Bensheim

Vernissage Hans Peter Lohse stellt im Gertrud-Eysoldt-Foyer des Bensheimer Parktheaters noch bis zum 21. Februar seine „Farb-Ekstasen“ aus

Tollkühner Griff in die Farbenwundertüte

Bensheim.„Lass die Moleküle rasen, was sie auch zusammenknobeln! Lass das Tüfteln, lass das Hobeln, heilig halte die Ekstasen.“ Das Zitat von Christian Morgenstern findet sich gleich am Eingang des Bensheimer Parktheaters, wo am Sonntag die Ausstellung „Farb-Ekstasen“ von Hans Peter Lohse eröffnet wurde. Der Betrachter sollte also gewarnt sein vor dem, was ihn eine Treppe höher im Gertrud-Eysoldt-Foyer erwartet:

Es ist ein buntfarbiger Taumel, ein, wie der Künstler es selbst formuliert, „tollkühner Griff in die Farbenwundertüte“. Lohse weiter: „ Sozialistischer Realismus war gestern, heute triumphiert die Diktatur der Farbpigmente. Alles garantiert vegan und biologisch abbaubar. Es lebe der Multiple Colorgasmus.“

Hat der Betrachter angesichts der Farbgewalt der dichtgehängten Großformate – 45 sind es insgesamt, ergänzt um kleine ältere Arbeiten und Objekte in den Vitrinen – wieder Atem geschöpft, befindet er sich schon mitten im Spiel. Aus den abstrakten, in Schlieren ineinander übergehenden Farben kristallisieren sich unversehens Pflanzen und Tiere, Gesichter und Figuren heraus. Teils von poetischer Leichtigkeit, teils äußerst skurril und je nach Betrachter variierend. Es ist die visuelle Intelligenz am Werk, die den Menschen antreibt, alle Seheindrücke zu deuten und mit Sinn zu versehen, so wie es auch geschieht, wenn man in die Wolkengebilde am Himmel schaut.

Die Bilder sind Ergebnis von Monotypien, für die Lohse die Grundfarben und Schwarz ineinander rührt und spachtelt und dann auf einer Platte abdruckt. Das Resultat scannt er hochauflösend ein, um es später im Großformat auf Leinwand oder auf Acrylglas drucken zu lassen. Nicht ohne die digitalisierten Monotypien zuvor einer akribischen Überarbeitung am Computer zu unterziehen, bei der Unsauberkeiten entfernt oder Spiegelungen vorgenommen werden. Bisweilen übermalt der Künstler die fertigen Drucke noch einmal partiell oder er belegt Details mit Blattgold.

Wer Lohses Arbeiten schon in den vergangenen Jahren in seinen Ausstellungen in Bensheim oder Heppenheim gesehen hat, weiß um seine humoristische Ausrichtung – und der bleibt er auch in der aktuellen Hinwendung zur völligen Abstraktion treu. Denn hat man genug von den eigenen Assoziationen beim Betrachten der Farbspiele, dann lohnt ein Blick auf die Titel der Bilder. Lohse versteht sie als „Orientierungshilfen, die auch gern mal in die falsche Richtung weisen.“

Unverkennbar ist die Begeisterung des Künstlers für die Dichtung Christian Morgensterns – so lautet der Titel des ersten Bildes auf der Liste, das gleich am Eingang hängt: „Danke, Christian!“. Dem Betrachter begegnen unter anderem „Der Nachtschelm“ und „Die Mitternachtsmaus“ und - in kongenialer Ausdeutung des entstandenen Bildes -„Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse“.

Der 1952 in Freital bei Dresden geborene Künstler erlernte das Handwerk des Schriftsetzers, bevor er Typografie und Grafik-Design studierte und bis 1982 in der DDR als Buchgestalter arbeitete. Aus politischen Gründen 1986 ausgereist, wirkte er in der Bundesrepublik als Artdirector in verschiedenen Werbeagenturen, bis er 1994 sein eigenes Design-Studio gründete und sich mit Objektkunst, Collagen und Malerei seit 2011 ganz dem freien Arbeiten widmet. Hans Peter Lohse lebt heute in Heppenheim.

Bei der Vernissage lobte Berthold Mäurerin seiner Einführung die Bilder als „prachtvolle Farb- und Formkomposition, die die Flügel unserer Fantasiesich ausbreiten lassen und uns in eine Traumwelt voller sinnlichen Empfindungen führen“.Die Stadtkultur Bensheimstellemit dieser Ausstellung einen sehr innovativen und vielgestaltigen Künstler vor, „der mit seinen neuen Arbeiten einen wunderbaren Raum schafft,der dem Betrachter die freie Möglichkeit gibt für lustvolles Assoziieren und sinnliches Fabulieren. So wie es Christian Morgenstern mit Worten machte,beglückt unsHans Peter Lohse mit Farben und Formen“, sagte Mäurer.

Die Ausstellung „Farb-Ekstasen“ im Parktheaterist noch bis zum 21. Februar 2020 zu sehen – immer zu den Veranstaltungen und nach Vereinbarung unter Telefonnummer: 06252/7919790.

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