Bensheim

Heilig-Geist-Hospital Chefärztin Bettina Hartmann hat erstmals in der Region eine sogenannte Cholangioskopie eingesetzt

Neues Verfahren bei Gallenleiden

Archivartikel

Bensheim.Im Bensheimer Heilig-Geist Hospital wurde kürzlich durch die Medizinerin Dr. Bettina Hartmann, Chefärztin der Inneren Medizin und Gastroenterologin, nach Angaben des HGH zum ersten Mal ein in der Region neues Verfahren zur Diagnostik und Behandlung von Gallengangssteinen eingesetzt: Durch die sogenannte Cholangioskopie können mittels eines dünnen Endoskops die Gallenwege von innen eingesehen werden.

„Gallensteine, Einengungen der Gallenwege oder Raumforderungen können so direkt betrachtet und Proben gezielt entnommen werden. Große oder eingeklemmte Steine im Gallengang oder im Gallenblasengang können unter Sicht mittels elektrohydraulischer Stoßwellen gezielt zertrümmert und geborgen werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Hospitals.

Täglich wird in der Leber etwa ein Liter Gallenflüssigkeit gebildet, die für die Verdauung von Fetten im Darm essenziell ist. Ein Großteil der Gallenflüssigkeit fließt nach der Nahrungsaufnahme über die Gallenwege in den Dünndarm, die verbleibende Flüssigkeit wird zwischen den Mahlzeiten in der Gallenblase gespeichert und eingedickt.

Starke Beschwerden möglich

Bei Gallensteinen handelt es sich um auskristallisierte Bestandteile der Gallenflüssigkeit in Form kleiner Steinchen (Gries) oder größerer Steine. Je nach Lage unterscheidet man zwischen Gallenblasen- und Gallengangssteinen.

Beschwerden aufgrund von Gallenblasensteinen werden durch operative Entfernung der Gallenblase behandelt. Gallengangssteine werden dagegen endoskopisch behandelt. Sie können – je nach Größe und Lage – starke Beschwerden wie Bauchschmerzen bis hin zu Koliken auslösen.

Diese entstehen, wenn sich die Gallenwege zusammenziehen, um Galle in den Darm zu pressen, und die Gallensteine zugleich den Abfluss blockieren. Bei ausbleibender Therapie können die Steine zu einem Gallenaufstau führen, der unbehandelt rasch in eine lebensbedrohliche Blutvergiftung übergehen kann, weshalb eine rechtzeitige Diagnostik und Therapie wichtig sind.

Ultraschall weit verbreitet

Verbreitet sind Diagnostik und Therapie mittels Ultraschall, endoskopischem Ultraschall und einer speziellen endoskopischen Untersuchung unter Einsatz von Röntgenstrahlen (ERC). Problematisch an diesen Verfahren sei jedoch, dass die Veränderungen in den Gallengängen nur indirekt mittels Ultraschallwellen oder Kontrastmittel sichtbar gemacht werden können. Eine eindeutige Diagnosestellung durch eine gezielte Probenentnahme aus den Gallenwegen, die im Falle von Tumoren nötig ist, sei dabei nicht möglich, heißt es von Seiten des HGH.

Chefärztin Bettina Hartmann ist aus diesem Grund umso erfreuter darüber, dass in der Bensheimer Klinik nun ein neues Verfahren angewendet werden kann: Mittels Cholangioskopie kann sie nun in die mit herkömmlichen Techniken schlecht zugänglichen Gallengänge und sogar in den Gallenblasengang des Patienten schauen und die Diagnose stellen. Insbesondere große oder eingeklemmte Gallengangssteine können mittels direkter Bildgebung des millimeterdünnen Endoskops direkt in den Gallengängen dargestellt werden. Durch den Arbeitskanal des Endoskops wird dann eine Sonde an den Stein herangeführt. Eine kontrollierte, sehr schnelle elektrische Entladung im Zentrum der Sondenspitze sorgt für Stoßwellen, die den Stein zertrümmern.

Von Schmerzen befreien

„Dieses Verfahren gibt uns jetzt die Möglichkeit, unseren Patienten auch bei diesen speziellen, komplizierten Gallengangssteinleiden zu helfen und die Betroffenen endlich von ihren Schmerzen zu befreien und den Galleabfluss wieder herzustellen“, freut sich Hartmann.

Im Zentrum für Verdauungsorgane des Heilig-Geist Hospitals bildeten die internistischen und die chirurgischen „Bauchspezialisten“ ein eingespieltes Team, das sowohl die differenzierte Diagnostik wie auch individualisierte Therapieansätze vom ersten Symptom bis zum Abschluss der Therapie gemeinsam plane und begleite.

In der Gastroenterologie, die von Dr. Bettina Hartmann chefärztlich geleitet wird, steht die umfassende klinische und sonographische Diagnostik sowie die endoskopische Diagnostik und Therapie im Vordergrund.

In Zusammenarbeit mit der Allgemein- und Viszeralchirurgie, unter der Leitung von Chefarzt Dr. Jens Jonescheit, werden Patienten mit einem breiten Spektrum an minimalinvasiven wie auch offen chirurgischen Eingriffen behandelt. red

Info: Weitere Informationen: www.hgh-bensheim.de

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