Bensheim

Konzert Duo Mrs. Greenbird vor wenig Publikum im Bensheimer Musiktheater Rex

Musik für graue Novembertage

Archivartikel

Bensheim.Wohnzimmeratmosphäre in der alten Güterhalle: Zum Konzert des Kölner Folkpop-Duos Mrs. Greenbird kamen am Samstag nur wenige Zuhörer. Die mussten zunächst den Soloauftritt des Songwriters Renn Anderson aus Nashville abwarten, bevor der Hauptact knapp eine Stunde nach offiziellem Konzertbeginn auf die Bühne fand. Man habe etwas im Hotel vergessen, hieß es.

Mit „A Day In June“ starteten Sarah Nücken (Gesang) und Steffen Brückner (Gesang, Gitarre) ihr Programm im Rahmen der aktuellen „Dark Waters“-Tour, die nach dem aktuellen Album benannt ist. Das Publikum hörte reduzierten Akustik-Folk mit melancholischem Einschlag, gepaart mit Noten von Weltschmerz, Sehnsucht und Herzensangelegenheiten in zweistimmigen Harmonien und poetischer Absicht. Bei „1965“ werden die guten alten Zeiten herbeizelebriert und mit „Insomniac“ die Kaffee-Sucht der beiden Musiker thematisiert. Das Stück stammt vom Album „Postcards“, das nach einer Reise nach Nashville entstanden war.

Nücken und Brückner lernten sich 2006 in einer Kölner Kirchengemeinde kennengelernt und sind auch privat ein Paar. Den ersten Durchbruch schaffte das Duo, als es die dritte Staffel der Castingshow „X-Factor“ gewonnen hat. Die Wurzeln in Gospelchören und kirchlichen Bands hört man bei Mrs. Greenbird bis heute durch: Vieles klingt hymnisch, mit viel Pathos und bedeutungsschwangeren Texten. Und auch die Gesangsstimme von Sarah Nücken ist nicht jedermanns Sache: Sehr kopflastig, mädchenhaft und in den Höhen überaus stark akzentuiert und schneidend klar.

Über den schlichten, puristisch schönen und mit bisweilen raffinierten Details verzierten Songs im Americana-Look kann sich die Stimme allerdings gut behaupten, was dem Sound des Duos eine gewisse Balance schenkt. Das Gitarrenspiel pendelt zwischen erdig und luftig-leicht. Songs wie „Midnight Rose“ und „Postcards“ offenbaren schnörkellose Arrangements, doch insgesamt lastet eine Menge Schwermut und Ballast auf dem Album, was von den eher optimistischen Titeln „Tides Are Turning“ und „Learn How to Love You“ einigermaßen ausgeglichen wird.

Im Konzert klingt alles eher gleichförmig und austauschbar, über-romantisiert und voller retrospektiver Leiden. Musik für Novembertage, an denen man den grauen Emotionen Futter geben mag. Die erhellenden Töne sind selten, aber dem Grundsound des dritten Albums geschuldet. Mrs. Greenbird scheint in einer gewissen Phase zu stecken. Wer dabei sein will, kommt auf seine Kosten.

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