Bensheim

Christoffel-Blindenmission Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen gefordert

Unsichtbar und vergessen

Bensheim.Vier Jahre nach Verabschiedung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung ist noch immer nicht klar, wie weltweit Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen sichergestellt werden kann. Das bemängeln die Christoffel-Blindenmission (CBM) und das Netzwerk International Disability and Development Consortium (IDDC).

Das IDDC ist ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen. Neben der CBM gehören dazu beispielsweise Handicap International, Bezev und Plan International.

„Leave no one behind“, niemanden zurücklassen – das ist eines der Leitprinzipien der 2030-Agenda, doch in der Realität zeigt das Prinzip noch keine Wirkung. Denn die meisten Staaten erheben nach wie vor ihre Daten ohne spezielle und einheitliche Indikatoren für Menschen mit Behinderungen. Wer aber nicht gezählt wird, wird als Folge auch vergessen.

„Wir wissen weder genau, wo es wie viele Menschen mit Behinderungen gibt, noch was sie konkret daran hindert, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, bemängelte Michael Herbst, Leiter der politischen Arbeit bei der CBM auf der IDDC-Jahrestagung. „Und das scheint auch niemanden zu interessieren. Die Verantwortlichen verlieren sich nur in technischen Diskussionen“, ergänzte Herbst.

Dabei beinhalte „leave no one behind“ eindeutig das Versprechen, Menschen mit Behinderungen und all jene besonders zu unterstützen, die bislang nachweislich benachteiligt wurden. Durch die spezielle Förderung solle Ungleichheit reduziert werden, und die Betroffenen sollen die gleichen Chancen bekommen wie alle in der Gesellschaft. Wenn Menschen mit Behinderungen und andere benachteiligte Gruppen nicht aufholen können in der Entwicklung, wird die Schere zwischen ihnen und dem Rest der Gesellschaft immer weiter auseinanderklaffen.

Beispiel Indonesien

In Indonesien brachte das schwere Erdbeben auf der Insel Java 2006 nicht nur viele Tote. Zahlreiche Menschen erlitten schwere Verletzungen, die zu Behinderungen führten. Besonders betroffen war die Region östlich der Hauptstadt Jakarta, in der die Bevölkerung sehr arm ist.

Die indonesische Regierung hat erhoben, dass 1508 Menschen in Folge des Erdbebens mit einer Behinderung leben. Behinderte Menschen werden in Indonesien häufig ausgegrenzt, die Infrastruktur ist mangelhaft. Gerade in ländlichen Regionen leben sie deshalb oft isoliert.

Die CBM und ihr Projektpartner riefen nach der Katastrophe Selbsthilfegruppen für Menschen mit Behinderungen ins Leben. Michael Herbst hat das Projekt besucht. „Die Mitglieder haben heute die Chance, sich gegenseitig zu unterstützen und sich zu helfen, weil die Katastrophe offenlegte, dass es besonders große Ungleichheit für Menschen mit Behinderungen in der Region gibt“, sagt Herbst. „Jeder einzelne von ihnen profitiert davon“, betont er. red

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