Bensheim

Konzert Jessy Martens stellte mit ihrer Band im Bensheimer Musiktheater Rex ihr neues Album „Tricky Things“ vor

Powerfrau mit Wahnsinnsstimme

Archivartikel

Bensheim.Jessy Martens ist am Mikro einfach eine Wucht. Was die zierliche Powerfrau im Bensheimer Musiktheater Rex mit ihrer Band an Rock, Blues und Soul rüberbringt, ist allererste Sahne. Kein Wunder, dass sie mit Amy Winehouse, Janis Joplin oder Tina Turner verglichen wird, leider ohne aber auch nur in die Nähe von deren Bekanntheitsgrad zu kommen. Das hat zwei Seiten: Ihre Konzerte haben schon fast eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre, treiben aber den Veranstaltern ob der mäßigen Vorverkaufszahlen den Schweiß auf die Stirn.

Im Rex war das nicht anders. Gerade 80 Karten gingen im Vorverkauf weg. Und das, obwohl Jessy Martens inzwischen zum vierten Mal in Bensheim gastierte. Zum Glück, sagt Rex-Chefin Margit Gehrisch, lief die Abendkasse dann noch einigermaßen. Diejenigen aber, die in die denkmalgeschützte Güterhalle gekommen waren, die waren begeistert.

Die Songs sitzen

Daran hat auch die Sängerin großen Anteil, die immer den Kontakt zum Publikum sucht und lockere Sprüche reißt. Ursprünglich sollte ja die „Tricky Things Tour“ mit dem neuen Album früher im Jahr stattfinden, aber „vier Wochen, nachdem ich das letzte Mal in Bensheim war, wurde ich schwanger“, lacht die Ausnahme-Sängerin von der Bühne. Fast schien es, als wollte sie beim Nachholtermin deshalb extra einen draufsetzen, so atmosphärisch dicht war das Programm. Kein Wunder, denn beim vorletzten Konzert der Tour „sind wir jetzt richtig eingespielt und die Songs sitzen“, schmunzelt sie. Wie überhaupt das Lachen hoch im Kurs steht, wahlweise über sich oder über andere.

Der Opener „Promise This“ startet mit schon fast afrikanischen Klängen, ehe dann Jessy Martens loslegt. Wie sie ihre Stimme variiert, mal sanft säuselt, dann wieder mit voller Kraft die ersten Reihen fast umpustet, ist bewundernswert. Sie scheint im Laufe der Tour selbstsicherer geworden zu sein, denn beim Konzert vor fast zwei Monaten in Aschaffenburg meinte man doch mehr Wackler gehört zu haben.

Nicht so an diesem Abend. Von den ganz leisen Tönen bis zum Reibeisensound sitzt alles. Die Sängerin kommt nie zur Ruhe, ist ständig von einer Seite zur anderen unterwegs, feuert die Mitmusiker an, obwohl die es gar nicht brauchen. Denn die Hamburgerin hat Könner ihres Fachs um sich geschart, denen sie den gebührenden Raum gibt, um ihre Künste zu präsentieren.

Könner ihres Faches

Gitarrist Dirk Czuya etwa, der Hüne mit dem Iro-Haarschnitt. Stellt er sich in den Strophen brav in den Dienst der Band, darf er zwischendurch in den melodiösen Soli auf seiner Gibson zeigen, welchen großartigen Fang Jessy Martens mit ihm gemacht hat. Oder Keyboarder Markus Schröder. Sein voller, oft schwebender Hammond-Soundteppich verleiht dem Bluesrock erst die richtige Dichte.

Christian Kolf am Schlagzeug zelebriert zusammen mit Schröder und Bassist Christian Hon Adameit ein Solo, wie man es sich öfters von Drummern wünschen würde. Nicht nur stumpfsinnig auf Snare-Drum und Becken geklopft, während zwischendurch die Doublebass malträtiert wird, sondern filigran mit vielen Breaks und Einsätzen gezeigt, dass hier ein Meister seines Fachs sitzt.

Über all dem thront natürlich das Energiebündel in der Mitte. „One Minute Love“ zeigt, wohin es an dem Abend musikalisch geht. Volles Gitarrenbrett und eine Stimme, der man locker zutraut, auch ohne Mikro die hinteren Reihen zu erreichen. Das zieht sich wie ein roter Faden durchs Konzert, bei dem Jessy Martens mit „Hush Now“ ein angebliches Schlaflied anstimmt, das natürlich keines ist, mit „Stranger“ einen klassischen Rocker abliefert und am Schluss mit „Treat me like a Woman“ sowie „Undercover“ eine solche druckvolle Performance mit einer Wahnsinns-Stimme abliefert, dass danach lange noch nicht Schluss sein kann.

„By your side“ ist der verdiente Lohn des Klatschens. Kommt die Hamburgerin mit ihrer Band das nächste Mal wieder ins Rex, dann ist ein Besuch für Rock- und Blues-Fans ein absolutes Muss.

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