Bensheim

Traditionsfest Verkauf von „Kerwetalern“ zur Deckung der Kosten / Programm wird heute vorgestellt

Traditionelle Kerwerede statt Live-Stream in Gronau

Archivartikel

Gronau.Es soll Gronauer geben, die das ganze Jahr über an ihre Kerb denken. Vorbereitet wird das Traditionsfest aber erst, nachdem die Ernte eingefahren wurde. Als sich die Interessengemeinschaft Gruneme Kerb vor einigen Wochen zu ihrer ersten Kerwesitzung traf, war in zwei Punkten keine Diskussion erforderlich: Einen Kirchweihtanz im Dorfgemeinschaftshaus wird es 2020 nicht geben, das war allen klar. Bei Polonaise und Schunkelwalzer lassen sich nun mal keine Mindestabstände einhalten. Und zu viele Aerosole wären in der Luft, wenn im Saal „Wem is’ die Kerb?“ angestimmt und aus hunderten Kehlen die Antwort „Unser!“ erschallen würde.

Entweder richtig oder gar nicht

Ebenso unstrittig war für den Zusammenschluss aus Freiwilliger Feuerwehr und SG Gronau aber auch, dass man unter keinen Umständen eine Kerweredd als Videoaufzeichnung oder Live-Stream über das Internet verbreiten würde. Zu stolz ist man im Dorf auf die jahrhundertealte Tradition. Entweder richtig oder gar nicht, lautete die einhellige Meinung. Wie dieses „richtig“ unter Einhaltung der Infektionsschutz-Regeln aussehen soll, wollen die Organisatoren heute (7.) bekanntgeben.

Wie immer anderthalb Wochen vor dem Kirchweihfest, lädt die IG Gruneme Kerb heute Abend um 20 Uhr zu einer öffentlichen Kerwesitzung in die Gaststätte „Scholzehof“ ein. Im Vorfeld wurde bereits publik gemacht, dass es am Kirchweihsonntag (18. Oktober) um 14 Uhr einen kleinen Umzug geben wird. Die Kerweredd wird anschließend nicht zentral am Dorfgemeinschaftshaus, sondern an vier Orten im Dorf gehalten. Auch wenn es sich um Freiluftveranstaltungen handelt, sollen pro Station nur 50 Personen Zutritt erhalten. Der Vorverkauf der Eintrittsbändchen startet heute um 19 Uhr, ebenfalls im „Scholzehof“.

Dort können auch sogenannte „Kerwetaler“ erworben werden, Sammelmünzen, auf denen das Gronauer Wappen und die Ansicht der Kirche Sankt Anna eingeprägt ist. „Statt Feinsilber wurde seltenes Odenwälder Grobsilber aus dem Silbersee bei Raidelbach verarbeitet. Der Taler dürfte in einigen Jahren ein Vielfaches wert sein“, teilt die IG Gruneme Kerb mit einem Augenzwinkern mit. Ernstgemeint ist dagegen das Anliegen der Aktion: Weil es im DGH keinen Tanz geben wird und das Römerfest im August ausgefallen war, die Organisation von Umzug und Kerweredd aber Geld kostet, soll der Erlös aus dem Kerwetaler-Verkauf die Kosten decken.

Wer eine Münze kauft, hat also nicht nur ein Sammlerstück erworben, sondern auch einen Beitrag zur Erhaltung des dörflichen Brauchtums geleistet. Pro Kerwetaler gibt es ein Eintrittsbändchen für die Kerweredd dazu. Wer nicht zur Kerweredd gehen, aber trotzdem die Kirchweihtradition unterstützen will, kann auch nur eine Münze ohne Bändchen erwerben. Als Verkäufer agieren ab heute Ortsvorsteher Stefan Hebenstreit, IG-Vorsitzender Uwe Lutz und die beiden IG-Mitglieder Markus Rettig und Andreas Böhm. Auch um einen Rummelplatz vor dem Dorfgemeinschaftshaus hat sich die Interessengemeinschaft Gruneme Kerb gekümmert. Da es im DGH weder kalte Getränke noch Kaffee und Kuchen geben wird, bat die IG den Dorfladenpächter, ein Ersatzangebot für Familien, die den Kerweplatz besuchen, zu schaffen. Und damit niemand auf dem Trockenen sitzen muss, vertreibt ein in der Hintergasse ansässiges Weingut „Kerwewoi-Pakete“ und spendet einen Teil an die IG Gruneme Kerb.

Die Kirchweih 2020 wird anders ablaufen als die Feste vergangener Jahre. Soll sie auch. „Corona is desjohr koa Bier, also dudd eich oan die Vorschrifte holde.“ In Anspielung auf eine mexikanische Biermarke appellieren die Organisatoren auf ihrem Flyer in Gronauer Mundart, die geltenden Regeln einzuhalten.

Corona-Regeln einhalten

Dass Änderungen nicht immer negativ sein müssen, zeigt die Uhrzeit des Kirchweihgottesdienstes am Kerwesonntag. Seit dem Pfarr-Zusammenschluss von Gronau, Zell, Schönberg und Wilmshausen finden Gottesdienste eine halbe Stunde später statt, nun auch der Kirchweihgottesdienst erstmals um 10.45 Uhr. Und eine halbe Stunde mehr Zeit zum Frühstücken zu haben, kann gerade an Kerb ein großer Vorteil sein. red

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