Bensheim

Nachruf Nabu-Stadtverband Bensheim/Zwingenberg trauert um Willy Helm

Unermüdlich für den Naturschutz im Einsatz

Archivartikel

Bensheim.Mit Willy Helm verliert der Naturschutz in Bensheim einen seiner rührigsten Vertreter. Das Tongrubengelände, in dessen Nähe er wohnte, stand im Mittelpunkt seines Wirkens. Unermüdlich bis zuletzt setzte er sich für die Erhaltung und Aufwertung der Tongruben ein. Willy Helm starb am 22. Januar im Alter von 72 Jahren.

Der Bensheimer kannte noch die besten Zeiten dieses Feuchtgebiets, als es hier noch ausgedehnte Teiche und Röhrichte gab, in denen eine äußerst artenreiche Tierwelt zu Hause war. Die Erinnerung an diese fast paradiesische Fülle natürlichen Lebens ließ ihn nie mehr los. Sie wurde für ihn zur Motivation, sich persönlich mit aller Kraft einzusetzen, um das wieder herzustellen, was in den 70er Jahren durch Austrocknung, Entwässerung und Bautätigkeit verloren gegangen ist. Willy Helm sammelte Mitstreiter und veranlasste zahlreiche Pflegeeinsätze, um die inzwischen überwucherten Gruben frei zu schneiden.

Tongruben lagen ihm am Herzen

In vielen Eingaben und Schreiben verwies er auf den Naturschutzwert des Gebiets. Helm schonte sich und seine Familie nicht, wenn es galt, im unwegsamen Gelände zu roden, damit wieder Licht und Wasser den Boden erreichten. Als die Tongruben zum Naturschutzgebiet erklärt wurden, war das zwar ein Erfolg, aber durch die großflächige Grundwasserabsenkung fehlte es in den ehemaligen Tonabbaugruben an Wasser. Die Gründung des Fördervereins Tongruben sollte Abhilfe schaffen. Größere Flachgewässer sollten entstehen, indem einige Grubensohlen ausgetieft wurden, eine große technische und finanzielle Herausforderung, die schrittweise zum Erfolg führte.

Willy Helm engagierte sich von Anfang an im Förderverein. Er recherchierte die früheren Verhältnisse im Gebiet, er regte unaufhörlich mit Ideen und Vorschlägen an. Willy Helm sammelte im Laufe der letzten 50 Jahre ein großes Archiv aller Eingaben, Gutachten, Presseartikel an. Er durfte sich freuen, dass durch sein Mitwirken die Tongruben wieder zu einem regional bedeutenden Brut- und Rastplatz, einem Trittstein für Zugvögel geworden sind.

Willy Helm hat sich in der langen Zeit seines Engagements von manchen Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Immer legte er neue Pläne zur Verbesserung vor, die Behörden und Naturschützer anpacken sollten. Er war überzeugt, dass man vieles bewegen kann, wenn man es nur will und wenn man viele Menschen für die Sache gewinnen kann.

Willy Helm war ein unruhiger Geist, der es sich und anderen nicht leicht machte. Als Angestellter in der Stadtverwaltung Bensheim bekam er mit, was alles bewegt werden konnte, um die Stadt zu einem bedeutenden Mittelzentrum zu machen. Da musste seiner Überzeugung nach doch auch im Naturschutz mehr möglich sein.

Als im Herbst 2019 Neuwahlen für den Vorstand des Fördervereins Tongruben anstanden, war Willy Helm bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Schon bald musste er aber erkennen, dass er an die Grenzen seiner Kräfte gestoßen war. Es traf ihn schwer, dass er von seinen Aktivitäten vorerst zurücktreten musste. Es wurde leider ein endgültiger Abschied. Der Naturschutz in Bensheim trauert um einen Mitstreiter, der sich 50 Jahre lang unermüdlich für die Bewahrung des reichen Naturerbes seiner Stadt eingesetzt hat.

Stephan Schäfer (Nabu)

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