Bensheim

Evangelische Gemeinde Schwanheim Für den studierten Theologen zeigt sich Kirche Tag für Tag neu

Pfarrer Christian Ferber tritt am Sonntag seinen Dienst an

Schwanheim.Christian Ferber wird neuer Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Schwanheim. Der 48-jährige promovierte Theologe tritt seinen Dienst am Sonntag (20.) an und wird am 31. Oktober in sein Amt eingeführt.

Nach Schwanheim kommt Pfarrer Ferber nach eigenen Angaben nicht mit einem fertigen „Programm“. „Ich möchte vielmehr mit wachen Augen und Ohren durch die vier Dörfer gehen und sie in ihren gewachsenen kirchlichen Strukturen erst einmal kennenlernen. Da gibt es bestimmt viel zu entdecken und wertzuschätzen. Und natürlich wird uns wohl mindestens in dem ersten Jahr auch die Herausforderung der Corona-Pandemie weiter begleiten.“

Die vier Dörfer seines Gemeindegebietes sind neben Schwanheim Fehlheim, Langwaden und Rodau. Für den Pfarrer eine interessante Sozialstruktur und eine Mischung aus Tradition und Innovation. „Von eingesessenen Landwirtschaftsfamilien bis hin zu zugezogenen Akademikern ist in allen vier Orten ein breites soziales Umfeld gegeben.“

Vertretungsdienst in Einhausen

Zuletzt hatte Ferber den Vertretungsdienst in der benachbarten Kirchengemeinde Einhausen übernommen. In der Corona-Pandemie hatte er sich dort gemeinsam mit seiner Frau, Pfarrerin Katrin Hildenbrand, auf digitale Wege begeben, die er fortsetzen möchte. Von März bis Mai gab es jeden Sonntag eine digitale Andacht auf YouTube von circa 15 Minuten Länge zu sehen. Das zweite Standbein waren ein- bis zweiminütige digitale Mutmachgeschichten.

„Da wir auf beide Angebote eine durchweg positive Resonanz bekamen, haben wir ein Folgeformat entwickelt; die sogenannte ,Seelenkost‘. Das sind fünf- bis zehnminütige Themenandachten. Dieses Angebot wird auf der Kooperationsplattform der beiden Kirchengemeinden Schwanheim und Einhausen weiterentwickelt werden“, so Ferber.

Digitale Angebote seien in Corona-Zeiten ein Segen, weil damit das vollständige Erlahmen kirchlicher Verkündigung verhindert werde und mit Bild- und Tonübertragungen, die man zu Hause oder auch unterwegs sehen und hören könne, eigene Impulse gesetzt werden. Gottesdienste mit physischer Präsenz könnten sie aber nicht ersetzen. „Der direkte Austausch zwischen Menschen und die zwischenmenschliche Dynamik, die in realen Begegnungen entsteht, kann das Internet allenfalls nachahmen“, betont der Pfarrer, der in Heidelberg, Leipzig und Berlin Theologie studierte und im Anschluss sein Vikariat, die praktische Ausbildung zum Pfarrer, in der in der Thomasgemeinde in Hofheim-Marxheim absolvierte.

Von 2007 bis 2009 war er in der Kirchengemeinde Biedenkopf tätig und dann Pfarrer der Stephanusgemeinde Bensheim. Ab Dezember 2016 koordinierte er als Leiter des Projektbüros „Reformation“ die Veranstaltungen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zum 500. Reformationsjubiläum.

Das wertvollste Amt der Kirche

Der Pfarrberuf ist für Christian Ferber nach wie vor das wertvollste Amt, das die Kirche zu vergeben hat. „Ich erlebe fast täglich, wie viel segensreiche und gute Begegnungen es gibt – in der Konfiarbeit, in den Kasualgesprächen, bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Hausbesuchen und im Gottesdienst. In der zwischenmenschlichen Begegnung und der damit verbundenen Verkündigung zeigt sich Tag für Tag Kirche neu.“

Und er zitiert angesichts des Mitgliederschwunds einen Satz des Theologen Karl Barth: „Die Kirche ist Gottes Angelegenheit!“ Diese Feststellung schenke ihm in geistlicher Hinsicht eine große Gelassenheit. „Vielleicht sehen wir schon bald das Ende der Kirchensteuer und der Landeskirche, so wie wir sie seit 70 Jahren kennen. Aber Kirche ist älter und vielgestaltiger. Wo Menschen vom Geist Gottes im Herzen erreicht werden, wird es immer wieder neu Ausdrucksformen christlichen Glaubens geben. Da ist mir nicht bange!“ Mit seiner Familie wird er in Einhausen wohnen bleiben, richtet in Schwanheim aber feste Präsenzzeiten ein, damit ihn die Gemeindemitglieder verlässlich erreichen können. Zudem möchte er künftig in einem regelmäßigen Turnus seine Anwesenheit in allen vier Dörfern der Kirchengemeinde ermöglichen. red

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