Bensheim

21. Bensheimer Orgelwochen Eröffnungskonzert mit Lilo Kunkel

Organistin in Jazzlaune

Archivartikel

BENSHEIM.Für Repertoirevielfalt ohne Stilgrenzen stehen die Bensheimer Orgelwochen in der Michaelskirche auch in ihrer 21. Auflage. Das von Lilo Kunkel gestaltete Eröffnungskonzert mit eigenen Arrangements aus den Bereichen Swing, Latin, Chanson und Film belegte dies auf schönste Weise. Mit Irving Berlin, Lionel Hampton, Antonio Carlos Jobim, Michel Legrand, Charles Trenet, Henry Mancini und Django Reinhardt waren dabei große Namen der populären Musik des letzten Jahrhunderts zu einer effektvollen Evergreen-Parade vereint.

Als künstlerisches Markenzeichen der an der Würzburger Musikhochschule lehrenden Organistin (Jahrgang 1975) darf fraglos ihre ausgeprägte Jazz-Leidenschaft gelten. Veröffentlichungen wie etwa „Songs der Reformationszeit (Jazz-Choralvorspiele)“, „Preludes in Swing“, „Play Bach – Play Jazz“, „Jazz Meditations“, „Jazz Inspirations“, „Latin Suite“ (für Orgelduo) oder „Italian Swing“ (für Flöte-Orgel-Duo) bezeugen die unerschöpfliche Kreativität der versierten Komponistin und Arrangeurin. Wie gut ihre Bearbeitungen klingen, machte das Bensheimer Programm anhand einiger besonders attraktiver Kostproben deutlich. Charakteristisch für Kunkels Versionen erschien die stets spürbare Nähe zum Original, das bei aller Lust an spielerischen und farblichen Details nie zum Vehikel virtuoser Selbstdarstellung umfunktioniert wurde. Zu erleben waren also echte Adaptionen von souveräner organistischer Machart, aber keine improvisatorisch ausschweifenden Quasi-Fantasien mit potenziert konzertantem Anspruch. Dankbare Novitäten jedenfalls gab es da in Hülle und Fülle.

Sehr ergiebig zeigte sich insofern schon der erste Programmblock mit farbenreichen US-Highlights wie „Blue Skies“ (1926) von Irving Berlin, „Midnight Sun“ (1947) von Lionel Hampton und „Sunny“ (1963) von Bobby Hebb. Fesselnd international klang der zweite Teil mit Ohrwürmern wie der süffig schwelgenden Ballade „Georgia“ (1930) von Hoagy Carmichael, dem delikat pulsierenden Latin-Standard „The Girl from Ipanema“ (1962) von Antonio Carlos Jobim oder zwei elegant verspielten Frankreich-Ausflügen (Michel Legrands „A place in Paris“, Charles Trenets „Ménilmontant“). Im letzten Block folgten dann mit Trenets „La Mer“ (1943), Jobims „Wave“ (1967) und Henry Mancinis „Slow Hot Wind“ (1959) weitere passgenau adaptierte Klassiker, gekrönt schließlich von Legrands melancholischem Juwel „The Summer Knows“ (aus „Summer of 42“/ Filmmusik-Oscar 1971) und Django Reinhardts 1943 herausgekommenem Swing-Reißer „Douce Ambiance“. „Play Bach“ à la Lilo Kunkel erklang als Zugabe in Gestalt der feinsinnig verjazzten „Badinerie“ aus BWV 1067.

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