Bensheim

Hessische Landgesellschaft Seit April ist Gerald Kunzelmann aus Schwanheim Geschäftsführer der staatlichen Treuhandstelle für Bodenordnung

Regionalität und Tierwohl als Trends

Archivartikel

KASSEL.Die Hessische Landgesellschaft (HLG) mit Sitz in Kassel entwickelt derzeit mehr als 300 Baugebiete in Hessen gemeinsam mit kleineren und mittleren Kommunen. Auch Gemeinden in der Region arbeiten regelmäßig mit der staatlichen Treuhandstelle für ländliche Bodenordnung zusammen – etwa Einhausen und Lautertal.

Seit einigen Monaten steht mit Gerald Kunzelmann ein Bensheimer an der Spitze der HLG: Am 1. Februar dieses Jahres trat der promovierte Agrar-Ingenieur und Schwanheimer Ortsvorsteher zunächst in die Geschäftsführung der HLG ein. Vom 1. April an – mit dem Ausscheiden von Prof. Martina Klärle aus dem Amt der Geschäftsführerin und ihrer Rückkehr an die University of Applied Sciences in Frankfurt am Main – hat Kunzelmann die Geschäftsführung allein inne.

Kommunalentwicklung vollziehe sich immer noch zu stark auf der grünen Wiese, „und man redet gerne über die Innenentwicklung auch in Kleinstädten und auf Dörfern, aber man geht diese nicht konsequent genug an“, sagt Kunzelmann. Er fordert, das Augenmerk stärker noch als bisher auf die Innenentwicklung der Kommunen zu legen, um den Flächenverbrauch in Hessen noch wirkungsvoller bremsen zu können.

„Was machen wir zum Beispiel mit den Spezialimmobilien im Ortskern, in denen Produktionsanlagen stehen, wenn deren Nutzung abgelaufen ist? Wäre es nicht richtig, schon beim Neubau eine Kaution für die spätere Revitalisierung des Grundstücks zu verlangen? Aber der naheliegende Weg ins Quartier wird gescheut“, sagt Kunzelmann.

„Wir sind keine Träumer“, versichert er zugleich. Die Baulandentwicklung sei das Hauptgeschäft der HLG. Diese betreue 230 hessische Kommunen in der Flächenentwicklung per Vertrag. Das sei mehr als die Hälfte der hessischen Kommunen. „Wir können uns nicht waschen, ohne uns nass zu machen“, bekennt sich Kunzelmann zu einem verantwortungsbewussten Verbrauch von Flächen.

Aber es sei vor allem die Landwirtschaft, die Flächen für die Entwicklung des Wohlstands aller abgebe. Weder der Naturschutz, noch der Wald, dessen Fläche jeden Tag in Hessen wachse, gebe Flächen ab. Die Landwirtschaft hingegen gebe Tag für Tag vier Hektar ab.

Die HLG helfe der Landwirtschaft in Hessen, indem sie mit den Landwirten „immer wieder mit in die neuen Trends geht, die sich freilich mit den Jahren ändern“. Regionalität und Tierwohl seien die Trends der Gegenwart und Zukunft. Die Landwirte müssten die Nischen finden, um ihre Produkte direkter an den Kunden zu bringen – und das, was sie als Bedrohung empfinden, stärker als Chance nutzen. „Wenn die Siedlungen und Gewerbegebiete die landwirtschaftlichen Flächen verzehren, dann ziehen Konsumenten zu, und die Kaufkraft steigt mit der Einwohnerzahl“, sagt Kunzelmann.

Die HLG helfe in diesem Prozess den Landwirten, indem sie ihnen Flächen verpachte, ihnen Domänenflächen zur Verfügung stelle und nach einer Abwägung der Vor- und Nachteile auch die Nutzung von Naturschutzflächen ermögliche. Dabei helfe die produktionsintegrierte Kompensation, erläutert Kunzelmann: „Wir integrieren den Naturschutz und den Ausgleich für Eingriffe in die Natur in die landwirtschaftlichen Produktionsflächen. Wir bilden zum Beispiel Lerchenfenster auf den Feldern. Jahr für Jahr rotierend lassen wir in den Getreideflächen Start- und Landebahnen für die Lerchen frei. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.“

Weschnitzinsel als Beispiel

Die Ökoagentur der HLG helfe, Flächen zu sparen, weil sie sinnvolle Kompensationsmaßnahmen auf großen, zusammenhängenden Flächen landwirtschaftsverträglich entwickelt, wie es das Beispiel der Weschnitzinsel bei Lorsch zeige. Naturschutz und extensive Bewirtschaftung gingen dort eine Symbiose ein. Die HLG wolle die Kompensation von Eingriffen in die Natur qualitativ und intelligent herstellen. Die Ökoagentur solle wachsen und mehr Stellen erhalten.

Der Bau und Erhalt von Straßen und Autobahnen bleibe ein Thema, der Bau der ICE-Trasse Frankfurt-Mannheim stehe an, und Flächen für neue Stromtrassen werden ein Thema werden, wenn diese Gesellschaft die Energiewende bewältigen wolle, die zugleich eine Hinwendung zum Strom als der dominierenden Energiequelle sein wird. „Wir haben immer mehr Themenfelder, in denen wir als HLG als Dienstleister für das Land gefragt sind“, sagt Kunzelmann.

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