Bensheim

Bürgermeisterwahlkampf FDP-Kandidat Stefan Stehle besuchte Bensheimer Betriebe

Sorgen und Wünsche von Unternehmern

Archivartikel

Bensheim.Am frühen Mittwochabend fährt Stefan Stehle, Bürgermeisterkandidat der FDP, mit seinem Mountainbike aus der Innenstadt in Richtung des Schwanheimer Feldes zum Bauernhof Schweickert. Der Hof, der von außen im ersten Moment nicht so groß scheint, umfasst eine Fläche von 80 Hektar.

Christoph Schweickert, der an der Universität Hohenheim Agrarwissenschaften studiert hat und seit seiner Jugend im Betrieb seines Vaters arbeitet, besichtigt mit Stehle den Bauernhof. Auf dem Plan stehen die landwirtschaftlichen Flächen, die Stallungen der Tieraufzucht, sowie die Maschinen- und Fuhrparks.

Die Führung beginnt bei den Wiesen der Rinder, Schweine und Hühner. Beim gemeinsamen Füttern des zutraulichen Auerrind-Bullen „Bruno“ (siehe Bild) berichtet Christoph Schweickert von der erfolgten Umstrukturierung des Familienbetriebs, den Herausforderungen bezüglich des aktuellen Klimas und der Corona-Pandemie sowie den kommunalen Veränderungen, welche den Hof und die Familie Schweickert immer wieder vor Herausforderungen stellt.

Stehle lobt die Philosophie und Liebe zum Produkt der Familie Schweickert. „Tierwohl, Produktqualität und Nachhaltigkeit stehen hier deutlich über dem blanken Profit“, so Stehle. Wie nachhaltig der Hof haushaltet, werde besonders in Bezug auf das Futter der Tiere deutlich. Diese werden von den eigenen Erzeugnissen, wie Raps, Mais, Zuckerrüben, Leguminosen und anderen Ölfrüchten gefüttert. Natürlich werden die Ressourcen auch an anderen Stellen weiterverwertet. So wird aus dem Raps auch Öl hergestellt. Dieses Konzept wird durch die autarke Energieversorgung mittels Photovoltaik abgerundet. Doch trotz des ausgeklügelten Konzepts haben die Schweickerts mit den Konsequenzen der Coronapandemie zu kämpfen. „Das macht sich schon bemerkbar, wenn beispielsweise der Flugtag der Segelflieger komplett entfällt“ erklärt Schweickert.

Besuch im Weingut

Danach geht es in den Hofladen, der aktuell nahezu den einzigen Vertriebsweg der Schweickerts darstellt. Bei einer abschließenden Gesprächsrunde im Hofladen gemeinsam mit den Eltern Beate und Jörg Schweickert wird das Thema Stadtentwicklung in Richtung Lorsch sowie damit einhergehend die Versiegelung dortiger landwirtschaftlicher Flächen und zukünftige Projekte des Familienbetriebs thematisiert.

Es ist Donnerstagnachmittag, die spätsommerliche Sonne scheint in die Straße am Rinnentor. Stefan Stehle steht vor dem verschlossenen Holztor der Weinstube Jäger. Einige Minuten später kommen Sebastian und Michael Jäger mit einem Hänger voll frisch geernteter Trauben ins Weingut. Die Weinlese hatte etwas länger gedauert als erwartet.

Die Winzer berichten von der Trockenheit in den letzten Monaten und deren Auswirkung auf die Ernte. Sebastian Jäger erklärt Stehle bei dieser Gelegenheit mehr über die unterschiedlichen Rebsorten und deren Anforderungen etwa an die Bodenbeschaffenheit.

Sebastian Jäger, studierter Weinbauer und Önologe, hat in einigen größeren Weingütern außerhalb der Bergstraße Arbeitseinblicke sammeln können und möchte künftig auch im heimischen Familienbetrieb viel bewegen. Aktuell gehe es darum, wie man die bestehenden Weine sinnvoll und nachhaltig weiter verbessert und das Sortiment erweitert. Jung und alt arbeiten hier Hand in Hand. Gerade in der aktuellen Phase der Weinlese ist der Arbeitsaufwand extrem hoch.

Ein Besuch in der Praxis „Physio³“ am Berliner Ring rundet die kleine Reise von Stefan Stehle durch die facettenreiche Arbeitswelt Bensheims ab. Tom Fuchs, einer der drei Geschäftsführer der physiotherapeutischen Praxis, erläutert Stehle das Konzept des Betriebs. Dieser gliedert sich auf in drei Säulen – Training, Therapie und Prävention. Kernaufgabe ist es, durch gezieltes Kraft- und Fitnesstraining nach Verletzungen, Operationen oder Erkrankungen Patienten wieder auf die Beine zu helfen oder verschiedensten Krankheitsbildern vorzubeugen.

Auch Stehle hat persönlichen Bezug zum „Physio³“. Er trainierte selbst vor 15 Jahren im Studio. Seitdem hat sich vieles verändert: die Räumlichkeiten sind etwa doppelt so groß, das Angebot an Dienstleistungen ist ebenso mitgewachsen. Die Bensheimer Politik macht auch vor den Türen der Praxis keinen Halt. „Es sind natürlich viele emotionale Themen, wie ein Haus am Markt, das Bürgerhaus oder die Wohnungssituation in Bensheim, die unsere Kunden auch immer wieder beschäftigen“, fasst Tom Fuchs zusammen.

Verkehrskonzept für Berliner Ring

Auch einige Mitarbeiter seien davon unmittelbar betroffen. So gibt er beispielsweise zu bedenken, dass bezahlbarer Wohnraum in Praxisnähe für sein Team sehr wichtig sei. Mit branchenüblichen Gehältern könne man Bensheimer Wohnraum häufig nicht bezahlen. Auch die fehlende Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere mit dem nun zusätzlich vorhandenen Ärztehaus in der direkten Nachbarschaft, führe zu Problemen. „Hier gehört eine Bushaltestelle an den Berliner Ring“, äußert sich Tom Fuchs.

Aus den Gesprächen ergaben sich für Stefan Stehle einige Probleme, die Lösungen erfordern. Die erneute Prüfung eines Markthallen-Konzeptes im Neumarktcenter zur Unterstützung regionaler Landwirte, Winzer und anderer Gewerbetreibenden aus dem Genussbereich gilt es vorzunehmen, so der Bürgermeisterkandidat. Außerdem die Errichtung einer beidseitigen Bushaltestelle am Berliner Ring, um die dortigen Gesundheitseinrichtungen auch im Alter oder mit auszukurierender Verletzung besser zu erreichen.

Darüber hinaus sei es besonders wichtig, die wertvollen und unversiegelten landwirtschaftlichen Flächen zu erhalten. Auch die Schaffung altersgerechter und mittel- bis niederpreisiger Immobilien, wie bereits im Wahlprogramm definiert, ist für Stefan Stehle von hoher Relevanz. red

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