Bensheim

Synagogenverein Gut besuchter Liederabend mit der Sängerin Abby Gilad in Auerbach

Stimmliche Schönheit, emotionale Tiefe

Auerbach.Zu einem feinen Liederabend lud der Auerbacher Synagogenverein am Mittwoch in die ehemalige Synagoge an der Bachgasse ein: Abby Gilad sang hebräische Lieder zur Gitarre. Die Werke umspannten die Zeit von den biblischen Ursprüngen bis zum modernen Staat Israel.

Das Interesse an dem Konzert war gewaltig. Zahlreiche Zuhörer drängten sich in dem spätbarocken Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, wo Vorsitzende Angelika Köster-Loßack einen besonderen Gast begrüßte.

In Kalifornien aufgewachsen

Abby Gilad ist eine jüdische Sängerin und Erzieherin. Sie stammt aus einer traditionellen, orthodoxen Familie, hat aber erst spät zu ihrem eigenen Verständnis des Judentums gefunden. Aufgewachsen ist sie in Jerusalem und Kalifornien. In Los Angeles hat Abby Gilad zehn Jahre an einer jüdischen Schule als Lehrerin für hebräische Musik unterrichtet. Für den Temple Israel, die jüdische Gemeinde in Hollywood, hat sie acht Jahre lang an den hohen Feiertagen als Kantorin gesungen.

Bereits im ersten Lied des Abends, der jüdischen Hymne „Hinei Ma Tov“, die gemeinhin zum Shabbat gesungen wird, offenbarte die Sängerin stimmliche Schönheit und emotionale Tiefe, ohne die diesen Liedern ein wesentliches Element fehlen würde.

Der Text des Lieds stammt aus dem ersten Vers des Psalms 133, der im ersten Vers die geschwisterliche Atmosphäre unter den Pilgern anlässlich der Jerusalemer Wallfahrtsfeste feiert. Abby Gilad präsentierte das Stück in seiner traditionellen Form wie auch als israelischer Tanz aus den 1950er Jahren. Eine dramaturgisch reizvolle Qualität der Interpretation, die sich durch das gesamte Programm zog: Jedes Werk wurde in zwei verschiedenen melodischen Varianten sich selbst gegenübergestellt.

Auch Lieder wie das versöhnliche „Amar Rabbi Akiva“ mit der Botschaft „Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst“ und „Al Shlosha Devarim“, das die Welt als Ort mit den Säulen Arbeit, Thorastudium und Nächstenliebe beschreibt, wurden jeweils in zwei Versionen angestimmt. Das Publikum erlebte einen tiefen Einblick in musikalische Traditionen und erlebte hautnah mit, wie sich die Klänge über Jahrzehnte und manchmal auch Jahrhunderte verändert und bisweilen auch in ihrer Bedeutung leicht abgewandelt haben.

Religiöse und weltliche Musik

Wie Abby Gilad in Auerbach betonte, erstreckt sich die jüdische Musik über einen Zeitraum von rund 3000 Jahren, von der biblischen Periode über die Diaspora und die Gründung des Staates Israel bis in die Gegenwart. Und sie umfasst sowohl religiöse als auch weltliche Musik. Die Texte der religiösen jüdischen Musik sind zum größten Teil in hebräischer Sprache, in geringem Ausmaß auch in Aramäisch verfasst.

Als Erwachsene überwand Abby Gilad die strengen Einschränkungen religiöser Regeln. Über viele Jahre hat sie Seminare und religiöse Feiern geleitet, die vom Judentum als Zentrum der Weisheit ausgehen, aber auch eine universelle Botschaft enthalten. Aktuell lebt sie mit ihrem Partner Cornelius in Deutschland im Bestreben, sich mit der deutschen Gesellschaft als Jüdin und als Mensch enger zu verbinden. Das Auerbacher Konzert, von langem Applaus begleitet, dürfte einen Teil dazu beigetragen haben.

Mit Liedern wie „Lecha Dodi“ – eine Hymne zur Begrüßung des Shabbat, die Abby Gilad in drei Melodien interpretiert hat, und einer jemenitischen sowie einer Walzer-Version von „Dror Yikra“ neigte sich dieses sehr intime und publikumsnahe Konzert dem Ende zu. Zum Finale stimmte die Sängerin „Jeruschalajim schel Sahav“ („Jerusalem aus Gold“) an – ein recht populäres israelisches Lied von Naomi Schemer aus dem Jahr 1967, das in Israel vor allem mit dem Sechstagekrieg in Verbindung gebracht wird.

Die sehnsüchtige Melodie wurde vom israelischen Friedensaktivisten Uri Avnery sogar als Nationalhymne für den Staat Israel vorgeschlagen. Das deutsche Publikum kennt das Stück auch aus der Schlussszene des Films „Schindlers Liste“.

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