Bensheim

Konzert Großer Andrang beim Auftritt des amerikanischen Gitarristen im Bensheimer Musiktheater

Rocker Ryan McGarvey begeistert im Rex

Archivartikel

Bensheim.Dass der 30-jährige Ryan McGarvey in der Bluesrock-Szene längst kein Unbekannter mehr ist, dafür war der große Andrang bei seinem Konzert am Donnerstagabend im Rex ein deutlicher Beleg: Der amerikanische Gitarrist, der im Laufe seiner jungen Karriere schon mit Genregrößen wie Joe Bonamassa oder Buddy Guy die Bühne teilte, erhielt bei seinem Auftritt in Bensheim kongeniale Unterstützung von Drummer Logan Miles Nix und Bass-Legende Carmine Rojas.

Der Einstieg: In medias res. Das Trio läuft ohne große Showeffekte ein, McGarvey grüßt mit einem knappen „How you doin’?“ und prompt wird drauflosgespielt. Der Opener ist groovender, riffgetriebener Hardrock. Daran schließt sich eine treibende Bluesrock-Nummer mit deutlichem Rock’n’Roll-Einschlag an. Dazu passen McGarveys schwarze Lederjacke, Haartolle und Koteletten: Dem Aussehen nach ist er der Elvis des 21. Jahrhunderts.

Expressiv und virtuos

Sein Gitarrenspiel weist aber Einflüsse auf, auf die der King seinerzeit nicht zurückgreifen konnte: Die Prägung durch Vorbilder wie Joe Bonamassa, Stevie Ray Vaughan oder Hendrix ist deutlich zu spüren. Verbal gibt sich McGarvey bescheiden und zurückhaltend, umso expressiver und virtuoser ist dagegen sein Gitarrenspiel: Die dritte Nummer des Abends startet er mit rund zwei Minuten Wahwah-Experimenten auf seiner Stratocaster, durchläuft dann eine kurze Gesangspassage, nur um im ausgedehnten Mittelteil gründlich die Saitenkünstler-Trickkiste zu durchwühlen. Drummer und Bassist gehen im Hintergrund auf Tuchfühlung, halten rund zehn Minuten den tighten Rhythmus durch und warten geduldig darauf, dass der Frontmann von seinem Egotrip durchs Bluesrock-Universum zurückkehrt.

Nach einem sofort angefügten, flotten Country Boogie nach dem Motto „Wie viele Töne kannst du in einer Minute spielen?“ lässt der Gitarrero schließlich wieder etwas Ruhe einkehren. Es folgt ein klassischer Slow Blues mit pathetischem Intro-Lick, das er stilecht auf der Les Paul serviert. Hier beweist McGarvey auch endlich etwas ausführlicher seine Gesangsqualitäten – und tut gut daran, denn er versteht es, seiner jugendlich klangvollen Stimme Ausdruck zu verleihen.

Davon profitieren auch die nächsten beiden Songs, der moderne Rocker „Joyride“ und die lockere Bluesrock-Ballade „Pennies“, die nicht nur pure Gitarren-Ekstase, sondern auch echte musikalische Substanz zu bieten haben. Danach zollt McGarvey der Tradition seinen Tribut. Auf ein solistisches Intro ganz im Stile des klassischen Delta Blues folgt mit dem Einfall der Rhythmussektion ein stampfender Bluesrock.

Die anschließende Rockballade „My Heart To You“ bringt noch einmal die nötige Entspannung, bevor es auf das große Finale zugeht. Denn im letzten Drittel des Sets drehen die drei Herren voll auf. Klassischer, riffbasierter 70er-Hardrock und dreckiger Südstaaten-Rock mit Slidegitarre stehen auf dem Programm. Hiernach erscheint McGarveys Frage, ob man denn bereit für „something heavy“ wäre, etwas verspätet und damit überflüssig. Das Trio legt aber tatsächlich noch eine Schippe drauf, als der Gitarrist sein Fuzz-Pedal zum Einsatz bringt und seine beiden großen Marshall-Stacks zum Kreischen bringt.

Es folgt eine Huldigung an Hendrix: Der nächste Song erinnert deutlich an „Voodoo Chile (Slight Return)“, besonders in seinen psychedelischen Solo-Ausschweifungen. Diese gehen nahtlos über in ein partielles Cover von Led Zeppelins „Kashmir“ und schließlich in erneute Effekt-Experimente, die McGarvey nun endgültig auf die Spitze treibt: Er erzeugt mithilfe des Toggle-Schalters ein irres Stakkato, reibt die Gitarrensaiten an der Bühnentraverse und erzeugt durch wildes Geschrammel ein lärmendes Getöse. Das Publikum wird von seinem Wahn mitgerissen und spendet begeisterten Applaus.

Die nachdrücklich geforderte Zugabe kommt in Form von Rory Gallaghers „Million Miles Away“, bei dem McGarvey einmal mehr durch die Gesangskünste besticht, mit denen er sich sonst so sehr zurückhält. Der Rhythmussektion gebührt zum Schluss besonderer Respekt: Die perfekte Harmonie des Trios an diesem Abend ist nicht zuletzt auch der Genialität von Bassist Carmine Rojas sowie der Furiosität und astreinen Technik von Drummer Logan Nix zu verdanken.

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