Bensheim

Vereine Treffen bei Segelfluggruppe Bensheim / Expertenvortrag über für extreme Höhen konstruiertes Flugzeug

Segelfliegen an der Grenze zum Weltraum

Bensheim.Am vergangenen Wochenende trafen sich rund 130 Wellen- und Hangflieger aus ganz Südwest-Deutschland zum jährlichen Austausch im Clubraum der Segelfluggruppe Bensheim. Das hessisch-pfälzische Organisationsteam hat mit der Mischung aus hochkarätigen Vorträgen und persönlichen Gesprächen wieder eine gelungene Veranstaltung auf die Beine gestellt.

Höhepunkt war der spannende Vortrag von Lars Bensch aus Hamburg über das internationale Projekt „Perlan 2“. Dabei handelt es sich um ein speziell für extreme Höhe konstruiertes Segelflugzeug, das im September 2018 auf eine Rekordhöhe von 23 203 Meter gestiegen ist. Abgesehen vom Überschall-Aufklärer Lockheed SR-71 ist das bisher keinem motorgetriebenen Flugzeug gelungen. Zum Vergleich: Ein A 380 fliegt maximal in 13 Kilometer Höhe.

Zunächst erklärte Bensch, selbst Pilot und Luftfahrtingenieur bei Airbus, warum ein Segelflugzeug ohne Motor ausgerechnet in El-Calafate/Argentinien in die Stratosphäre aufsteigen kann: Der Polar Night Jetstream der Antarktis ermöglicht es nur hier, unter bestimmten Umständen, dass die (Wellen-)Aufwindfelder die natürliche Grenze der Tropopause überschreiten und sich bis in die Stratosphäre fortsetzten. Dieses seltene Wetterphänomen nutzen die Forscher.

Schnell wurden die technischen Schwierigkeiten in diesen Höhen deutlich. Für den fehlenden Sauerstoff gibt es bewährte Ausrüstungen aus dem Militärbereich.

Gravierender ist jedoch die geringe Luftdichte von nur noch zwei Prozent und die Auswirkungen auf die Aerodynamik: Während beispielsweise der Fahrtmesser eine Geschwindigkeit von 70 km/h (Mindestgeschwindigkeit) anzeigt, bewegt sich das Flugzeug tatsächlich mit 430 km/h, weit jenseits üblicher Segelfluggeschwindigkeiten.

„Irgendwann weiß das Flugzeug nicht mehr, ob es zu langsam oder zu schnell fliegt,“ so Referent Bensch. Physikalisch-mathematisch ist damit die maximale Höhe für Flächenflugzeuge auf etwa 27 400 Meter begrenzt. Außerdem führt der fehlende Luftdruck ab einer Höhe von 18 Kilometern zum sogenannten „Amstrong-Limit“: Das Blut fängt an zu kochen, da die darin gelösten Gase wie bei einer Sprudelflasche anfangen „herauszublubbern“. Als Gegenmaßnahme gibt es Druckanzüge: Sie werden jedoch mit zunehmender Höhe zu voluminös in einem engen Segelflugzeug-Cockpit: Der Pilot kann sich kaum mehr rühren, geschweige denn die Steuerung bewegen.

So galt es bei Perlan 2 eine Druckkabine für ein Segelflugzeug zu konstruieren. Eine Herausforderung für Technik und Material, zumal „draußen Minus 70 Grad Celsius und innen kuschelige Minus 20 Grad Celsius herrschen, und keine Heizung an Bord “, wie der Referent hinzufügte. Schnell wird klar, das sind keine „verrückten Spinner auf Rekordjagd“. Hier unterstützt Hauptsponsor Airbus Grundlagenforschung.

Für die Forschung während der Flüge hat die Perlan 2 zusätzlich verschiedene wissenschaftliche Geräte an Bord. Sie sammeln wichtige Messwerte für die aktuelle Klimaforschung.

Anschließend referierte Peter Franke (Segelfluggruppe Giulini/Ludwigshafen) über Hang- und Wellenflug in der Rhein-Neckar-Region. „Die Dimensionen hier sind zwar kleiner, aber dafür kommen wir viel häufiger und mit deutlich weniger Aufwand in die Luft.“

Zum Abschluss kamen Urlaubsgefühle auf, als Torsten Linstädt (Fliegergruppe Wolf Hirth) begeistert von seinen Segelflugerlebnissen in Livno/Bosnien-Herzegowina berichtete und mit traumhaften Fotos untermalte. red

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