Bensheim

Corona-Pandemie Eine Bensheimerin hat sich in der Schweiz mit dem Virus infiziert / Bericht aus der Quarantäne

Tabuzonen im eigenen Zuhause

Archivartikel

Bensheim.„Danke, mir geht es bis auf einen starken Schnupfen wieder gut.“ Die Bensheimerin, die sich während eines Skiurlaubs in der Schweiz mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat, zeigt sich am Freitag am Telefon gefasst. Zusammen mit ihrem Ehemann, der negativ getestet wurde, aufgrund einer Vorerkrankung aber besonders gefährdet ist, befindet sie sich in häuslicher Quarantäne.

Symptome abgeklungen

Die grippeähnlichen Symptome wie Schüttelfrost, Husten, Kopfweh, Schlappheit und Fieber, die bei ihr erstmals am 13. März aufgetreten waren, sind mittlerweile weitestgehend abgeklungen. Die Patientin gehört zur Risikogruppe der über Sechzigjährigen und – so hat es den Anschein – zu den Menschen mit intaktem Immunsystem und ausreichend Abwehrkräften gegen das gefährliche Virus.

Ein Schock war die Diagnose nach vorausgegangenem Test trotz alledem. Gleich nach ihrer Rückkehr aus der Schweiz versuchte das Ehepaar am 15. März unter der Hotline 116 117 Kontakt zum ärztlichen Bereitschaftsdienst aufzunehmen – was misslang.

Mehr Glück hatte die Frau tags darauf bei ihrem Hausarzt. Über eine Hotline zum Kreisgesundheitsamt, nach Schilderung der Beschwerden, Aufnahme der Kontaktdaten durch eine Mitarbeiterin und ein individuelles Passwort ging es für sie und ihren Ehemann, der ebenfalls über Kopf- und Gliederschmerzen klagte, zu einer Corona-Teststation an der Bergstraße. Dort wurden beiden Abstriche entnommen: „Wir wurden zuvor mit Atemschutzmasken und Handschuhen ausgestattet“, berichtet die Patientin.

Am Donnerstag dann kam die telefonische Hiobsnachricht von der Gesundheitsbehörde mit entsprechenden Verhaltensregeln: Die Frau hatte sich mit dem Coronavirus angesteckt, die Werte des Partners hingegen waren unauffällig. „Seit gut einer Woche hat sich unser Alltag gravierend verändert“, schildert die Bensheimerin. Die täglichen Einkäufe erledigt die Schwiegertochter. Taschen und Tüten stellt sie vor der Haustür ab: „Wenn wir miteinander sprechen, dann nur mit etwa fünf Meter Abstand,“ sagt die Erkrankte. Ihre betagte Mutter, die auf fremde Hilfe angewiesen ist, kann sie derzeit weder betreuen noch besuchen. „Wir konnten Hilfe familiär regeln“, beschreibt sie die für alle Beteiligten neue Situation.

Distanz halten

Auch so profane Dinge wie die morgendliche Lektüre der Tageszeitung musste das Ehepaar neu überdenken und regeln: „Zuerst liest mein Mann die Zeitung, erst dann bin ich an der Reihe. Danach kommt sie in die Papiertonne.“ Der Kühlschrank und das Anfassen von Lebensmitteln sind für die Coronapatientin ebenfalls tabu. Damit ihr versehentlich kein Malheur passiert, hat sie an der Tür ein entsprechend großes „Tabuzone“-Schild befestigt.

Ansonsten hält das Ehepaar während der Quarantäne Distanz. Gefrühstückt, gegessen und geschlafen wird separat. Ebenso werden Toiletten und Bäder nur getrennt benutzt „und ständig desinfiziert. Und natürlich gehört ständiges Händewaschen zum Prozedere“. Obwohl die Symptome bei der Bensheimerin, verglichen mit anderen Corona-Infizierten, vergleichsweise harmlos sind, „beschäftige ich mich seitdem auch mit den ganz schlimmen Erscheinungsformen und Auswirkungen der Infektion und habe eine ganz andere Sichtweise auf die Krankheit gewonnen“.

Die häusliche Quarantäne, so hat man dem Paar vom Gesundheitsamt mitgeteilt, dauert so lange, bis der Patient drei Tage symptomfrei ist. Die Inkubationszeit beträgt bis zu 14 Tage. Im Laufe der kommenden Woche will sich eine Mitarbeiterin der Kreisbehörde erneut bei der Familie melden.

Dass die Schweiz bei Antritt ihres Urlaubs am 7. März noch nicht als Risikogebiet ausgewiesen war, merkt die Patientin noch an. Auch dass sie gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar privat untergebracht waren.

Das Paar aus dem benachbarten Baden-Württemberg hat sich ebenfalls infiziert und steht unter Quarantäne.

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