Bensheim

Musiktheater Rex Keine Pogo-Ekstase, aber gute Stimmung

Strassenjungs lieferten 22 Titel in 90 Minuten ab

Bensheim.Mit einzelnen Textbausteinen kann der Zuhörer nach teilweise über 40 Jahren hin und wieder schon mal ein wenig durcheinander kommen: Was war noch mal das Spezielle an Birgit O.? Und was haben die „Strassenjungs“ zu Dany formuliert? Klar, nach den ersten Tönen kehrt die Erinnerung an den Refrain zurück. „Birgit O., nie vergess’ ich deinen Po“, dichtete die Frankfurter Punkband 1977.

Etwas weniger poetisch ging es bei „Dany, Dany“ zur Sache: „Du hast mich angelacht, du hast mich angemacht, wir ham…“. Texte wie diese sorgten dafür, dass die Strassenjungs-Debüt-LP „Dauerlutscher“ (1977) im Jahr 1982 für ein Vierteljahrhundert auf den Index gesetzt wurde.

Im Musiktheater Rex packten die Strassenjungs, die als die erste Punkformation Deutschlands gelten, am Donnerstag die alten Lieder aus. Rund 100 Besucher tauchten mit der Kultband um Gründungsmitglied und Sänger Nils Selzer ab in die späten 70er und frühen 80er-Jahre. Ein Konzert, das sich ein bisschen anfühlte wie ein lange zurückliegender geheim-revolutionärer Abend am portablen High-End-Kassettenrekorder im Kinderzimmer - der Spaß machte, um es in Anlehnung an eine Textzeile aus „Dany“ zu beschreiben.

Der große kommerzielle Erfolg blieb der Combo verwehrt. Ehe Punk sich in Deutschland etablieren konnte, wurde er von der ZDF-Hitparade-tauglichen Neuen Deutschen Welle Anfang der 1980er Jahre zurückgedrängt. Die Strassenjungs erspielten sich durch etliche Live-Auftritte in der Punkmusik-Szene Kultstatus und hatten/haben vor allem in und um Frankfurt eine breite Fan-Basis.

Nach Nils Selzer ist Volker Picard (seit 1980) am längsten als Strassenjunge unterwegs. Der Bassist übernahm im Rex den Gesang, wenn Selzer sich auf einem Sessel hinter dem Gitarrenverstärker sitzend eine Auszeit nahm. Micha Liebert (Gitarre, seit 2016) und Georg Tautenhain (Schlagzeug, seit 2017) komplettieren das Line-up.

Das Quartett performte in der alten Güterhalle Songs aus den drei ersten Alben „Dauerlutscher“, „Wir ham ne Party“ (1979) und „Los!“ (1981). Wie jedes einzelne Stück war der gesamte Gig eine harte, knackige Hochgeschwindigkeitsveranstaltung. In weniger als 90 Minuten, ohne Pause, waren die Strassenjungs mit ihren 22 Liedern inklusive zweier Zugaben durch. Auch ohne Pogo-Ekstase war die Stimmung gut im Musiktheater. Die einstmals als aggressiv-provokativ empfunden Texte hatte das Rex, schmunzelnd mitsingend, nach wie vor drauf. Bei „Jeder Mensch ist mal alleine“, eine etwas langsamere Nummer, oder „Dauerlutscher“ feierten Band und Publikum gemeinsam ab: Und es hat Spaß gemacht!

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