Bensheim

Schönberg Aktualisierter Bebauungsplan findet im Stadtparlament zwar eine deutliche Mehrheit, Vertreter von Grünen, SPD, FDP äußerten aber teils starke Bedenken

Neue Pläne für altes CBM-Gelände stoßen auf Kritik

Archivartikel

Bensheim.Helle Begeisterung sieht anders aus – und dennoch gab es in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung eine große Mehrheit für den geänderten Bebauungsplan „Seegenberg“, das ehemalige CBM-Gelände am Ortseingang von Schönberg. Auf den bereits vor mehr als fünf Jahren an die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung aus Stuttgart verkauften Grundstücken soll bekanntlich Wohnbebauung entstehen.

Bis auf die Grünen stimmten alle Fraktionen für die geänderte Planung, wenn auch teils – wie im Falle von SPD und FDP – mit einigen kritischen Anmerkungen. Positiv äußerte sich die CDU zu der Beschlussvorlage des Magistrats. Unter anderem habe die sehr schwierige topographische Lage bei der weiteren Detailplanung des Gebietes zur Erkenntnis geführt, dass „eine sinnvolle Anpassung erforderlich ist“, erläuterte Petra Jackstein.

Wie berichtet, war im Bauausschuss, der gemeinsam mit den Ortsbeiräten Schönberg und Mitte tagte, die aktuelle Konzeption vorgestellt worden, die eine Änderung des Bebauungsplans notwendig macht. Die Hanglage mit engen Kurven und Probleme bei der Entwässerung hätten eine Umsetzung des ursprünglichen Plans mindestens herausfordernd, wenn nicht unmöglich gemacht, hieß es in der Sitzung Anfang Dezember.

Andere Straßenführung

Als Lösung wurde eine andere Straßenführung erarbeitet, zudem werden die Gebäude am Hang anders angeordnet – und die Anzahl der Wohnungen fällt deutlich höher aus. Ging man 2015 noch von 40 bis maximal 81 Wohnungen aus, sind es laut aktueller Variante 170, verteilt auf Mehr- und Einfamilienhäuser. „Wir bewegen uns mit 42 Wohnungen pro Hektar in den Vorgaben des Regionalplans, der 35 bis 50 Wohneinheiten pro Hektar zulässt“, betonte Jackstein. „Uns sind verschiedene Wohnformen sehr wichtig. Das Angebot muss aus unserer Sicht vielfältig sein.“ Positiv ist für die CDU auch, dass am Standort Seegenberg eine Innenentwicklung auf einem bereits bebauten Gelände realisiert werden kann.

Die zeitliche Verzögerung durch die Änderung des Bebauungsplans ist für die CDU dabei kein Grund zur Kritik. Bei der Umsetzung gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit, so die CDU-Stadtverordnete weiter. Wer ein Bauleitplanverfahren vom Aufstellungsbeschluss bis hin zur Fertigstellung der Gebäude kenne, der wisse, dass auf dem Weg einige Herausforderungen zu bewältigen seien und dies Jahre dauern könne. „Wer mehr Tempo beim Wohnbau fordert, verkennt hier die Realität. Und letztendlich wollen wir doch alle ein gut durchdachtes Konzept“, erklärte Jackstein. Im Vordergrund sollte deshalb aus Sicht der CDU die Qualität des Vorhabens mit der Realisierung von ansprechendem Wohnraum stehen. Einen „Höllenverkehr“ auf der Nibelungenstraße, wie im Ortsbeirat kritisiert wurde, befürchtet die CDU durch das neue Wohngebiet nicht. Schließlich seien bei der Blindenmission einst auch rund 200 Mitarbeiter beschäftigt gewesen.

Zustimmung für die Änderungen gab es auch von Seiten der Bürger für Bensheim. „Wir tragen die Änderungen mit. Aufgrund tiefergehender Untersuchungen musste eine Umplanung stattfinden“, erläuterte Franz Apfel für die BfB. Der bisher vorgesehene Abbruch eines Bestandsgebäudes müsse entfallen, da dieser Bau einen Hang abfange, dazu habe ein Statiker dringend geraten. Dadurch wiederum müsse auch die Straßenführung umgeplant werden.

Heiko Moritz äußerte für die SPD einige Bedenken in Bezug auf die geänderten Planungen. Es sei ein großes Wohngebiet, das dort auf einem schwierigen Terrain in starker Hanglage entstehen soll. Bei bis zu 170 neuen Wohnungen rechnet Moritz mit 300 bis 350 Neubürgern. Das habe auch Einfluss auf die Infrastruktur in Schönberg – etwa auf die Betreuungseinrichtungen sowie auf den Verkehrsfluss. „Der Verkehr aus dem Lautertal ist jetzt schon grenzwertig“, so Moritz. Für Radfahrer sei der Abzweig ins künftige Wohngebiet außerdem eine gefährliche Ecke. „Wir stimmen der Vorlage zu, sind aber auf die nächsten Schritte gespannt“, schloss Moritz seinen Redebeitrag für die Sozialdemokraten.

Schwieriges Terrain

Auch die FDP werde zustimmen, machte Holger Steinert deutlich – aber um einige kritische Anmerkungen komme man nicht umhin. An dem schwierigen Gelände habe sich in den vergangenen fünf Jahren nichts geändert, „das war alles schon bekannt“. Dass jetzt diese Änderungen vorgelegt werden, ist für Steinert deshalb entweder Taktik – „oder die Arbeit wurde nicht richtig gemacht“. Der Untergrund sei schon immer schwierig, „das hat Methode“, findet Steinert. Immer sei mit solchen Fällen eine Erhöhung der Wohneinheiten verbunden. Man werde „mit Bauchschmerzen zustimmen“, damit endlich Bewegung in die Sache komme und man nicht noch länger warten müsse.

„Erhebliche Vorbehalte“ äußerte Thomas Götz von der Grünen Liste gegen die geplante Änderung des Bebauungsplans. Er nannte zwei wesentliche Punkte: Zum einen bringe die neue Verkehrserschließung deutliche Eingriffe in die Topographie mit sich. Zum anderen werde die Dichte der Bebauung fast verdreifacht. Statt ursprünglich 15,3 Wohneinheiten pro Hektar sollen jetzt 42,5 Einheiten realisiert werden.

Schon 2015, bei der Erstellung des ursprünglichen Bebauungsplans, habe es große Vorbehalte gegen eine Wohnbebauung in „dieser ökologisch sensiblen Lage“ gegeben, so Götz. Einwände unter anderem vom Kreis und dem Regionalpräsidium seien mit dem Argument zurückgewiesen worden, dass die mögliche Bebauung sehr zurückhaltend sei und man die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich halten wollte. Unter diesen Bedingungen habe die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung das CBM-Gelände 2015 erworben – „und stellte anschließend wohl fest, dass damit eine wirtschaftliche Nutzung als Wohngebiet schwierig ist“, schlussfolgerte Götz.

„Prinzipien auf den Kopf gestellt“

Es sei grundsätzlich kein Problem, an einem Bebauungsplan Änderungen vorzunehmen, um eine wirtschaftliche Nutzung zu erleichtern. Ausgeschlossen sei jedoch, so Götz weiter, dass „die Prinzipien, die ursprünglich galten, für die es gute Gründe gab und die mit allen Beteiligten abgestimmt waren, jetzt auf den Kopf gestellt werden“.

Abschließend stellte Götz fest, dass der vorliegende Bebauungsplan von derselben Kommunalentwicklung erstellt worden sei, die auch der Investor ist. „Damit definiert der Investor seine Regeln quasi selbst. Ich finde, das geht nicht“, betonte der grüne Stadtverordnete. Ins selbe Horn blies auch sein Parteikollege Wolfram Fendler. Die Vorlage sei eine „investorengetriebene Bauleitplanung“.

Das wollte Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung so nicht stehen lassen. „Wir sind nicht investorengetrieben“, so die Baudezernentin. „Wir versuchen lediglich, eine gute Planung vorzulegen.“ Überzeugen konnte sie damit die Grünen nicht. Sie lehnten den Beschlussvorschlag ab. Mit 27 Ja- bei sieben Nein-Stimmen wurde die Vorlage zum Bebauungsplan Seegenberg dennoch mit deutlicher Mehrheit angenommen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel