Bensheim

Goethe-Gymnasium Beim „Diwan-Gespräch“ berichtete Ulf Langemeier über seine Einsätze – unter anderem in New Orleans

THW hilft weltweit in großer Not

Archivartikel

Bensheim.Seit über 30 Jahren ist Ulf Langemeier für das Technische Hilfswerk (THW) im In- und Ausland tätig. Sein erster Auslandeinsatz führte ihn 1988 in das Erdbebengebiet nach Armenien. Der Bauingenieur leistete mit der „Schnelleinsatzeinheit Bergung Ausland“ (SEEBA) nach den Erdbeben in Pakistan und Chile Hilfe ebenso wie nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans (alles 2005) oder dem Erdbeben/Tsunami 2011 in Japan.

In der Reihe „Diwan-Gespräch“ des Goethe-Gymnasiums berichtete Langemeier, der 1985 am Goethe sein Abitur erworben hat, vor etwas kleinerem Kreis über seine Einsätze in den Notfallgebieten und gab zudem einen informativen Einblick in die Arbeitsweise und Struktur des THW. Eingeladen zu der Veranstaltung am Dienstagabend in die Schulbibliothek hatte der Förderverein des Gymnasiums.

Das THW wurde 1950 gegründet und ist als Bundesbehörde dem Bundesinnenministerium zugeordnet. Derzeit arbeiten circa 80 000 ehrenamtliche und 2000 hauptamtliche Kräfte für die Zivilschutzorganisation. Die Basis des Technischen Hilfswerks bilden die bundesweit 668 Ortsverbände. Das Jahresbudget für das THW liegt bei rund 300 Millionen Euro. Ulf Langemeier zählt zu den Hauptamtlichen des THW. Er ist Leiter des Stabes „Strategie, Steuerung und Forschung“ und fungiert darüber hinaus als SEEBA-Teamleiter.

Am Beispiel des Geschehens in New Orleans – 80 Prozent des Stadtgebietes standen als Folge des Hurrikans Katrina meterhoch unter Wasser – zeichnete Langemeier den Verlauf eines Auslandseinsatzes nach. Voraussetzung für die Entsendung des THW in internationale Katastrophengebiete ist die Einigung über die Hilfeleistung auf politischer Ebene. „Der politische Dreisprung muss vollzogen sein“, sagte der Referent. Der Anfrage des betroffenen Landes erfolgt die Zusage der Bundesregierung, die im dritten Schritt dem THW den entsprechenden Auftrag und damit das Startsignal erteilt.

Im Fall von Hurrikan Katrina, der am 29. August auf New Orleans traf, dauerte der dreistufige Prozess wenige Tage. Bereits am 10. September startete das THW mit einem Team von 100 Helfern, ausgestattet mit 16 Hochleistungspumpen, 13 Lkws und insgesamt 200 Tonnen Material den ersten USA-Einsatz seiner Geschichte. Grundsätzlich führt eine THW-Einheit bei Einsätzen dieser Art Equipment (Wasser, Lebensmittel, Geräte zur Stromerzeugung) mit sich, um zehn Tage autark sein zu können. Eine absolute Notwendigkeit in einer Krisenregion, unterstrich Langemeier. „Wir wollen helfen und nicht zur Last fallen.“ Personal und Ausrüstung waren zuvor aus dem gesamten Bundesgebiet am US-Militärflughafen Ramstein zusammengezogen worden. Von dort wurde der Tross mit neun Galaxy-Transportflugzeugen der US-Army in die Staaten verbracht.

Aufgrund der Dimensionen des Ereignisses und den unklaren Zuständigkeiten dauerte es eine gewisse Zeit, bis die THW-Mannschaft aktiv wurde. Schwierigkeiten, die vor allem in der sogenannten Chaosphase – der Zeitspanne, in der das Ausmaß der Schäden erfasst, Kompetenzen abgesteckt, Aufgaben verteilt und anschließend koordiniert werden müssen – nicht ungewöhnlich sind. In New Orleans war die Lage aufgrund der hohen Anzahl der zu evakuierenden Personen und der großen Schäden durch die Überflutungen lange unübersichtlich.

Das THW brachte seine Hochleistungspumpen an viele Orten im Stadtgebiet zum Laufen und war involviert in die Instandsetzung des städtischen Entwässerungssystems. Die vollgelaufenen Pumpwerke der Stadt, 80 Prozent der Fläche New Orleans liegen unter dem Meeresspiegel, wurden leergepumpt und die Motoren repariert. Aufgrund der unterschiedlichen technischen Standards kein leichtes Unterfangen. „Es ist immer gut, wenn man erfahrene Tüftler und Fummler im Team hat, die sich mit etwas veralteter Technik auskennen.“ Ein Sonderlob erntete die Crew aus Deutschland für die Reparatur eines besonderen Pumpwerks. „Das war seit 20 Jahren nicht mehr gelaufen“, erzählte Langemeier.

Insgesamt sieben Wochen war das THW damals in den USA und bekam auch noch die Auswirkungen des Hurrikans Rita mit, der Ende September auf die US-Küste traf. Die Erfahrungen von Katrina haben nicht nur in den USA zu Veränderungen im Zivilschutz geführt, beim THW nahm man ebenfalls Anpassungen vor. So wurde ein Pool mit 2000 THW-Kräften eingerichtet, die speziell Qualifikationsmerkmale für einen Auslandseinsatz erfüllen. Im Rahmen des EU-Gemeinschaftsverfahrens hat das THW außerdem acht High-Capacity-Pumping-Module zusammengestellt, die bei Hochwasser und Überflutungen innerhalb von wenigen Stunden einsatzbereit sind.

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