Bensheim

Interview Simone Rechel, Vorsitzende des Rhetorik-Clubs Bergstraße, vertritt die Region in Athen

Mutig ins europäische Finale debattiert

Bensheim.Simone Rechel, Präsidentin des Rhetorikclubs Bergstraße, fährt als Siegerin des Südwestdeutschen Redewettbewerbs zum Europafinale nach Athen. Der Rhetorik-Club Bergstraße ist Mitglied bei Toastmasters International, einem weltweiten Verband von mehr als 15 000 Rhetorik-Clubs in 142 Ländern.

Neben dem regelmäßigen Rhetorik-Training im eigenen Club können sich die Mitglieder zweimal jährlich am internationalen Rhetorik-Wettbewerb von Toastmasters beteiligen. In fünf Wettbewerbsrunden von der Club- bis zur Welt-Ebene werden die besten Redner in verschiedenen Redekategorien gekürt.

Simone Rechel, seit vier Jahren Mitglied des Bergsträßer Rhetorik-Clubs, hat sich in drei Wettbewerbsrunden für den europäischen Wettbewerb in der Kategorie „Bewertungsrede“ qualifiziert und fährt Ende Mai zur „Rebirth in Athens“.

Frau Rechel, Sie werden am 25. Mai nach Athen fliegen und nicht nur den Rhetorik-Club Bergstraße, sondern Südwest-Deutschland beim europäischen Wettbewerb vertreten. Wie ist es dazu gekommen?

Simone Rechel: Es muss viel zusammenkommen, bis es einmal klappt; bisher habe ich die zweite Wettbewerbsrunde noch nie überstanden. Es reicht nicht, nur eine gute Performance zu liefern, es gehört auch etwas Glück dazu. Drei Wettbewerbe musste ich diesmal gewinnen: Als erstes den Clubwettbewerb von dort aus ging es in den regionalen Area Contest und danach in den überregionalen Division Contest in Bad Homburg.

Wie war das beim letzten Wettbewerb in Bad Homburg? Waren Sie nervös?

Rechel: Klar, etwas Lampenfieber gehört dazu. Natürlich ist es aufregend, außerhalb des Clubs vor einem großen Publikum zu sprechen. Man steht auf einmal mit einem Mikrofon auf einer Bühne und muss nicht nur sich selbst, sondern auch die ungewohnte Situation in den Griff bekommen.

Haben Sie die anderen Mitbewerber gehört?

Rechel: Da mir der sechste und damit letzte Redeplatz zugelost wurde, konnte ich meine Mitbewerber nicht hören. Das war schade, da ich überhaupt nicht einschätzen konnte, wie ich im Vergleich zu den anderen abgeschnitten hatte. Über die anderen Teilnehmer weiß ich nur, dass sie aus Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart kamen und – interessanterweise – alles Männer waren.

Wie muss man sich einen Bewertungsrede-Wettbewerb vorstellen?

Rechel: Bei dem Bewertungs-Wettbewerb geht es darum, eine Rede zu bewerten, die alle Teilnehmer am Wettbewerbstag zum ersten Mal hören. Die Teilnehmer dürfen während der Rede – und bis maximal 5 Minuten danach – Notizen anfertigen. Sobald man aufgerufen wird, bekommt man seine Notizen zurück und darf diese mit auf die Bühne nehmen. Zeitnehmer achten darauf, dass alle Teilnehmer eine Redezeit von mindestens zwei und maximal drei Minuten einhalten.

Welche Wettbewerbe wird es in Athen geben?

Rechel: In Athen treten die Teilnehmer in zwei Kategorien und drei Sprachen gegeneinander an: Die Internationale Rede und die Bewertungsrede, in Deutsch, Englisch und Französisch. In englischer Sprache sind es mehr Teilnehmer, deshalb finden am Tag vor der Endauswahl zwei Halbfinal-Wettbewerbe parallel statt.

Wie viele deutschsprachige Teilnehmer werden dabei sein?

Rechel: Vermutlich werden aus Deutschland vier Teilnehmer anreisen. Wie viele deutschsprachige Teilnehmer aus Österreich und den anderen europäischen Ländern dabei sind, weiß ich noch nicht.

Welche weiteren Herausforderungen kommen in Athen auf Sie zu?

Rechel: Ich denke, dass sowohl meine Nervosität als auch das ganze Umfeld eine größere Herausforderung darstellen werden. Zum einen findet der Wettbewerb in den Sälen eines Konferenzhotels statt, die Platz für zwei- bis vierhundert Zuhörer bieten. Zum anderen ist vor jeder Runde ein Soundcheck geplant. Da auch die anderen Teilnehmer von Runde zu Runde nicht schlechter werden, wird es zudem bestimmt nicht reichen, eine gute Leistung abzuliefern. Um zu gewinnen, wird man aus den Teilnehmern herausstechen müssen.

Kann man sich auf so einen Wettbewerb überhaupt vorbereiten?

Rechel: Ich habe mir eine eigene Struktur überlegt, in die ich mein Feedback einfügen will. Diese orientiert sich an der klassischen Dreier-Gliederung, die sich im bisherigen Wettbewerbsverlauf bewährt hat. Ohne eine klare eigene Struktur ist es schwierig, in der Zeit zu bleiben und gleichzeitig gute Inhalte zu liefern.

Was genau haben Sie in der Zeit Ihrer Mitgliedschaft im Rhetorikclub gelernt? Waren Sie zum Zeitpunkt ihres Eintritts in den Club schon rhetorisch vorgebildet?

Rechel: Ich bin seit vier Jahren Mitglied. Schon vorher habe ich beruflich Reden und Präsentationen gehalten. Für mich war es neu und spannend, im Club ohne Hilfsmittel zu reden. Mit zunehmender Übung habe ich mich dabei immer sicherer gefühlt. Da mich das Reden an sich immer weniger gestresst hat, hatte ich auf einmal viel mehr Platz im Kopf, um auf bestimmte Details zu achten. Jetzt macht es mir Spaß, mutiger mit Gesten, Stimme und Sprache zu variieren.

Kann man den Club unverbindlich kennenlernen?

Rechel: Wenn man Rhetorik-Club hört, könnte man sich einen elitären Kreis professioneller Redner vorstellen. Gäste des Rhetorik-Club Bergstraße stellen aber schnell fest, dass die Mitglieder einfach nur Menschen sind, die lernen möchten, frei vor anderen zu reden – sei es beruflich oder privat. Wir treffen uns 14-tägig dienstags um 19 Uhr im Nebenraum des Restaurant Weiherhaus in Auerbach. Unser nächster Info-Abend ist am 22. Mai. Gäste sind jederzeit willkommen und können bis zu dreimal Club-Luft schnuppern, bevor sie sich für eine Mitgliedschaft entscheiden.

Noch eine private Frage zum Schluss, Frau Rechel: Was machen Sie, wenn Sie keine Reden schreiben und halten?

Rechel: Ich bin Mutter von zwei Kindern und freiberuflicher Coach für introvertierte Menschen. Außerdem trainiere ich die Fußball-Bambini-Mannschaft der SG Gronau und engagiere mich seit diesem Jahr ehrenamtlich im Vorstand der Wirtschaftsjunioren Darmstadt-Südhessen. Mir wird es also nicht so schnell langweilig. red

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel