Bensheim

Ausflugsziel Gastwirtsfamilie Krastel feiert Jubiläum

Seit 1971 auf dem Hemsberg

Bensheim.Im Jahr 1902 wurde in Bensheim ausgiebig gefeiert. Zwei wichtige städtische Bauprojekte wurden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ihrer Bestimmung übergeben, beide geplant von Architekt Heinrich Metzendorf.

Am 5. Juli wurde das erste Bensheimer Schwimmbad feierlich eröffnet und tags darauf der Bismarckturm auf dem Hemsberg eingeweiht.

Das Bergsträßer Anzeigenblatt berichtete, dass sich ab 14 Uhr ein stattlicher Festzug mit Militärkapelle vom „Deutschen Haus“ in Richtung Hemsberg in Bewegung setzte. Es wurde damals stramm marschiert, denn bereits nach einer halben Stunde erreichte die Festgesellschaft den 262,2 Meter hohen Hemsberg.

Schnaps aus der Kaffeekanne

Für die Bensheimer ist es seitdem schlicht der „Hemsbergturm“, die Bezeichnung Bismarckturm hört man selten. Das beliebte Ausflugsziel, das vom Odenwaldklub (OWK) in Auftrag gegeben wurde, bewirtet seit 1971 die Familie Krastel.

Bis vor zwei Jahren war es Günter Krastel der mit seiner Ehefrau Gisela für das leibliche Wohl der Ausflügler sorgte. Berühmt war neben dem legendären „Riwwelkuchen“ auch noch der Schnaps aus der Kaffeekanne, den Günter Krastel den Gästen ausschenkte.

Und wenn der Schnee einmal selbst für den Allrad-Subaru zu hoch lag, ging es zu Fuß mit einem Rucksack voller Hausmacher Wurst und Brot den steilen Weg hinauf. Denn hungrig oder durstig sollte kein Wanderer den Hemsbergturm verlassen müssen.

Mittlerweile ist Günter Krastel 84 Jahre alt und hat den Turmschlüssel an seinen Sohn Dieter weitergereicht, der seit 1. Januar 2019 die Gäste mit kleinen Speisen und Getränken versorgt. Außerdem ist der Turm seit diesem Datum nicht mehr im Besitz des OWK, sondern wird vom „Hemsbergturm Verein“ unterhalten.

Aus einer Initiative von Zellern Bürgern und den Ortsbeiratsmitgliedern von Zell und Bensheim-Mitte wurde der Verein 2017 gegründet. Er sorgt sich 2019 um die Pflege und den Erhalt des historischen Turms – samt des ihn umgebenden 3500 Quadratmeter großen Areals.

Der Vorsitzende des Vereins ist Hans-Peter Ott, er betonte beim Pressetermin anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Krastels als Wirtsfamilie am Hemsbergturm, wie glücklich der Verein sei, dass diese Tradition von Dieter Krastel nun weitergeführt wird. „Mittlerweile auch mit Stromanschluss“, erzählt augenzwinkernd Dieter Krastel, der sich zusammen mit Hans-Peter Ott und dem Verein einiges vorgenommen hat.

So wurde mittlerweile aus dem kleinen Schankraum eine Küche und die Gäste werden über das Fenster mit Speisen und Getränken versorgt. Und wer als Wanderer dann noch die Stufen auf 22 Meter Höhe hinaufsteigt, wird auf dem Turm mit einem grandiosen Rundumblick belohnt.

Wer die Fahne auf dem Turm wehen sieht, der weiß, dass sich der Weg lohnt und Dieter Krastel die Schänke geöffnet hat. Dann kann man sich vor dem Rückweg mit Hausmannskost und Getränken stärken und die Natur auf dem Hemsberg genießen.

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