Bensheim

Akkordeonclub Viel Applaus für eindrucksvolles Konzert in der Kirche Heilig Kreuz

Tango-Rhythmen neben Bach und Bizet

Auerbach.Mit anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen bedankte sich das zahlreich erschienene Publikum für das Jahreskonzert des Akkordeonclubs "Blau-Weiß" Bensheim (ACB) in der fast voll besetzten Auerbacher Heilig-Kreuz-Kirche.

Drei Formationen des Akkordeonclubs boten aktuelle Interpretationen besonders schöner, selten gespielter Stücke aus ihrem reichen Repertoire - sehr zur Freude der Zuhörer, die das Wiederhören ebenso genossen wie die Begegnung mit Neuem. In abwechslungsreicher Folge erklang Klassisches aus Barock, Romantik und Gegenwart: Musik zum Träumen und natürlich auch Tango.

Zur Eröffnung spielte das 1. Orchester unter Leitung von Eduard Ungefucht "Präludium und Fuge BWV 555" von Johann Sebastian Bach in Bearbeitung von Hans Luck, gefolgt von der "Suite Gothique" von Léon Boéllmann. Das 1895 zur Einweihung der Orgel in der Kathedrale Notre Dame in Dijon komponierte spätromantische Orgelwerk kam in der Bearbeitung für Akkordeon-Orchester von Andrej Mouline/Paul de Bra voll zur Wirkung.

Die sonst vom Organisten durch Phrasierung und Registrierung erzeugte intensive Stimmung in den sehr unterschiedlichen vier Sätzen von pompös, innig, fröhlich und gruselig-ergreifend bis hin zum furiosen Finale der Toccata wurde vom Orchester dank der großen Bandbreite musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten des Akkordeons nuancenreich herausgearbeitet. Für die beeindruckende Darbietung gab es heftigen Applaus.

Zur Entspannung servierten die "Hobbies" anschließend Louis Armstrongs "Wonderful World" und das bekannte "Londonderry Air", ehe das siebenköpfige ACB-Ensemble mit besonderen musikalischen Leckerbissen aufwartete: Zunächst "Priere et Berceuse" (1870), ein fein dargebotenes romantisches Werk für Konzert-Harmonium von Alexandre Guilmant im Arrangement von Stefan Kutscher, dann das dreisätzige "Konzert in d-Moll" von Alessandro Marcello (1673-1747), im Original für Oboe und Streicher, mit Ilona Spitzner am Elektronium als Solistin glänzend dargeboten: Schließlich folgte der melancholische Tango "Tanti anni prima" von Astor Piazzolla (1984) in Bearbeitung von Hans-Günther Kölz, tief nachempfunden von Stephanie Jacobi am Solo-Akkordeon.

Abgerundet wurde das Programm vom 1. Orchester mit dem Menuett aus der Suite "L'Arlesienne" von Georges Bizet, dessen duftig feine Interpretation beim Publikum besonders gut ankam. Den Schlusspunkt setzten die 20 Orchestermusiker mit "Inmortal - In Memoriam A.P." von Hans Boll (1923-2016). Das für Akkordeonorchester komponierte Werk, eine Huldigung an den 1992 verstorbenen Astor Piazzolla, zeichnet gleichsam ein dramatisches Bild vom wechselvollen Lebensweg des großen Meisters des Bandoneons, lässt seine typischen synkopischen Rhythmen aufleben, seine unverwechselbaren Staccati, die Zäsuren und harmonischen Wendungen, bis die elegische Stimmung plötzlich mit einem heftig stürzenden Bach'schen Akkord abreißt und pure Stille hinterlässt.

Eigentlich wäre hiermit das Konzert zu Ende gewesen, aber mit nicht enden wollendem Beifall forderten die Zuhörer mehr. So spielte das Orchester als Zugabe die "Fuge g-Moll" von Bach und schließlich noch dessen liebliches "Air". Nur zögernd entschlossen sich dann die Konzertbesucher, ihre Plätze zu verlassen und den Heimweg anzutreten. Man war sich einig: Das war ein tolles Konzert! red

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