Bensheim

PiPaPo-Theater Formation Con:Fusion eröffnete mit druckvollem Jazzrock die Saison

Starke Songs, explosive Musiker

Archivartikel

Bensheim.Der Bensheimer Jazzkeller hat wieder geöffnet. Mit einem Saisonauftakt, der dem Publikum einen massiven Tritt in den Allerwertesten beschert hat – rein klanglich gesehen, versteht sich. Die Band Con:Fusion aus dem vorderen Odenwald servierte im PiPaPo-Theater druckvollen Jazzrock von muskulöser Dynamik und instrumentaler Klasse.

Ein Einstand nach Maß für das Team um Organisator Reinhold Schmitt vom Förderkreis Kleinkunst und Kultur, der bis zum Sommer jeden Monat, immer sonntags, den Keller swingen lässt.

Die Formation mit Christian Beckhaus (Saxofon), Robert Schell (Bass), Frank Dieckmann (Percussion) und Frank H. an der Gitarre wird vom explosiven Drummer Oliver Mann nach vorn gepeitscht. Wenngleich das Schlagzeug im Jazzkeller akustisch etwas zu dominant war, hat das dem positiven Gesamteindruck nicht geschadet.

Mit knackig arrangierten Coverversionen und eigenen Songs hat Con:Fusion gezeigt, dass die Elektrifizierung des Jazz und die Verschmelzung mit Rock und Funk auch jenseits der 70er und 80er Jahre weiterlebt.

Mit Stücken wie Herbie Hancocks funkigem „Chameleon“ aus dem umstrittenen wie wegweisenden 73er Album „Head Hunters“ und dem brillanten „Stratus“ von Billy Cobham aus dem gleichen Jahr hat die Band im fast vollen Theaterkeller einen energiegeladenen wie feingliedrig groovenden Sound erzeugt, der Glücksgefühle auslösen konnte.

Die Musiker spielen teilweise seit über 20 Jahren zusammen, was auf der Bühne immer wieder spürbar ist: Der instrumentale Dialog funktioniert mühelos, die gemeinsame Leidenschaft für diese Musik offenbart sich in knackigen Arrangements und einer sehr feinen Auswahl: darunter Wayne Shorters „Footprints“ und eine starke Version von Miles Davis’ „Tutu“, das von R&B und Funk geprägt ist und bei dem Robert Schell souverän den Part von Originalbassist Marcus Miller übernimmt.

Mit Tom Scotts „Target“ und der Eigenkomposition „14th Floor“ vom früheren Bandmitglied Hans-Georg Geiss startete die Band gleich richtig durch. Seinen Namen hat der Song vom 14. Stockwerk der FH Darmstadt, wo Con:Fusion eine Zeit lang – in anderer Besetzung – geprobt hatte.

Geprägt wird der Sound vor allem von Beckhaus’ singendem Sopran-Sax, groovenden Gitarren und dem bereits erwähnten brettharten Schlagzeug. Keyboards und Percussion bleiben dezent im Hintergrund und setzen hier und da Akzente. Bei „Ecotopia“ von der Weltmusik-Formation Oregon wurde es etwas ruhiger. Und mit Pat Mathenys „Phase Dance“ tänzelte die Band in die Pause, flankiert von einem schönen, fein phrasierten Sopransax-Solo und einer pointierten Latin-Percussion.

In Anlehnung an John Coltranes „Naima“ spielt die Band das eigene Stück „Amian“ (ebenfalls von Ex-Keyboarder Geiss), von Mike Mainieris Fusion-Supergroup Steps Ahead stammt der Song „Trains“ – begleitet von Christian Beckhaus mit einem sogenannten Blaswandler: eine Mischung aus Blasinstrument und Synthesizer. Dieser Exot kam auch bei Steps Ahead wiederholt zum Einsatz.

Starke Songs, klasse Musiker und ein feines Repertoire: Unterm Strich ein tolles Konzert im Jazzkeller, wo es als Zugabe noch „Rabitts in the Pea Patch“ von Maceo Parker obendrauf gab.

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