Bensheim

Haus am Markt I „Mutbürger“ sehen Mängel am Entwurf für den Neubau

„Nicht genehmigungsfähig“

Bensheim.Den Abriss des Hauses am Markt zu verhindern – das ist bekanntlich das erklärte Ziel der Vereinigung der mutigen Bürger (VdmB). Wie berichtet hat die von Unternehmer Edbill Grote gegründete Initiative 1200 Unterschriften für den Erhalt des bestehenden Gebäudes am Marktplatz gesammelt, die heute dem Magistrat und der Stadtverordnetenvorsteherin übergeben werden sollen. Auch nachdem nun mit Café Extrablatt der Hauptmieter im geplanten Neubau feststeht, ist das Thema für die „Mutbürger“ noch nicht vom Tisch – im Gegenteil. Der neue Entwurf, der für die Anforderungen der Café-Kette nochmals leicht verändert werden musste, hat laut der Vereinigung „eine ganze Reihe von Mängeln“.

Ausmaße verglichen

Architekt Lothar Mundt (er war am Bau des bestehenden Hauses am Markt beteiligt), Theo Sartorius, von 1973 bis 1984 Bensheimer Stadtbaurat, und Frank Gräff sind sogar davon überzeugt, dass die vorliegende Planung für den Neubau nicht genehmigungsfähig ist. Sie haben die Ausmaße von Bestands- und geplantem Neubau verglichen. Dabei sei aufgefallen, dass die nach der Hessischen Bauordnung erforderlichen Abstandsflächen zur angrenzenden Bebauung weder nach Norden noch nach Süden eingehalten würden. Zudem würde auch der vorgeschriebene Brandschutzabstand zumindest Richtung Norden (Galerie Böhler) nicht eingehalten.

Darüber hinaus bedeute die aktuelle Planung durch eine neue Freiflächengestaltung zur Stadtkirche Sankt Georg hin einen starken Eingriff in die Gestaltung des Kirchenvorplatzes.

Der Neubau sei kein Ersatzbau, sondern in Fläche, Höhe und Volumen deutlich größer als das jetzige Haus am Markt, so Theo Sartorius. Die „Mutbürger“ sind deshalb überzeugt, dass eine planungsrechtliche Absicherung der beabsichtigten Baugenehmigung über einen Bebauungsplan erforderlich und unerlässlich ist.

Gefahr eines Baustopps

Eine Genehmigung ohne Bebauungsplan berge die Gefahr, dass berechtigte Einsprüche – etwa von Anliegern – gegen das Bauvorhaben zu einem Baustopp führen könnten. „Was das für das Projekt an dieser Stelle und bei der derzeitigen Konjunkturlage bedeutet, kann weder die Stadt Bensheim noch die MEGB verantworten“, so Sartorius.

Lothar Mundt appelliert an Verwaltung und Stadtverordnete, sich länger Zeit zu lassen und eine „saubere Planung auf den Tisch zu legen“. Der Entwurf für den Neubau sei „aus dem Hut gezaubert“ und nicht mehr auf den Prüfstand gestellt worden. „Er ist nicht von einem Wettbewerbs- und gutachterlichen Verfahren begleitet worden“, kritisiert der Architekt.

Ein Dorn im Auge ist der VdmB auch die Kostensteigerung von 5,1 auf 6,8 Millionen Euro. Der Mehrbetrag müsste von den Stadtverordneten genehmigt werden, „das darf nicht unter der Hand gemacht werden“.

Im Übrigen hätten sich die „Mutbürger“ mit dem Sachverhalt Haus am Markt nun auch an den hessischen Ministerpräsidenten, den Landesrechnungshof und den Landrat gewandt. „Wir werden weiter kämpfen“, so Gräff, stellvertretend für die Vereinigung der mutigen Bürger. cim

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