Bensheim

CDU-Stadtverband Michael Meister über regionale Auswirkungen des Bundesverkehrswegeplans

Staugefahr bei Verkehrsprojekten

Archivartikel

Bensheim.Über tausend Einzelprojekte sind im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 aufgeführt. In den kommenden Jahren wird Deutschland zu einer gigantischen Dauerbaustelle. Allein 133 Milliarden Euro sind für den Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen reserviert. 112 Milliarden Euro gehen auf die Schiene. Weitere 24 Milliarden Euro fließen in die Wasserstraßen. Massive Investitionen in Bauprojekte, die laut Bundesregierung einen vordringlichen Bedarf haben.

Eine Garantie für baldigen Baubeginn ist damit allerdings nicht verbunden. Manche Projekte des vorigen Bundesverkehrswegeplans von 2003 sind bis heute nicht umgesetzt worden. Ob das aktuelle Papier eine realistische Dramaturgie besitzt oder die Planungskapazitäten vor Ort überragt, wird seit seiner Absegnung vor knapp zwei Jahren lebhaft diskutiert – auch im Kreis Bergstraße. Die Umsetzung mancher Einzelmaßnahmen hinkt.

Bestes Beispiel ist die Schienenneubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim im Rahmen des „Korridors Mittelrhein“, der von Köln bis Karlsruhe reicht. Diese Planung ist eng an den sechsspurigen Ausbau zwischen Lorsch und dem Mönchhof-Dreieck gekoppelt, da beide Projekte parallel ausgeführt werden sollen. Die Verbreiterung der Autobahn kostet rund eine halbe Milliarde Euro.

Erhalt vor Neubau

„Das zentrale Prinzip lautet Erhalt vor Neubau“, sagte der Bergsträßer Bundestagsabgeordnete Michael Meister bei einer Informationsveranstaltung des CDU-Stadtverbands. Etwa 70 Prozent des Geldes wird aufgewendet, um die bestehende Infrastruktur in Schuss zu bringen. Das bedeutet aber auch Behinderungen im laufenden Verkehr. Knapp ein Drittel der Mittel werden in komplett neue Autobahnen oder Schienenwege investiert.

Die geplante ICE-Neubaustrecke zwischen Mannheim und Frankfurt ist Teil der europäischen Schnellbahn-Achse Genua-Rotterdam und gilt damit als eines der zentralen Infrastruktur-Projekte für Deutschland und Europa. Das europäische Fernbahnnetz ist zwar dicht geknüpft, es bestehen jedoch erhebliche Kapazitätslücken durch das Fehlen einer leistungsfähigen Nord-Süd-Verbindung in Mitteleuropa.

Doch auch regionale Faktoren sprechen laut Meister für einen Neubau. So sind die bestehenden Strecken im südhessischen Raum, etwa die Riedbahn, stark überlastet. Ein Ausbau der benötigten Kapazitäten im Schienenpersonennahverkehr sei daher schwer möglich.

Die vorgesehene Trassenführung sorgt bei den Bürgern in Lampertheim, Lorsch und Einhausen seit Beginn der Planungen vor zehn Jahren für großen Diskussionsbedarf. Im Zentrum steht für die betroffenen Kommunen vor allem die Frage, wo genau die zukünftige Strecke verlaufen soll und wie es mit dem Lärmschutz bestellt sein wird.

Wenn die Strecke entlang der A67 realisiert wird, soll sie die Gemarkungen Lorsch und Einhausen in einem langen Tunnel durchqueren. An diese gemeinsame Forderung erinnerte Reimund Strauch von der Initiative „Mensch vor Verkehr“, die zuletzt auch eine Bündelung der Verkehrsströme an der A 5 als weitere Variante ins Spiel gebracht hatte.

Auch Langwadens Ortsvorsteher Günter Bischof war im Hotel Felix dabei. Der kleinste Bensheimer Stadtteil würde am unmittelbarsten vom Schienenlärm betroffen sein.

Seitenstreifen auf A 5 freigeben

Auf die Straße: Im Autobahnabschnitt der A 5 zwischen Heppenheim und Darmstadt-Eberstadt ist im Zuge der Erweiterung von vier auf sechs Streifen eine temporäre Seitenstreifenfreigabe geplant. Diese wird von der Verkehrszentrale Hessen verkehrsabhängig gesteuert. Eine permanente videogestützte Beobachtung soll einen hohen Sicherheitsstandard garantieren.

„Dies ist eine sinnvolle Maßnahme, um in den Spitzenstunden die Kapazität der viel befahrenen Strecke zu erhöhen und die Staugefahr zu reduzieren“, so Meister. Die Bauzeit wird auf zwei Jahre geschätzt, mit einem Beginn ist vor 2020 nicht zu rechnen.

Weitere für den Kreis wichtige Straßenbauprojekte sind der vierspurige Ausbau der B 47 ab Lorsch sowie im Verlauf der B 38 die Ortsumgehungen Mörlenbach und Rimbach, die ebenfalls im vordringlichen Bedarf enthalten sind. Nur so gibt es die Chance einer Finanzierung. Auch die vierspurige Ortsumgehung Lampertheim-Rosengarten (B 47) steht auf der Prioritätenliste des Bundes. Allerdings bremst ein laufendes Klageverfahren den weiteren Prozess bislang noch aus. Aktuell ist nicht absehbar, wann es mit den Verzögerungen ein Ende hat.

Zum Lückenschluss der B47 von Ost nach West sagte Meister: Überlegungen zu Straßenbauprojekten dürfen nicht an Landesgrenzen enden. Das gilt besonders für den Ausbau der Bundesstraße auf rheinland-pfälzischer wie auf hessischer Seite als überregional wichtige Verkehrsader.

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