Bensheim

SG Gronau Launiges AH-Freundschaftsspiel in der Partnergemeinde Pfaffenheim im Elsass

Nach Sekt und Bier fiel das Kicken schwer

Archivartikel

Gronau.„Allez les Verts“ – sinngemäß übersetzt „Vorwärts, ihr Grünen“ – hieß es kürzlich auf dem Sportgelände von Gronaus Partnergemeinde Pfaffenheim an der Elsässischen Weinstraße. Anlässlich des 25-jährigen Verschwisterungsjubiläums bestritten die Alten Herren der Fußballabteilung der SG Gronau mit den „Vétérans“ der Association Sportive Pfaffenheim ein internationales Freundschaftsspiel.

Markus Lerchl, Vorstandsmitglied im Freundeskreis Gronau-Pfaffenheim, hatte mit seinem langjährigen französischen Gastgeber Remy Sihler die Idee, die Partnerschaft beider Dörfer durch einen sportlichen Austausch auf eine breitere Basis zu stellen. Nachdem es in den 90er Jahren schon Altherren- und Jugendspiele gegeben hatte, wollte man einen erneuten Anlauf wagen.

Zum Glück stand das Spielergebnis dabei nicht im Vordergrund. Denn Gronaus grün-weiße Kicker verloren deutlich gegen die traditionell in Rot auflaufenden Pfaffenheimer. Das genaue Resultat wurde nicht kommuniziert. Es war aber zu hören, die Anzahl der Tore sei gerade noch so niedrig gewesen, dass ein Märkerwaldschüler sie nach einem Jahr Grundschulfranzösisch aussprechen kann.

Allerdings gab es für die sportliche Unterlegenheit auch mehrere entschuldigende Gründe. Denn bereits um sieben Uhr am Morgen war der von Paul Gugenberger gecharterte Mannschaftsbus mitsamt Fans in Gronau gestartet. Und die beim Frühstück an der Autobahnraststätte Baden-Baden eingenommenen Getränke sollen nur bedingt sportmedizinischen Empfehlungen entsprochen haben.

Vor dem Spiel begrüßte Bernard Elbling die Delegation an der im Vogesenwald oberhalb von Pfaffenheim gelegenen Wallfahrtskapelle Notre-Dame du Schauenberg. Seine Vorstandskollegen von „Les Amis de Gronau“ reichten bei spätsommerlichen Temperaturen und einem Weitblick über das Oberrheintiefland in Richtung Kaiserstuhl und Schwarzwald heimischen Crémant und Pinot blanc. Und da sich unter Fußballern links wie rechts des Rheines viele Biertrinker finden, gab es auch „Amer Bière“, ein Mischgetränk aus Bier und einem Bitterapéritif.

Doch die üppige Verköstigung – nach Gugelhupf und Brezeln zur Begrüßung servierten die Sankt-Josefs-Schwestern im Saal des Schauenberger Pilgerhauses ein deftiges Mittagsmahl – war nicht der einzige Grund, weshalb das Fußballspielen schwerfiel. Obwohl der durch verletzungs- und urlaubsbedingte Absagen geschwächte Kader durch die Nachnominierung verdienter Spieler der Ü50-Trainingsgruppe ergänzt wurde, kam Gronaus Spielercoach Peter Berger nur auf exakt 11 Akteure. Deshalb half kurzerhand Ortsvorsteher Stefan Hebenstreit aus. Zudem wechselte Pfaffenheims Raphaël Marchal die Seiten. Einer von vielen Momenten, die bewiesen, dass es bei der Partie nicht um den Europapokal, sondern um die europäische Freundschaft ging.

Ohnehin war der Sport nur ein Teil des Tages. Nachdem der ehemalige Bürgermeister und Schulrektor Romain Siry allen kultur- und geschichtsinteressierten Fußballfans vor dem Match eine Dorfführung angeboten hatte, folgte nach dem Schlusspfiff eine Weinprobe im Innenhof des Winzerbetriebes von Spieler Jean-Luc Flesch. Beim Anblick der in der Abendsonne herbstlich gelb leuchtenden Pracht des Reblaubes in der umliegenden Gemarkung schmeckten Riesling, Pinot noir und Gewürztraminer gleich doppelt so gut. Zumal nun niemand mehr dem Ball hinterherrennen musste.

Rückspiel im Juni in Gronau

Währenddessen schmorte im Sportlerheim das traditionelle Gericht „Baeckaoffa“, eine in einer Steingut-Terrine zubereitete Elsässer Speise aus verschiedenen Fleischsorten und anderen Zutaten wie Kartoffeln, Zwiebeln und Lauch. AH-Mannschaftssprecher Markus Jarz bedankte sich für die überaus herzliche Gastfreundschaft, und Friedel Dingeldey lud Pfaffenheims „Vétérans“ im Namen des Gesamtvorstandes der SG Gronau ein, im Juni 2020 zu einem Rückspiel nach Deutschland zu kommen.

Um dann die Hinspiel-Niederlage wettmachen zu können, werden die Gronauer nicht nur Glücksgöttin Fortuna, sondern sicher auch Gott Bacchus brauchen. Wenn sie ihren Gästen den Aufenthalt gastronomisch genauso versüßen, wie sie es im Oberelsass erleben konnten, dürften nämlich die Elsässer auf dem Fußballplatz so ihre Probleme haben, die Anfeuerung „Allez les Rouges“ – „Auf geht’s, ihr Roten“ – in die Tat umzusetzen. red

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel