Bensheim

Schule sucht Hirten

Archivartikel

Dirk Rosenberger über den Rückzug des Bistums an der LFS

Der Sparhammer der Katholischen Kirche trifft nun auch Bensheim mit voller Härte. Die Aufkündigung der Trägerschaft für die Liebfrauenschule darf man durchaus als schwarzen Tag für die Bergsträßer Bildungslandschaft, die Schüler und Lehrer verstehen – vor allem, wenn es nicht gelingt, mit einem neuen Träger das in der Region einmalige Konzept eines Mädchengymnasiums mit angeschlossenem Realschulzweig zu erhalten. Im Umkehrschluss müssen nun die verantwortlichen Akteure in der Region geschlossen zusammenstehen, um das Aus für die LFS zu verhindern – ohne dabei das Bistum Mainz vorschnell aus der Verantwortung zu entlassen.

Dass der Kirche die Mitglieder weglaufen und in der Folge die Einnahmen sinken, ist nichts Neues. Aus Sicht der Kirchenökonomen mag es auch verständlich sein, die Millionenverluste durch einen rigiden Sparkurs auffangen zu wollen. Das kennt man aus der Wirtschaft. Allerdings stellt sich die Frage, wie sehr es dem Image der Kirche zuträglich ist, wenn man sich immer mehr aus der Kinderbetreuung und nun auch der Bildungsarbeit zurückzieht – allen Beteuerungen zum Trotz, dass man um die Bedeutung des pastoral-pädagogischen Auftrags wisse. Zumal man der kritischen Öffentlichkeit genau vermitteln sollte, warum die Katholische Kirche immer mehr den Eindruck vermittelt, kurz vor einem Besuch von Peter Zwegat zu stehen. Junge Menschen wird man damit nicht zwingend für den Glauben (und als Kirchensteuerzahler) gewinnen.

Die Beteuerungen, dass man sich vor Ort mit aller Kraft dafür einsetzen werde, mit allen Betroffenen gute Lösungen zu finden, ist das Mindeste, was man vom Arbeitgeber und Schulträger Kirche erwarten kann. Mit der Ankündigung vom Mittwoch hat das Bistum Fakten geschaffen und Lehrende wie Schülerinnen und Eltern mitunter ratlos, verunsichert und mit Zukunftsängsten zurückgelassen. Vor allem in ihrem Interesse muss es sein, schnellstmöglich Perspektiven aufzuzeigen. Der exzellente Ruf der Liebfrauenschule mit einem Campus, in den kontinuierlich investiert wurde, sollte ein Pfand sein, mit dem man sich auf die Suche nach einem neuen Träger machen kann.

Bensheim kann nichts Besseres passieren als ein nahtloser Übergang. Die Liebfrauenschule ist seit mehr als 160 Jahren im Herzen der Innenstadt verankert, das Schulgelände erstreckt sich vom Marktplatz bis an die Nibelungenstraße und darüber hinaus. Praktisch über Nacht ist nun im Zentrum eine weitere potenzielle Baustelle entstanden, die nicht im Verantwortungsbereich des Rathauses liegt, bei der man aber trotzdem alles daran setzen muss, einen neuen Problemfall zu verhindern.

Hoffnungslos ist das Unterfangen nicht. Schon beim Kampf um das Heilig-Geist-Hospital hat die Stadtgesellschaft mit Unterstützung aus der Region gezeigt, was möglich ist, wenn man nicht vorschnell nachgibt. Dieses Engagement wird nun bei der Liebfrauenschule erneut notwendig sein. Ohne Wenn und Aber – und vor allem ohne Wahlkampfgetöse. Denn dafür ist das Thema zu bedeutend, dafür steht zu viel auf dem Spiel.

 
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