Bensheim

Traditionsfiguren vorstellt Ortsvorsteher Robert Schlappner ist neuer Kerwekönig in Auerbach / Bürgermeister Rolf Richter ist Schirmherr

Politprofis in ungewohnten Rollen

Auerbach.Wer sagt, dass Kerweparrer und Mundschenk immer Kerle sein müssen und einer Kerwekönigin grundsätzlich größere Chancen wie einem König eingeräumt werden? Kein Mensch!

Auch deshalb – aber eben nicht ausschließlich – gehen die Uhren in Auerbach seit Sonntag anders. Die kleine Revolution und der Geschlechterwechsel haben vielmehr einen ernsten Hintergrund und der heißt: Stärkung des Ehrenamts und Respekt vor der Tradition. Handeln statt labern, die Initiative ergreifen und unkonventionelle Lösungen statt endloser Appelle.

Große Überraschung

Kurz vor 13 Uhr platzte „die Bombe“ und das gut gehütete Geheimnis um die Identität der Traditionsfiguren für die diesjährige Kerb wurde „beim Startschuss in die heiße Saison“ gelüftet. Entsprechend groß war die Überraschung bei den Besuchern des Kurkonzerts, als Markus Meyer von der Kerweabteilung in einer Pause das Dreigespann plus Schirmherrn im Kronepark vorstellte.

Nicht etwa die Ankündigung, dass Bürgermeister Rolf Richter letzteres Amt übernimmt verdient den Stempel einmalig, sondern die Bekanntgabe seines prominenten Begleittrosses.

Ortsvorsteher Robert Schlappner wird Kerwekönig und löst damit Vorgängerin Stefanie Kolb ab. Als Kerweparrer wird die Stadtverordnete Petra Jackstein mit Zylinder und Schärpe für Aufsehen sorgen, begleitet und unterstützt von ihrem Mundschenk, Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert. Diese will alles in ihrer Macht stehende tun, damit „die Gläser immer gut gefüllt sind.“

Man darf durchaus gespannt sein, wie sich die gewählten Politprofis in ihrer ungewohnten Rolle als Symbolfiguren zum Anfassen während der Auerbacher Kerb vom 13. bis zum 16. Oktober schlagen. Bürgernähe direkt, hautnah und mittendrin – im Festzelt und auf dem Festwagen – ausdauernde Präsenz beim Frühschoppen und Kerwetanz bis spät in die Puppen gehören schließlich auch für Volksvertreter nicht zum Alltag. Schnell und möglichst unbemerkt mal eben nach der offiziellen Begrüßung verschwinden, ist nicht drin.

Bürgermeister Richter machte als Schirmherr gleich zum Auftakt alles richtig. Unter dem Beifall der Zuschauer verteilte er „Mitbringsel“ an seine Kerb-Mitstreiter.

Die blauen XXL-Schirme in den Farben der Kerbeabteilung und dem Auerbacher Wappen sind übrigens in der Verwaltung erhältlich. Angesichts dieser netten Geste verzieh ihm das Publikum sogar eine gezielte Provokation: Richter selbst suchte nämlich unter einem rot-weißen Bensheim-Schirm Schutz vor der Sonne.

Das Ehrenamt stärken

„Wir wollen Zeichen setzen, Verantwortung übernehmen und ein Beispiel geben“, erklärte der Schirmherr in seiner Antrittsrede und fügte hinzu: „Das ist kein Klamauk. Wir wollen vielmehr etwas zurückgeben“. Man habe sich bewusst dazu entschieden, das Ehrenamt und alle jene, die sich ehrenamtlich engagieren, zu unterstützen, „damit im nächsten Jahr wieder alles normal läuft.“

Kerwekönig Robert Schlappner

Dass sich die Suche nach Traditionsfiguren und Helfern für die Kerb immer schwieriger gestaltetet, machte der technische Leiter der Kerweabteilung des Kur- und Verkehrsvereins, Markus Meyer deutlich. Umso größer seien Begeisterung und Zustimmung für den Vorschlag des Bürgermeisters gewesen, einmalig vereinsfremde Personen aus der lokalen Politik für die Pöstchen als Kerweparrer, Mundschenk und Kerwekönig zu motivieren.

Wie viel Überredungskunst Richter aufbringen musste, um Ortsvorsteher Schlapper davon zu überzeugen, als Kerwekönig zu fungieren, konnte dieser nicht verraten, da er derzeit noch im Urlaub weilt. Dass er erfolgreich alle Register seiner Überzeugungskraft gezogen hat, zeigt indes die Bereitschaft von Petra Jackstein und Christine Deppert als eingespieltes Kerweparrer/Mundschenkduo aufzutreten. „Wir haben uns alle für die Kerb ein paar Tage Urlaub genommen und sind mit viel Spaß und Herzblut dabei“, versichern beide.

Jackstein, die in Lorsch zu Hause ist, will in den kommenden Wochen noch kräftig an der Auerbacher Mundart feilen. Für die Pointen in der Kerweredd erhält sie tatkräftige Hilfe von Klaus Sponagel und Oskar Scherer.

Die offizielle Amtsübergabe und Einführung der Traditionsfiguren findet am Kerwesamstag, 18. Oktober, nach dem ökumenischen Gottesdienst und Aufhängung des Kerwekranzes gegen 18 Uhr im Bürgerhauszelt statt. gs

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