Bensheim

BUND Kritik an den Überlegungen der SPD zur Planung eines Wohnviertels Bensheim-Süd

Umweltschützer gegen neues Baugebiet

Bensheim.Auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag (14.) steht ein Antrag der SPD: Die Fraktion schlägt die Planung eines Baugebietes „Südstadt“ vor, das zwischen B3, Bahnlinie, Fabrikstraße und Kleingartenanlage erschlossen werden soll.

Auf Ablehnung stößt dieser Antrag beim örtlichen BUND: „Die völlig überdimensionierten Vorstellungen im Antrag der SPD zur Bebauung eines neuen Viertels auf einer ackerbaulich genutzten Fläche mit besten Schwemmlehmböden wird strikt abgelehnt“, schreiben die Umweltschützer in einer Pressemitteilung.

Eine mehrstöckige, großflächige Bebauung dieses Areals würde das örtliche Kleinklima verschlechtern, ist der BUND überzeugt. Durch vorliegende Landschaftspläne sollten allen Stadtverordneten die Wichtigkeit und Funktionalität der in diesem Bereich vorhandenen Hangwindsysteme bekannt sein, die für einen Luftaustausch der Wohngebiete mit Odenwald und Ried sorgen. Genau in dieser Gemarkung viergeschossige Bebauungen zuzulassen, würde genau diesen wichtigen Luftaustausch behindern – mit entsprechenden Folgen.

Im Übrigen sollte eine Evaluierung und umfassende Folgenabschätzung der in den nächsten Jahren kommenden Bauplanungen in der Region für Mensch und Natur vorgenommen werden. „Allein in Bensheim werden mehrere hundert Wohneinheiten kommen, genauso wie in den Nachbarorten“, so der BUND. Die B 47 werde vierspurig ausgebaut, Autobahnen sollen erweitert werden, eine neue ICE-Trasse soll kommen. Allein dadurch werde die Belastung enorm zunehmen, gleichzeitig seien heute schon partielle „Waldzusammenbrüche“ festzustellen – und viele Bäume sind laut BUND im letzten Jahr gestorben.

Verdichtungen im Bestand

„Funktionale Grünstrukturen und Bäume sind elementare Puffer und unverzichtbar für angenehme Lebensqualität, denn sie produzieren Sauerstoff, filtern die Luft von Staub und Emissionen und sorgen durch Beschattung und Verdunstung für erträglichere Temperaturen.“ Um Wohnraum zu schaffen, setzt der BUND auf Verdichtungen im Bestand. So könne auch vermehrt leerstehender Dachwohnraum ausgebaut werden, oder auch im Bereich beispielsweise der Wohnbau Liegenschaften aufgestockt werden. „Es muss ein Netto-Null-Flächenverbrauch erfolgen, das hat auch der regionale Bauernverband erkannt und den Flächenverbrauch richtigerweise zuletzt vehement kritisiert“, schreibt der BUND.

Allein in der Region Südhessen fielen im Schnitt jeden Tag zwei Hektar Fläche der Bebauung zum Opfer. Der Regionale Bauernverband habe darauf verwiesen, dass in den Jahren 1992 bis 2012 die Landwirtschaftsfläche bundesweit um rund 860 000 Hektar abgenommen hat. Das entspreche fast der gesamten Landwirtschaftsfläche Hessens, die rund 884 500 Hektar umfasse.

In der jüngsten Vergangenheit habe ein weiteres Problem zunehmende Brisanz erlangt. Das Artensterben schreite trotz aller Bemühungen immer weiter voran. Beispielsweise seien geschotterte Flächen nutzlos für Vögel: „Da ist es kein Wunder, dass Vögel, die ihre Nahrung suchen, immer schlechtere Lebensbedingungen haben.“ Die Vogelarten und die Anzahl der Vögel nehmen laut BUND aktuell erheblich ab. Insofern sei auch jeder in seinem direkten Wohnumfeld gefordert, Grünbereiche zu erhalten und zu fördern, um für Tiere und Mensch lebenswerte Räume zu erhalten.

Verkehrsinfarkt droht

Was Umwelt- und Klimaschutz angeht, liegt aus Sicht des BUND Bensheim im Kreis Bergstraße vieles im Argen. Beispielsweise müssten konsequent auf allen öffentlichen Einrichtungen im Kreis Bergstraße – wie Kitas, Schuldächern und Sporthallen – Solarenergie genutzt werden fordert der BUND.

Außerdem lasse das tägliche Verkehrschaos und die zunehmende Überlastung der Bahn, Hauptstraßen und der Autobahnen auf einen aufkommenden Verkehrsinfarkt schließen – was wiederum deutlich gegen die Neuausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten auf Acker- und Naherholungsflächen spreche, so der BUND abschließend. red

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