Bensheim

Jubiläum Freundeskreis Riva feierte das 30-jährige Bestehen der Verschwisterung mit einem beschwingten Festabend im Bürgerhaus Kronepark

Städtepartnerschaft funktioniert wie eine Ehe

Bensheim.Vor 30 Jahren – im Oktober 1988 – setzten der Bensheimer Bürgermeister Georg Stolle und der Rivaner Bürgermeister Enzo Bassetti ihre Unterschriften unter Verschwisterungsdokumente zwischen ihren Städten. Auf diesen damals gelegten Grundsteinen hat sich seither eine beständige und mit viel Leben erfüllte Partnerschaft entwickelt. Dieses Jubiläum würdigte die Stadt Bensheim mit einem Empfang (wir haben berichtet), in dessen Rahmen eine Urkunde zur Bekräftigung der Partnerschaft unterzeichnet wurde. Dieser Akt erhielt seine besondere Note dadurch, dass sowohl die damaligen als auch die heute amtierenden Bürgermeister, Dr. Adalberto Mosaner für Riva und Rolf Richter für Bensheim, ihre Namenszüge unter das Dokument setzten. Soweit der amtliche Teil.

Aber auch der kurz nach der Verschwisterung in Bensheim gegründete Verein Deutsch-Italienischer Freundeskreis Bensheim – Riva del Garda nahm diesen Umstand zum Anlass, das 30-jährige Vereinsjubiläum mit einem Festabend zu begehen.

Größter Partnerschafts-Verein

Im prall gefüllten Auerbacher Bürgerhaus Kronepark hatte die Vorsitzende des mit über 500 Mitgliedern größten Städtepartnerschaft-Vereins der Stadt, Pina Kittel, leichtes Spiel. Zügig arbeitete sie in ihrer Begrüßungsrede die lange Liste der Gäste ab, ehe sie mit wenigen markanten Pinselstrichen das Bild des Vereins fixierte: Viele Schülerpartnerschaften im Bereich der Jugendarbeit und dann natürlich Vorträge, Reisen und Opernbesuche aus der italienische Kulturwelt.

Lorena Giuliani, neue Vorsitzende des Freundeskreises in Riva, knüpfte in ihrem in akzentfreiem Deutsch gehaltenen Grußwort an die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit an und signalisierte – bei herzlichem Applaus des Publikums – die Bereitschaft, diese Partnerschaft weiterhin mit Engagement und Sympathie lebendig zu halten.

Zur Freude der hungrigen Gäste begann danach der kulinarische Teil des Abends mit einer köstlichen Antipasti-Kreation: Vitello Tonnato con verdure – Kalbfleisch mit frischem Wildthunfisch und eingelegten Gemüsevariationen. Wer allerdings mit der schnellen weiteren Abfolge der Menügänge gerechnet hatte, wurde enttäuscht.

Die Vorsitzende bat vielmehr die Bürgermeister zu einem Interview auf die Bühne, um ihnen individuell auf ihr Verhältnis zur Städtepartnerschaft zugeschnittene Fragen zu stellen. Schmunzelnd akzeptierten die vier die Spielregeln der begrenzten Redezeit, um wegen des eigenen Hungers den Menüablauf nicht ungebührlich zu verzögern.

Von der Idee begeistert

Mosaner berichtete, dass sein Vater, der damals Vizebürgermeister war, von der Idee der Städtepartnerschaft begeistert gewesen sei. Die Erkenntnisse aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hätten ihn zu einem Pazifisten gemacht, der Friede nur durch Freundschaft gesichert sah. Dieses Denken seines Vaters habe auch ihn bis heute geprägt.

Richter maß der Partnerschaft angesichts eines zurzeit auseinanderdriftenden Europas hohen Stellenwert zu. In besonderer Erinnerung sei ihm, der als junger Stadtverordneter vor 30 Jahren mit nach Riva gefahren sei, die Gastfreundschaft der Italiener geblieben und aktuell natürlich beim Empfang der „Tour der Hoffnung“ in Riva der Sprung in den Gardasee.

Enzo Bassetti, mit damals 33 Jahren ein junger Bürgermeister, erinnerte sich an keine großen Schwierigkeiten, seine Gremien vor 30 Jahren auf die Partnerschaft einzuschwören. Im Übrigen sei eine Städtepartnerschaft wie eine Ehe, es müsse nicht alles gleich sein, man müsse nur die Berührungspunkte finden. Und das habe auf vielen Ebenen geklappt (etwa bei Feuerwehr und Schulen).

Antrittsfahrt mit Hindernissen

Georg Stolle, der als Bensheimer Bürgermeister viele Partnerschaften auf den Weg gebracht hat und selbst viele Jahre zweiter Vorsitzender des Vereins war, resümierte die Vielzahl an Aktivitäten und bekundete, dass ihm die Zukunft der Partnerschaft sehr am Herzen liege. Wenn man bedenke, dass damals der Dienstwagen auf der Fahrt nach Riva mit Motorschaden liegen geblieben sei und dies dem Transporter mit dem Ersatzfahrzeug ebenfalls widerfahren sei, könne man nur staunen, dass „aus dem Riva-Verein ein einmaliger Verein geworden sei, am schönsten mit einer einmaligen Vorsitzenden“, – so Stolle.

Durch diesen interessanten Interview-Einschub wurde der Verzehr der weiteren Gänge – gefüllte Crèpes-Variation, Spanferkel auf römische Art mit Gemüsespieß und das Dessert Zuppa alla romana – auf die in mediterranen Ländern entschleunigte Essgeschwindigkeit heruntergebremst.

So entstand in Verbindung mit der in italienischen Farben hergestellten Tischdekoration, den Filmeinspielungen über Rom und eigene Vereinsreisen auf einer Großleinwand, die Untermalung mit Live-Musik durch zwei römische Musiker ein wunderbar lockerer und dezent ausbalancierter Abend städtepartnerschaftlicher Begegnung: Gespräche, Erinnerungen, Anekdoten und immer wieder Lachen und Freude.

Peter J. Zeyer

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel