Bensheim

Virusinfektion Alle städtischen Veranstaltungen abgesagt / Woche junger Schauspieler abgebrochen / Dorfgemeinschaftshäuser geschlossen

Stadt zieht Corona-Konsequenzen

Archivartikel

Bensheim.Die Welt befindet sich im Krisenmodus, Covid-19 ist nicht nur ein Stresstest für die Gesundheitsversorgung und die Wirtschaft. Das Virus ist ebenso ein Stresstest für die Solidargemeinschaft und so für jeden einzelnen.

Um die Eindämmungsbemühungen zu unterstützen und die Ansteckungsgefahr zu minimieren, hat die Stadt Bensheim am Freitagvormittag weitreichende Entscheidungen getroffen. „Ab sofort bis mindestens zum Beginn der Osterferien werden alle städtischen Veranstaltungen abgesagt“, erklärte Bürgermeister Rolf Richter im Gespräch mit dieser Zeitung. Das betrifft Aufführungen im Parktheater ebenso wie Vorlesestunden in der Bücherei.

Aktuell davon betroffen ist die Woche junger Schauspieler. Das erste Stück konnte am Montag mit geringerer Zuschauerresonanz noch über die Bühne gehen – alle weiteren Inszenierungen sind jedoch gestrichen. Das genaue Prozedere der Ticketrückgabe werde derzeit besprochen.

Rathaus per Mail oder Telefon

„Wir empfehlen außerdem allen externen Veranstaltern, geplante Termine in Bensheim abzusagen“, so Richter. Das kulturelle Leben in der Stadt dürfte damit in den nächsten Wochen weitgehend zum Erliegen kommen. Stadtbücherei und Museum bleiben vorerst geöffnet.

Darüber hinaus sind für die nächsten zwei Wochen alle Dorfgemeinschaftshäuser und öffentlichen Räume – zum Beispiel in den alten Rathäusern in den Stadtteilen – geschlossen. Das Rathaus hat nur noch zu den Kernzeiten geöffnet (Montag, Mittwoch und Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 15.30 Uhr, Dienstag 8 bis 12 Uhr sowie 14 bis 17.30 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr). „Wir bitten alle Bürger zu überlegen, wie dringend ihre Anliegen sind. Was unbedingt notwendig ist, sollte möglichst per Mail oder telefonisch geklärt werden“, bemerkte der Bürgermeister.

Von persönlichen Besuchen sollte demnach abgesehen werden. Bis zur nächsten Woche sollen zwei Räume im Rathaus eingerichtet werden, in denen unbedingt notwendige Treffen abgehalten werden können – allerdings nur nach vorheriger Terminabsprache. Im Bürgerbüro werden laut städtischer Pressestelle ebenfalls Schutzvorkehrungen getroffen. Die Bauberatung werde nur noch telefonisch und per Mail angeboten. Persönliche Besuchstermine bei Hochzeits- oder Geburtstagsjubilaren wurden abgesagt.

Im Gegenzug soll die telefonische Erreichbarkeit der Verwaltung erhöht werden. Neben der zentralen Rufnummer 140 ist die Telefonnummer 14333 zu den Kernzeiten geschaltet. Per Mail kann man sich an die Adresse service@bensheim.de wenden. Der städtische Koordinierungsstab tagt mittlerweile nicht mehr jeden zweiten Tag, sondern täglich und berät sich auch an den Wochenenden.

„Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahmen, sehen die Vorgehensweise aber als unumgänglich an. Wir bewerten die Lage mehrmals täglich. Ich gehe davon aus, dass es zu weiteren Einschränkungen kommen wird“, betonte Richter. Am heutigen Samstag kommen die Bürgermeister des Kreises auf Einladung des Landrats zu einer Telefon- oder Videokonferenz zusammen, um eine einheitliche Vorgehensweise abzustimmen. Ein Thema wird dabei die potenziell mögliche Schließung städtischer Kindertagesstätten sein, sollte das Land nicht vorher per Erlass Schulen und Kitas schließen.

Der Bensheimer Bürgermeister begrüßte am Freitag ausdrücklich, dass sich die Behördenleiter in dieser Situation zusammenschließen. „Es geht für uns alle darum, die Infektionswelle abzumildern und es geht um den Schutz nicht nur von jedem selbst, sondern auch der Menschen, denen man begegnet, das gilt insbesondere für Menschen aus den Risikogruppen.“

Welche Auswirkungen die Anordnungen aus dem Rathaus für die Kommunalpolitik haben, steht nicht abschließend fest. Die Stadtverordnetenversammlung, die am Donnerstag, 26. März, im Bürgerhaus Kronepark in Auerbach tagen soll, kann formal nur von der Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert abgesagt werden. Nach Auskunft von Rolf Richter wird sie sich mit dem Ältestenrat in Verbindung setzen, um über die Zusammenkunft zu entscheiden.

Bereits am Montag soll sich im Rathaus der Haupt- und Finanzausschuss zu seiner regulären nächsten Sitzung einfinden. Auch hier gilt: Eine Absage müsste der Vorsitzende Tobias Heinz in die Wege leiten. Einzelne Ortsbeiräte haben bereits reagiert. Sowohl in Langwaden als auch in Gronau wurden am Freitag die Grenzgänge mit anschließender Sitzung gestrichen.

Der Magistrat wird am Mittwoch zusammenkommen – mit großzügigem Sitzabstand zwischen allen Beteiligten. Wie es danach weitergeht, bleibt abzuwarten. „Da kann niemand eine seriöse Aussage treffen. Was vor zwei Tagen noch in Ordnung schien, geht heute nicht mehr. Das Ganze hat eine Eigendynamik angenommen, außerdem kommen täglich neue Erfahrungs- und Erkenntniswerte hinzu“, sagte Richter. Das Coronavirus wird in den nächsten Wochen das Tempo der Stadtgesellschaft bestimmen – und unstrittig ist, dass es kein hohes sein wird.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel