Bensheim

Schlösserverwaltung Schafherde im Fürstenlager pflegt die Grünfläche – und lässt die Vergangenheit lebendig werden

Rasenmäher auf vier Beinen

Archivartikel

Auerbach.Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten kümmert sich in einigen ihrer Liegenschaften nicht nur um das kulturelle Erbe, sondern auch um eine kleine Anzahl unterschiedlicher Tiere. Darunter sind Schafe.

Bei ihrer Haltung stehen jedoch weniger ein zoologisches Interesse oder wirtschaftlicher Nutzen im Vordergrund. Vielmehr dienen sie dazu, die jeweilige Anlage dem Publikum anschaulich zu vermitteln: Mit Schafen öffnet sich in historischen Gärten und Anlagen mit Grünflächen ein Fenster zur Vergangenheit, heißt es von Seiten der Schlösserverwaltung.

So erinnern vier Rhönschafe in der Ehemaligen Benediktinerabtei Seligenstadt daran, dass dort im 17. Jahrhundert eine Viehzucht betrieben wurde. Seit 2004 leben sie auf dem Kloster-Gelände neben Pfauen, Hühnern und Tauben. Die Mönche Seligenstadts hielten einst nicht nur diese Tiere, sondern auch Rinder, Schweine, Enten und Gänse. Vieh und Geflügel sicherten einen Teil der Selbstversorgung der Ordensgemeinschaft, doch dies waren nicht nur Lebensmittel. Damals wie heute lässt man die Schafe scheren und die Wolle verarbeiten.

Illusion vom einfachen Landleben

In einem anderen Kontext präsentieren sich die Nutztiere im Bad Homburger Schlosspark. Auch hier grasen Rhönschafe auf einem nicht willkürlich gewählten Gelände in der Nähe des Teiches. Sie stellen den Bezug zu einer Zeit her, als sich die Mode des englischen Landschaftsgartens in Deutschland und bei den Hessen-Homburgischen Landgrafen durchzusetzen begann.

In den 1770er Jahren entstand im unteren Schlosspark ein landschaftlicher Bereich, in dem es eine ältere Meierei gab. Zusammen mit Schafen im Umfeld inszenierte das seit 1667 nachweisbare ehemalige Wirtschaftsgebäude zum Ausgang des 18. Jahrhunderts die Illusion vom einfachen Landleben. Die Meierei, die eigentlich der Bewirtschaftung der Wiesen im Mühlengrund diente, war zugleich Stimmungsträger und ein „Betätigungsfeld“ für Hofdamen aus dem Landadel.

Schäferei aus Lorsch

Im Staatspark Fürstenlager in Auerbach finden sich Schafe in anderer Größenordnung. Bereits im Frühjahr trieb die Lorscher Schäferei Andreas Volk eine Herde mit 720 Tieren durch den weitläufigen Park, die in nur 18 Tagen sämtliche Rasenflächen kürzer machte. Noch in diesem Sommer soll eine weitere rund 80-köpfige Herde durch das Fürstenlager ziehen.

Weidende Schafe sorgen dabei nicht nur für ein hübsches Landschaftsbild. Sie verweisen auch auf eine den Park prägende Strömung der Gartenkunst, die Anfang des 18. Jahrhunderts von England ausging. Eine „ornamental farm“ (schöner Bauernhof) brachte ästhetische und wirtschaftliche Aspekte in Einklang, indem Acker- und Wiesenflächen, Weinberge und Obstwiesen in die Parkgestaltung einbezogen wurden. Das zentral gelegene „Dörfchen“ verstärkt dabei den Eindruck einer Farm. red

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