Bensheim

Tradition Christleuchter in der Stephanusgemeinde aufgebaut / Kein Ersatz für den Christbaum

Überlieferter Weihnachtsbrauch aus Siebenbürgen

Bensheim.Bis Weihnachten besteht die Möglichkeit in der Evangelischen Stephanusgemeinde in Bensheim einen nach alter Tradition aufgebauten Christleuchter aus Siebenbürgen zu bestaunen.

Eingebettet im Schoße der rumänischen Karpaten liegt das Hochland von Siebenbürgen, Transsilvanien, besiedelt ab 1147 mit Deutschen aus Flandern, Luxemburg und dem deutschen Gebiet zwischen Rhein und Mosel. Sie brachten ihr Hab und Gut und ihre Bräuche mit und es gelang ihnen über 850 Jahre lang, ihre Sprache und Sitten zu bewahren.

Im Kirchenjahr ist Weihnachten das größte und schönste Familienfest. Ein besonderer Brauch in vielen siebenbürgisch-sächsischen Kirchen ist das Aufstellen eines „Christleuchters“. Von Nah und Fern folgen die Menschen, gekleidet in Festtracht, dem Glockenklang und Gesang zur Kirche.

Der siebenbürgische Christleuchter (ein geschmückter Kunstbaum) geht zurück auf die Zeit vor der Reformation und wurde urkundlich erstmalig im 14. Jahrhundert erwähnt (Brooser Stuhl, 1334). Der Leuchter symbolisiert den Abendstern und kündigt die Ankunft, aber auch die Gegenwart Gottes durch das von ihm gesandte Himmelslicht an.

Er ist weder ein Vorläufer noch ein Ersatz des Christbaumes, der sich in der Kirche nur langsam durchsetzte, sondern es handelt sich um einen eigenständigen Brauch, bei dem die Konfirmanden in die Geburt Christi einbezogen werden, indem sie ihn im Gesang loben und preisen. Das Leuchterbinden ist den Konfirmanden vorbehalten und gilt als eine besondere Ehre. Aus Buntpapier werden Blumen, Fähnchen, Girlanden und Ketten gebastelt. Es sind gesellige Nachmittage, an denen man Kirchen- und Weihnachtslieder auswendig lernt, Kekse isst und heißen Tee trinkt. In der Frühmette um 7 Uhr, müssen alle Konfirmanden vor dem Altar und auf der Empore stehend mitsingen.

Nach alter Tradition werden im Wechselgesang die Verse des Liedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ gesungen und zum Schluss aller drei Christleuchter gemeinsam.

Am Ende des Gottesdienstes erhebt sich die ganze Kirchengemeinde und die Orgel stimmt „O du fröhliche“ an. Dieser überlieferte Brauch aus Siebenbürgen wird auch heute noch im Talmesch/Rumänien gepflegt. red

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