Bensheim

Geschwister-Scholl-Schule Oberstufenschüler stoßen eigenes Projekt an und wollen Photovoltaikanlage installieren / Landrat als Schirmherr

Sonnenstrom vom Dach der Sporthalle

Archivartikel

Bensheim.Der Klimawandel ist auch im Kreis Bergstraße angekommen. Die durch lang andauernde Sommerhitze geschädigten Waldbestände zeichnen ein unübersehbar alarmierendes Bild. Ein Oberstufenkurs der Geschwister-Scholl-Schule fasste nun den Entschluss, ein klimafreundliches Projekt auf die Beine zu stellen und lud hierzu Landrat Christian Engelhardt in die Schule ein, um die Machbarkeit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule zu erörtern.

Eingeleitet wurde die Aktion durch die „Fridays for future“-Bewegung, die auch in Bensheim aktiv ist. „Wir wollen nicht mehr wegsehen“, so Zoe Fischer und Saskia Pappok von der Schülervertretung der GSS. „Warum sollten wir Jugendlichen noch länger diesen gnadenlosen Weg der Naturausbeutung akzeptieren, der unsere Zukunft kaputtmacht? Mit unseren Klima-Protesten, wie etwa am Freitag, zeigen wir Flagge für die Notwendigkeit eines grundsätzlichen Umdenkens“, heißt es in einer von Schülern verfassten Pressemitteilung.

Dass der Schülerschaft mit der „Fridays for future“-Bewegung nicht am Unterricht-Schwänzen gelegen ist, wie von vielen Kritikern oft behauptet werde, belege das aktuelle Projekt der Scholl-Schule. Im Politik- und Wirtschaft-Unterricht von Frank Maus formulierten teilnehmende Schüler Möglichkeiten, dem Klimawandel als Zivilgesellschaft etwas entgegenzusetzen.

Etwas Großes auf die Beine stellen

Schließlich reifte gar der Entschluss, etwas „Großes“ auf die Beine zu stellen. Die Klasse Eb einigte sich darauf, umweltfreundlichen Strom produzieren zu wollen.

„Demonstrieren ist wichtig, wir wollen jedoch zeigen, dass wir trotz unseres jungen Alters auch aktiv mithelfen wollen, wenn es um eine lebenswerte Zukunft geht“, so Schülerin Juliana Liebe. „Wir wollen klarmachen, dass es alternative Wege gibt und dass Klimafreundlichkeit nicht bedeutet, dass wir leben müssen wie in der Steinzeit“, ergänzen Madlena Hairapetowa und Laura Hartnagel.

In einem ersten Schritt inspizierten die Schüler die Dachflächen der Schule. Auf dem Dach der Sporthalle sahen sie schließlich gute Voraussetzungen, eine große Photovoltaikanlage umsetzen zu können. Colin Keck äußert sich sehr zuversichtlich: „Dieses Dach wird von keinem Gebäude beschattet, ist völlig eben, gut begehbar und riesengroß. Dort müssten wir gute Bedingungen vorfinden, die Kraft der Sonne einzufangen.“

„Bevor man allerdings durchstarten kann, brauchen wir eine Vielzahl von Informationen“, mahnte der verantwortliche Lehrer Frank Maus zu maßvollem Planen. Vor der Umsetzung müsse man zunächst einen Berg voller Untersuchungen vornehmen, eine Art Machbarkeitsstudie durchführen. „Außerdem brauchen wir verantwortungsbewusste Partner wie etwa den Kreis Bergstraße.“

Nachdem zunächst die Schulleitung vom Vorhaben überzeugt werden konnte, suchte man daher schon bald den Kontakt zu Landrat Christian Engelhardt, der als Kopf der Kreisverwaltung auch für die Schulgebäude verantwortlich zeichnet. Bei einem ersten Telefonat habe sich gezeigt, dass man „offene Türen“ beim Landrat einzurennen schien. Um sich aber von der Ernsthaftigkeit des Vorhabens zu überzeugen, kündigte der Landrat an, die Schülergruppe besuchen zu wollen, um dort in einen fachlichen Austausch zu kommen.

Energiegenossenschaft im Boot

Bei diesem Besuch stellte die Klasse einige Details ihres Vorhabens vor. Engelhardt zeigte sich erfreut über die sachliche Vorgehensweise und lobte die Schüler für ihr Engagement. Schlussendlich gab er der Klasse die Zusage, ihr Vorhaben nach Kräften zu unterstützen und die Schirmherrschaft für das Projekt zu übernehmen. Engelhardt ermutigte die Schüler zur Weiterarbeit: „Euer Projektansatz ist wichtig und richtig. Der Schulbetrieb findet statt, wenn es hell ist und die Stromproduktion auf Hochtouren läuft. Daher brauchen wir bei schulischen PV-Anlagen keine großen energietechnischen Umwege. Schulen sind also ideal für den Betrieb von Photovoltaikanlagen.“

Die Klasse zeigte dem Landrat weiterhin ihren fächerübergreifenden Ansatz in verschiedenen Arbeits-Schwerpunkten wie beispielsweise Ökologie, Betriebswirtschaft und Technik, was sie bis jetzt schon erreicht haben und was sie noch machen wollen. Dabei wurde auch der Kooperationspartner, die Energiegenossenschaft Starkenburg, vorgestellt. Mithilfe eines Films wurde der Irrtum aufgeklärt, wonach Photovoltaikanlagen schädlich für die Umwelt seien. Sie seien vielmehr sehr umweltfreundlich, denn der CO2-Ausstoß, der bei der Produktion verursacht werden, sei schon nach etwa zwei bis drei Jahren Laufzeit ausgeglichen. Schlussendlich produziere eine PV-Anlage 20 bis 30 Jahre umweltfreundlichen Strom. red

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