Bensheim

Bensheimer Jazzkeller Junge Formation Take Six gastierte in PiPaPo-Theater

Spielfreudig und technisch versiert

Archivartikel

Bensheim.Mit einer ambitionierten jungen Formation ist der Bensheimer Jazzkeller in die Saison nach der Sommerpause gestartet: Das Sextett Take Six sorgte im vollen PiPaPo-Theater für beste Stimmung. Im Repertoire hatte die Band Swing-Klassiker, bekannte Standards und kantige Jazzrock-Stücke, die mit viel Spielfreude und beachtlichem technischen Niveau dargeboten und das diesmal sehr gemischte Publikum über zwei Stunden lang begeistert haben.

Mit ihrer frischen, unbelasteten Art und der Experimentierfreude bis an die Grenzen des Genres haben die Jazzer viele neue Freunde gefunden. Der Kern der Gruppe hatte sich im vergangenen Jahr aus der AKG Big Band heraus formiert. Deren Chefin Sonja Hayer-Lenz lauschte dem knackigen Sound ihrer langjährigen Eleven direkt vom Bühnenrand aus und äußerte sich in der Pause überaus positiv über die Fortschritte der Musiker, von denen die meisten in diesem Jahr Abitur gemacht haben. Das Gastspiel im Jazzkeller war eines der ersten öffentlichen außerhalb schulischer Veranstaltungen.

Mit Christoph Ammann (Trompete), Tjade Brinkmann (Gitarre), Tenorsaxophonist Theodor Schmitt, Johannes Opfermann am Piano sowie Bassist Luis Schell und Jonas Engel am Schlagzeug besteht die Band aus Instrumentalisten, die sich lange kennen und in unterschiedlichen Formationen zusammen spielen. Unter dem Namen „What is Tight“ hatte sich die Bensheimer Schülerband 2016 gegründet unter anderem Klassiker von Nirvana oder Lynyrd Skynyrd gecovert.

Im Jazz wilden die Musiker in klassischem Swing und Bossa Nova bis zu Funk und Fusion. Traditionelle Kompositionen aus dem Real Book mischen sich mit eigenen Arrangements zu einer facettenreichen Jazz-Collage, die durch ihre spontane Attitüde und einen erfrischend luftigen, zupackenden Sound sehr ansprechend wirkt. Sowohl Traditionalisten wie auch die Freunde kantigerer Jazzkompositionen kamen im PiPaPo auf ihre Kosten.

Es ging gleich mächtig los

Mit der 1959er Nummer „So What“ von Miles Davis ging der Abend gleich mächtig los. Das Stück ist durch seine modale Struktur ideal zum Warm- und Einspielen. Eine ultracoole Modern Jazz Perle, die von der Band auch solistisch kreativ bewältigt wurde. Mit George Shearings Standard „Lullaby of Birdland“ ging es noch einmal sieben Jahre weiter zurück in die Jazz-Annalen. Und mit „Blue Bossa“ verneigte sich die Formation klanglich vor der AKG-Big Band, die dieses Stück seit vielen Jahren fest im Programm hat. Reinhold Schmitt, der im Förderkreis Kleinkunst und Kultur die Jazz-Sparte betreut, hat den Anspruch der Reihe, auch junge Musiker bei ihren Live-Erfahrungen zu unterstützen, diesmal todernst genommen. Zum Glück, wie sich im Verlauf des Konzerts erwiesen hat. Denn junge Leute, die sich dem Jazz widmen, sind auch an der Bergstraße dünn gesät.

Lässige Reise

Das Publikum erlebte eine lässige Reise durch die Historie des Jazz. Man genoss Wes Montgomerys weiches Gitarrenspiel bei „Twisted Blues“, melodische Bassläufe in Thad Jones` „Three And One“ und einen beseelten langsamen Blues, als die Band Charles Mingus´ Standard „Goodbye Pork Pie Hat“ anstimmte. Ein elganter, dunkler Zwölftaker, der 1959 als Elegie an den kurz zuvor verstorbenen Saxophonisten Lester Young geschrieben wurde und im PiPaPo-Keller als intensive Collage aus Pathos, Trauer und Wehmut sehr authentisch in Quartettbesetzung mit Drums, Bass und Keyboard inszeniert wurde – und einem wunderschön traurigen Saxophon-Intro von Theodor Schmitt.

Die zweite Hälfte begann mit einem Kracher: „The Chicken“ ist ein cooles Funk-Stück von Pee Wee Ellis, das vor allem durch die Versionen des Bassisten Jaco Pastorius und von James Brown bekannt wurde. Mit Wes Montgomerys schönem „West Coast Blues“ und Erroll Garners langsamen „Misty“ mit den emotionalen Trompetenlinien (gefühlvoll: Christoph Ammann) ging es langsam Richtung Finale. Aber nicht ohne einen weiteren Groove-Exzess: Herbie Hancock´s saftiger „Watermelon Man“ war einer der Höhepunkte des Abends. Ein kerniger Fusionsound, der das betont expressive letzte Kapitel des Konzerts eingeleitet hat.

Wie experimentell und kreativ die jungen Musiker unterwegs sind offenbarte sich beim nächsten Titel. Über die markante Melodie der TV-Kinderserie „Löwenzahn“ entwickelte die Band eine lange Improvisation, die das Thema immer wieder aufgenommen, variiert und solistisch ausgarniert hat – klasse! „Das bleibt nicht euer einziger Auftritt im Jazzkeller“, kündigte Reinhold Schmitt an.

Am 28. Oktober, Sonntag, spielt Papas Finest Boogie-Band aus Frankfurt. Beginn ist wie immer um 19 Uhr.

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