Bensheim

Kommunalpolitik Fraktion tauschte sich mit Wohnbau-Geschäftsführer Gernot Jakobi über Wohnungsbau in Bensheim aus / Thema Südstadt

SPD: Innenentwicklung reicht nicht

Archivartikel

Bensheim.Der erste Besuchstermin der SPD-Stadtverordnetenfraktion in der diesjährigen Sommerpause der Gremien führte die Kommunalpolitiker zur Wohnbau Bergstraße e.G.

„Dies ist kein Zufall. Die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum ist und bleibt das derzeitige Kernthema unserer kommunalpolitischen Arbeit,“ sagte die Vorsitzende der SPD-Stadtverordnetenfraktion Eva Middleton dazu. Die Fraktion wolle sich mit den Fachleuten der Bensheimer Wohnungsbaugenossenschaft beraten und Perspektiven für die Wohnraumentwicklung in der Stadt entwickeln. „Die Wohnbau ist schließlich unser bedeutendster Wohnungsversorger im Bereich des sozialen Wohnungsbaus“, meinte die Fraktionsvorsitzende.

In einer Nachlese ging Geschäftsführer Gernot Jakobi noch einmal auf die Vergabe des Baugebietes Meerbachsportplatz ein, für das sich die Wohnbau beworben hatte. Den Zuschlag hatte letztlich – wie mehrfach berichtet – die Bietergemeinschaft Bonava/Sahle erhalten. Jakobi zeigte sich enttäuscht, dass die örtliche Kommunalpolitik nicht die Vorzüge des Wohnbau-Angebots erkannt habe.

Insbesondere die zügige Umsetzungsmöglichkeit auch unter Einbeziehung des Angebots, Wohnungen aus dem Bestand wieder in die Bindung für Sozialwohnungen zu nehmen, wurde nach seiner Ansicht nicht hinreichend gewürdigt.

Größere Bauflächen nötig

Einen breiten Raum im fachlichen Gespräch nahm das Projekt Südstadt ein, das die SPD-Politiker auf den Weg bringen wollten. Dieses hatte jedoch keine Mehrheit in den städtischen Gremien gefunden. Man war sich zwischen den Vertretern der Wohnbau und den Sozialdemokraten schnell einig, dass die mangelnde Versorgung mit bezahlbaren Wohnbau in Bensheim nur zu beheben sei, wenn in einem größeren Zusammenhang stehende Bauflächen zur Verfügung gestellt werden.

Wenn nur auf die Innenentwicklung gesetzt werde, ist nach Ansicht der Gesprächspartner das Wohnungsproblem nicht zu lösen. Dafür stünden nicht genügend geeignete Konversionsflächen zur Verfügung, hieß es.

Gemeinsam stellte man fest, dass hierbei die von der Regionalplanung vorgesehenen Wohnbauzuwachsflächen im Südosten von Fehlheim für dieses Segment auf dem Wohnungsmarkt nicht geeignet seien. Die Fläche der Südstadt zwischen der Bundesstraße 3 und der Bahnlinie sei hier weitaus besser gelegen, so die SPD. Dies treffe sowohl auf die Möglichkeiten der Verkehrs-Anbindung wie auf die ökologischen Aspekte zu.

Stadtrat Norbert Bauer wies darauf hin, dass die Regionalplanung für Bensheim zusätzliche Wohnbauflächen vorsieht. „Es geht also nicht darum, mehr Landschaft zu verbrauchen, sondern den Bedarf an der richtigen Stelle zu decken,“ meinte er. Deshalb solle dort im Gegenzug zur Entwicklung der Südstadt Baufläche abgeplant und dauerhaft der Landwirtschaft und der Natur erhalten bleiben. Der Regionalplan Südhessen sieht als Ziel die Entwicklung der Siedlungsgebiete entlang der Hauptverkehrsachsen vor, um andere Bereich schonen zu können.

An Preistreiberei mitschuldig

Nach Ansicht der sozialdemokratischen Kommunalpolitiker machen sich diejenigen, die den erforderlichen Wohnungsbau verweigern, der Preistreiberei schuldig. Die wenigen Wohnungen auf dem Markt würden immer teurer und für viele unbezahlbar, wenn nicht mit einem deutlich erhöhten Angebot reagiert würde, meint die SPD. Derzeit entstehen in Bensheim durchaus in beträchtlichem Umfang neue Wohnungen. Diese liegen allerdings größtenteils im gehobenen Preissegment und seien für viele Bürger nicht bezahlbar, meinten die Gesprächspartner übereinstimmend.

„Bleiben Sie hier am Ball,“ so Wohnbau-Geschäftsführer Jakobi, der betonte, dass er den Vorstoß für eine Stadtentwicklung im Süden Bensheims für richtig halte. Er verwies auch auf die Nähe zu wichtigen Arbeitgebern in der Stadt.

Eva Middleton wies darauf hin, dass die Entwicklung von Wohngebieten der Schaffung von Gewerbegebieten hinreichend folgen müsse. „Wir können nicht einseitig ständig neue Betriebe ansiedeln, den Menschen andererseits aber kein Wohnraumangebot machen“, sagte sie.

Auf die Nachfrage nach dem Engagement der Wohnbau im Bereich der Energieversorgung stellte Jakobi die Bedeutung dieses neueren Geschäftsfeldes dar, das sich sehr gut entwickle und wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg der Genossenschaft beitrage. Man werde sich hier zukunftsorientiert weiterentwickeln.

Zum Abschluss des Ortstermins bedankte sich die Fraktionsvorsitzende für das informative Fachgespräch und bekundete das Interesse der Kommunalpolitiker an einer Fortsetzung des Dialogs. red

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