Bensheim

Bund der Vertriebenen Interessanter und sehr gut besuchter Vortrag von Kristian Hahn über eine Reise nach Russland

Unterwegs zwischen Ural und Wolga

Archivartikel

Bensheim.Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Davon konnten sich jüngst die Besucher eines Vortrags über eine Reise von Kristian Hahn zwischen Ural und Wolga unter dem Titel „Russland 2019 – Der russische Bär wacht auf“ im vollbesetzten Wappensaal des Dalberger Hofs überzeugen.

Brigitte Sattler, die Vorsitzende des Bensheimer Ortsvereins des Bund der Vetriebenen (BdV), zeigte sich bei der Begrüßung der Gäste überwältigt von der großen Resonanz auf die Einladung zu diesem Abend.

Und die Gäste wurden nicht enttäuscht. Hahn, dessen Ausführungen ab und an von seiner Ehefrau Anita mit weiteren kleinen Anekdoten angereichert wurden, berichtete weit über zwei Stunden von der 14-tägigen Reise im Juni 2019. Dabei ging es über Moskau mit dem Flugzeug nach Jekatarinburg, von dort 370 Kilometer weiter mit dem Taxi durch die Taiga nach Perm, drei Tage auf 950 Kilometern mit dem Schiff nach Kasan in Tatarstan und letztlich mit dem Flugzeug nach Wolgograd (Stalingrad).

Begleitet wurde das Ehepaar von dem befreundeten Arztkollegen Wassilij Khudiakov, der in dem gleichen Krankenhaus praktiziert, in dem Kristian Hahn 1942 geboren wurde. Hahn stammt aus dem ostpreußischen Tilsit, das für seinen Käse berühmt ist. Heute lebt der Facharzt im Ruhestand mit seiner Frau in Auerbach und engagiert ich unter anderem im BdV.

„Es blieben viele Fragen offen“

Mit ein Grund war, in das unbekannte Russland zu reisen, dass sein Großvater im Jahr 1909 in der Nähe von Jekatarinburg laut einem von diesem Ereignis existierenden Bild einen Bären geschossen hatte. Aber in erster Linie wollte die Gruppe erfahren, wie die Menschen im heutigen Russland leben. „Um es vorwegzunehmen: Es blieben viele Fragen offen“, gab Hahn sich und den gespannt lauschenden Zuhörern au h gleich die Antwort. Dennoch erfuhren die Besucher bei dem Bildervortrag viele Dinge über die Menschen dieses riesigen Landes, die sie so vielleicht niemals erwartet hätten.

Zunächst einmal wurde klar, dass Russland ein sehr günstiges Reiseland ist. Dies kam insbesondere Anita Hahn entgegen, da sie sich auf der weitgehend unvorbereiteten Reise jeweils gute Unterkünfte gewünscht hatte, während das Hauptaugenmerk ihres Mannes mehr auf gutem Essen und der seines Freundes mehr auf dem guten Kontakt zu Frauen lag, wie Hahn augenzwinkernd berichtete.

In jeder der besuchten Städte gab es zum Auftakt mit Reiseführern einen Stadtrundgang. So besuchte die Gruppe in der Millionenstadt Jekaterinburg unter anderem die „Kathedrale auf dem Blut“. Die Kapelle wurde dort errichtet, wo im Jahr 1918 die Zarenfamilie ermordet wurde. Davon zeugt eine Ausstellung im Heimatmuseum, das wie ein ganzes Wohnviertel im Bauhaus-Stil von der sogenannten Bauhausbrigade nach 1929 errichtet wurde.

Aber es gibt auch viele moderne Gebäude, wie das Visotzky-Hochhaus, in dem das deutsche Konsulat untergebracht ist. Zudem ist in der Stadt der Bunker zu finden, in dem im Jahr 1991 während des Putsches die Ersatzregierung der damaligen Sowjetunion untergebacht war. Ganz im Sinne von Kristian Hahn kamen aber auch ganz andere Dinge zutage. So ein Taxifahrer, der sich Stalin zurückwünscht, ungewöhnlich gestaltete öffentliche Toiletten, fehlende Schaufenster in der Fußgängerzone und dennoch prachtvolle und riesige Malls, die aufgrund fehlender Schaufenster aber nicht gleich zu entdecken sind oder der ausschließlich mit Strom betriebene öffentliche Personennahverkehr.

Auffällig ist, dass alles sehr gut organisiert ist und die Verkehrsmittel alle sehr pünktlich sind, wie Hahn weiter berichtete. Und mit einem Vorurteil müsse ebenfalls aufgeräumt werden. „Nämlich, dass die Russen von morgens bis abends Wodka trinken.“ Denn der Alkoholkonsum ist nach einem Regierungsprogramm zwischen 2003 und 2016 um 43 Prozent zurückgegangen und liegt im Durchschnitt niedriger als in Deutschland. Dadurch stieg die Lebenserwartung der Bevölkerung.

Mit dem Taxi fuhr man für 90 Euro abseits der Hauptstraße nach Perm. Dabei stelle die Gruppe fest, dass die Menschen zwar sehr bescheiden leben, doch vieles sehr gut organisiert zu sein scheint.

Drei Kliniken besichtigt

In Perm startete die dreitägige Schiffsreise mit der „Vladimir Mayakowski“. Nach der Ankunft in Kasan wurde die Gruppe von einem Reiseführer erwartet. In den folgenden drei Tagen gab es viele weitere Begegnungen mit Menschen der Region. Bei ihrer Tour kam unter anderem ein Kontakt zustande, der in Kasan zu einer Besichtigung dreier Kliniken führte, darunter eine Notfallklinik mit 1200 Betten und über 500 Ärzten. Letzte Station der Reise war Wolgograd, besser bekannt als Stalingrad. Der Besuch der Gedenkstätte Rossoschka erinnerte an schlimme Zeiten während des Zweiten Weltkriegs. Und damit endete der Vortrag, den die Zuhörer mit viel Applaus bedachten.

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