Bensheim

Sankt Georg Regionalkantor Gregor Knop mit dem 14. Konzert seiner enzyklopädischen Bach-Reihe

Unerschöpflicher Orgelreichtum

Bensheim.Orgelmusik als Publikumsgarant: Zum 14. Abend von Gregor Knops großem Bach-Zyklus waren trotz stürmischsten Wetters rund 80 Zuhörer in die Stadtkirche Sankt Georg gekommen. Dieser für ein Orgelkonzert außergewöhnlich gute Zuspruch bestätigte eindrucksvoll, dass das Interesse für die umfassende Erschließung eines singulären Oeuvres auch auf der Zielgeraden noch nicht nachgelassen hat.

Wie schon beim letzten Konzert präsentierte Knop mit Präludien, Fugen und Chorälen drei zentrale Werkgenres des Komponisten in wunderbar bunter Kombination. Gerade der junge Bach war hier mit zahlreichen Stücken aus seinen Arnstädter und Weimarer Organistenjahren (1703 bis 1717) erneut stark vertreten. Denkbar vielgestaltig kamen die oft fantasieartig frei angelegten Choralbearbeitungen daher, in denen man einmal mehr Bachs unerschöpflich kreatives Gattungsverständnis bewundern musste. Besonders stimmungsvoll gelangen Knop „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ BWV 709, „Jesu, meine Freude“ BWV 713, „Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 720 und das bereits verblüffend romantisch klingende Juwel „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ BWV 721.

Von der fein ausgeprägten Individualität des frühen Bach zeugten auch die durch adäquat französische Registerfarben belebte c-moll-Fantasie BWV 562 und die herausragend spielfreudige c-moll-Variationenpartita „O Gott, du frommer Gott“ BWV 767 – letztere übrigens eines der leider wenigen Werke des Komponisten in dem ansonsten sehr beliebten Genre. Besonders spannend begegneten sich Bachs Jugend- und Reifestil nicht zuletzt in den Präludien und Fugen dieses 14. Zykluskonzerts. So kündeten die Werkpaare c-moll BWV 549 und e-moll BWV 533 dank Knops energiegeladenem Zugriff ganz unmittelbar von der improvisatorischen Spontaneität des formal durchaus noch experimentierenden jungen Virtuosen. Zur Krönung dieses Abends wie der gesamten bisherigen Konzertreihe geriet das monumentale Leipziger h-moll-Werkpaar BWV 544, das Gregor Knop mit überwältigender spielerischer Brillanz als eine von Bachs größten instrumentalen „Passionsmusiken“ erfahrbar machte. Vom solchermaßen perfekt auf die kommende Osterzeit eingestimmten Publikum in Sankt Georg gab es dafür zu Recht stehende Ovationen.

Das Zyklusfinale mit Concerti und Sonaten folgt anlässlich der 15. Bachtage im Kreis Bergstraße am 12. Mai um 19.30 Uhr an gleicher Stätte.

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