Diabetes mellitus besonders gefährlich. Nicht selten liegt gleichzeitig eine eingeschränkte Durchblutung durch die Erkrankung der großen Blutgefäße der Beine (Makroangiopathie) vor.

Anzeichen hierfür können kalte Füße, verdickte Nägel sowie dünne blassblaue Haut sein. Betroffene leiden darüber hinaus häufig über Wadenschmerzen beim Gehen sowie Schmerzen im Liegen, die sich durch Herabhängenlassen der Beine lindern lassen.

Eine Besonderheit bei Menschen mit Polyneuropathie ist die mögliche Entstehung einer Osteoarthropathie. Hierbei können Bagatellverletzungen wie Umknicken mit dem Fuß oder Stolpern zu Einbrüchen des Fußgewölbes oder der Verletzung von Gelenken führen.

Aufgrund des fehlenden oder nur geringen Schmerzempfindens bleiben selbst Brüche zunächst nicht selten unbemerkt und Patienten belasten den gebrochenen Fuß häufig sogar noch wochenlang. Um den schlimmsten Fall, eine Amputation, zu verhindern, sollten Diabetespatienten Anzeichen schnell erkennen und einen Arzt aufsuchen. Eine Verletzung am Fuß eines Diabetikers ist immer ein Notfall und muss binnen 24 Stunden behandelt werden.

Durch ein multidisziplinäres Vorgehen bei der Behandlung von Fußulzera kann die Häufigkeit von Amputationen inzwischen um mehr als 50 Prozent gesenkt werden. Grundlegende Voraussetzung einer erfolgreichen Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms ist die sofortige Druckentlastung (Bettruhe) des Fußes. Erst hiernach können weitere Therapiemöglichkeiten greifen.

Immer Vorsicht geboten

Je nach Schwere des jeweiligen Falles kann zusätzlich zur Wundversorgung eine Antibiotikatherapie sinnvoll sein. In besonders schwereren Einzelfällen ist sogar eine stationäre Behandlung nötig. Infektionsherde müssen hier gegebenenfalls operativ entfernt werden und eine Wiederherstellung der Durchblutung erfolgen.

Doch auch bei einem behandelten Fuß ist immer Vorsicht geboten. Auch wenn eine Wunde verheilt ist, ist die Gefahr groß, dass bei falscher Belastung oder Pflege des Fußes erneut eine Wunde an derselben Stelle wie zuvor auftritt.

Deshalb empfiehlt Dr. Bettina Hartman nach Abheilen der Wunde „eine tägliche Fußinspektion, die richtige Pflege der Füße eventuell auch durch Besuch eines Podologen (Fußpflegers), geeignetes, manchmal sogar durch den Orthopädieschuhmacher speziell angefertigtes Schuhwerk, regelmäßige Kontrollen durch den behandelnden Arzt, Vermeidung von Nikotin und Alkohol, eine gute Blutzuckereinstellung, ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung.“

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