Bensheim

Naturschutz Pflanzaktion des Nabu Bensheim/Zwingenberg am Berliner Ring

Streuobstwiesen als Lebensraum erhalten

Archivartikel

Bensheim.Streuobstbestände prägten einmal in großem Umfang die Landschaft der Hessischen Bergstraße. Mit einer reichen Vielfalt an Früchten belieferte man die Großmärkte bis hin zu den Bäckereien in der Region.

Die Obstwiesen waren zudem Lebensraum für viele seltene Vogel- und andere Tierarten, die es hier heute nicht mehr gibt, schreibt die Ortsgruppe Bensheim/Zwingenberg des Naturschutzbundes (Nabu) in einer Pressemitteilung.

Grundstück am Berliner Ring

„Es erscheint unglaublich, dass damals im Raum Bensheim noch sämtliche vier in Deutschland vorkommende Würgerarten (eine Vogelgattung) gebrütet haben“, heißt es weiter. Heute sei nur der Neuntöter als seltener Brutvogel geblieben. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg habe von dieser blühenden Obstbaulandschaft fast nichts mehr übriggelassen. Ein verbliebenes Baumstück in der Nähe des Berliner Rings hat der Bensheimer Nabu schon vor Jahren in Pflege genommen, um hier der Natur einen geschützten Ort zu erhalten.

Da die alten Obstbäume mittlerweile in die Jahre gekommen sind und abgängig sind, wurden sukzessiv Nachpflanzungen vorgenommen, um die Streuobstwiese auch in Zukunft zu erhalten. Bei der jüngsten Pflanzaktion Anfang November wurden sechs Hochstamm-Obstbäume gesetzt, darunter zwei Zwetschgensorten, die gerade für diese Fläche mit ihrem schweren Boden charakteristisch waren.

Auf den Rat des erfahrenen Streuobstwiesenretters Florian Schumacher, Einhausen, der auch den ersten Pflanzschnitt fachgerecht vornahm, wurden die jungen Bäume mit allem, was zu ihrem Anwachsen und Schutz nötig ist, versehen.

Unterschlupf für Tiere

Ausgesucht wurden zur Pflanzung traditionelle, robuste Sorten, die garantieren, dass einmal aus ihnen nach jährlicher Pflege stattliche Bäume werden. Sie sollen den Naturschützern nicht nur köstliches Obst liefern, sondern vor allem auch vielen Tieren Nahrung, Unterschlupf und Brutplätze bieten.

Heute leben auf der Fläche noch Feldhase, Igel, Fasan, Grünspecht, Grasmücke, Star und Hornisse und auch viele andere Tierarten, die hier Nahrung und Schutz im Laufe des Jahres finden. In den Nistkästen brütet eine ganze Kolonie Feldsperlinge, die in der ausgeräumten Feldflur sonst keine Bruthöhlen mehr finden.

Streuobstwiesen – das Wort bezeichnet die als Einstreu verwendeten harten Gräser der Bodendecke unter den Obstbäumen – sind eine naturnahe Kulturform, die jährliche Pflegearbeit erfordert. Mit seinen Mitteln sorgt der Naturschutzbund dafür, das auf dem sehr wüchsigen Boden zweimal jährlich eine Mahd erfolgt, um den Lebensraum dauerhaft zu erhalten. red

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