Bensheim

Tagesfahrt nach Neckarsteinach Auf den Spuren Joseph von Eichendorffs und der Bligger von Steinach unterwegs

Mohács-Freunde in der Stadt der Romantiker

Archivartikel

Bensheim.Auf den Spuren von Joseph von Eichendorff und der „Bligger von Steinach“: Wo geht das zusammen? Mitglieder des deutsch-ungarischen Freundeskreises Bensheim-Mohács und Gäste fanden bei einer Tagesfahrt den Schlüssel dafür und wurden in Neckarsteinach fündig.

Während die Mohács-Freunde bei strahlendem Sonnenschein gemütlich knapp zwei Stunden von Heidelberg aus auf dem Neckar in Richtung der Vierburgenstadt tuckerten und die Schleusen passierten, hatte es der Dichterfürst 200 Jahre vorher nicht so bequem. Zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder erwanderte Joseph von Eichendorff ab 1807 des Öfteren diese Strecke, und dabei fielen ihm die meisten seiner Gedichte ein. So auch das weltbekannte „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“ das auch Eingang in die Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ fand.

Und so kommt es nicht von ungefähr, dass sich Neckarsteinach mit den Attributen „Stadt der Poesie, des Minnesangs und der Romantiker“ schmückt. Immerhin lebte der Minnesänger Bligger von Steinach bis zu seinem Tod 1209 in Neckarsteinach. Bligger war ein rheinfränkischer Edelherr, dessen Name und der seiner Nachkommen mehrfach am Hofe und in der Begleitung von drei Kaisern – Friedrich I. Barbarossa, Heinrich VI. und Otto IV. – bezeugt. In die Zeit um 1142 fällt auch die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Steinach.

All dies lernten die Mohács-Freunde bei ihrem Ausflug ins Neckartal kennen. Der dortige Bürgermeister Herold Pfeiffer, im April dieses Jahres in eine zweite Amtszeit wiedergewählt, ließ es sich nicht nehmen und begrüßte die Gäste von der Bergstraße an den Staden des Neckars. Klar, dass er seine rund 4000 Einwohner zählende Stadt kurz vorstellte.

Die Bevölkerung von Neckarsteinach lebte bis in das 19. Jahrhundert von der Schifffahrt, der Flößerei, der Waldwirtschaft, der Gerberei und dem Sandsteingeschäft. Das herausragende Gewerbe war bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts die Schifffahrt. Es waren bis zu 48 Schiffseigner, meist Partikuliere (Eigentümer) mit je ein oder zwei Schiffen mit 2600 Tonnen Ladefähigkeit hier ansässig.

Der Neckar ist heute eine stark befahrene Bundeswasserstraße, in der 1932 gebauten Neckarsteinacher Staustufe werden jährlich etwa 19.000 Schiffe geschleust. Heute gehören zu Neckarsteinach die Stadtteile Darsberg, Grein und das vier Kilometer flussaufwärts liegende Neckarhausen.

Die Bligger bauten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die vier Burgen. Während die Vorder-, Mittel- und Hinterburg ziemlich gleichzeitig auf dem Bergsporn zwischen dem Steinach- und dem Neckartal entstanden, wurde die Burg Schadeck auf dem Felsplateau erst um 1200 errichtet. Dieses mittelalterliche Vierburgen-Ensemble ist einmalig in Deutschland.

Nachdem sich die Mohács-Freunde in einem Gartenlokal mit Blick auf den Neckar gestärkt hatten, schwärmten sie gruppenweise aus und besichtigten die Sehenswürdigkeiten der Stadt, darunter die spätgotische Kirche, die 1481 bis 1483 als katholische Kirche von Bligger XVI. gebaut wurde und 1527 nach Einführung der Reformation evangelisch wurde. Die katholische Kirche (Herz-Jesu), 1907 bis 1908 erbaut im neubarocken Stil, hat eine reiche Ausstattung. Muttergottes- und Josefsaltar standen schon in der spätgotischen Kirche, der Hochaltar, um 1750, stammt aus einer aufgegebenen Kirche von Mainz-Gonsenheim. auch die beiden Kirchen.

Danach ging es ins Eichendorff-Museum, dem auch das Geopark-Museum angegliedert ist. Die meisten der Teilnehmer kannten selbstverständlich Eichendorff und auch einige seiner berühmten Gedichte.

Dass aber im Kreis Bergstraße dem Dichter ein Museum in Neckarsteinach gewidmet ist, das viele Schautafeln, Dokumente, Briefe und natürlich auch Gedichte in Handschrift enthält, wussten sie nicht.

Der Abschluss der informativen Tagesfahrt fand in Ober-Laudenbach bei einem Odenwälder Büffet statt. Die nächste Tagesfahrt führt im Oktober nach Miltenberg. mül

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