Bensheim

Vogel der Nacht Harry Hegenbarth wird wohl Konsequenzen ziehen müssen / Evakuierung am Dienstagabend verlief reibungslos

Unwetter trübt die Festivalstimmung

Bensheim.Kaum hatte der Vogel der Nacht am Dienstagabend im Bensheimer Stadtpark abgehoben, musste er mit ziemlich nassem Gefieder wieder notlanden. Die unwetterbedingte Räumung des Stadtparkfestivals hat Veranstalter Harry Hegenbarth auch am Mittwochmorgen noch ordentlich die Stimmung verhagelt.

„Es kann sich jeder denken, was das für uns bedeutet“, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Gerade als sich die schräge Wiese kurz vor dem Auftritt der Band Gitarrenhelden mehr und mehr füllt, musste evakuiert werden. Eine andere Möglichkeit hätte es nicht gegeben, stellt Hegenbarth klar. Im Sicherheitskonzept sei klar festgelegt, dass man bei einer amtlichen Unwetterwarnung abbrechen muss. „Das ist nichts Außergewöhnliches, das gab es letzte Woche auch in Wacken.“ Nur dass dort die Zuschauer für eine Stunde in den Zelten verschwinden und danach die Party weitergeht.

Blitz, Donner und Regen

In Bensheim war man allerdings weit davon entfernt, weiter Party zu machen. Kaum war der Stadtpark wieder sich selbst überlassen, setzten Regen, Blitz und Donner ein. Man habe über diverse Apps das Wetter die ganze Zeit im Blick gehabt und konnten schnell reagieren, so der 40-Jährige. Die Räumung habe schnell und ohne Probleme funktioniert. „Innerhalb von fünf Minuten war alles leer. Die Leute hatten viel Verständnis. Sicherheit geht immer vor.“

Der reibungslos und stressfreie Ablauf war letztlich der einzig positive Aspekt eines Auftakts, den sich alle Beteiligten anders vorgestellt hatten. Denn der Ausfall am Dienstag und der Regen am Mittwoch haben das Festival schon kurz nach dem Start aus der finanziellen Balance geworfen. „Das ist hier kein unternehmerisches Risiko mehr, sondern Pokern auf höchstem Niveau“, veranschaulichte Harry Hegenbarth.

Für meteorologische Kapriolen bräuchte der Nachtvogel eigentlich ein dickeres Fell, sprich finanzielles Polster. Hat er aber nicht, weil die Schere zwischen Ausgaben und Einnahmen durch Sponsoring immer weiter auseinandergeht. Von allen Umsonst-Festivals der Showmaker-Familie sei der „Vogel“ am teuersten. Das habe mit dem komplizierten Aufbau, gestiegenen Anforderungen und höhren Kosten für die Nachtwache zu tun. Auf der anderen Seite sind Sponsoren abgesprungen, neue anzuwerben werde immer schwieriger. „Im Vergleich zu früher fehlen mindestens 15 000 Euro“, bilanzierte Hegenbarth am Mittwoch.

Der Vogel steht auf der Kippe

Wenn dann wie 2017 durch Dauerregen, 2018 wegen enormer Hitze und nun aufgrund von Unwettern die Zuschauer wegbleiben (müssen), geht es ganz schnell in die Miesen. Man brauche eine finanzielle Absicherung für solche Fälle. Aber die gebe es bisher nicht. Stattdessen steige das Risiko immer weiter.

In letzter Konsequenz steht der Vogel der Nacht nun mehr denn je auf der Kippe. Hegenbarth hatte schon mehrfach angedeutet, dass er mit Blick auf die Zukunft seiner Familie und seiner Firma aus wirtschaftlichen Gründen die Reißleine ziehen müsste. Gemacht hat er es bisher nicht, „weil gerade der Vogel für mich eine Herzensangelegenheit hier in Bensheim ist“. Aber mittlerweile sehe er für das beliebte Federvieh schwarz. Wenn sich auf Sponsorenseite verlässlich nichts ändern, könnte die 15. Auflage die letzte gewesen sein – was bedauerlich, aber aus Sicht des Familienvaters durchaus verständlich wäre. „Wir haben alles versucht, so kommen wir nicht mehr weiter“, zog Hegenbarth schon kurz nach dem Auftakt ein ernüchterndes Fazit.

Wer ihn kennt, weiß, dass er dennoch nicht mit mieser Laune übers Festivalgelände stiefeln wird, sondern wie immer bestrebt ist, das Beste aus der Situation zu machen. Trotzdem sollten sich alle Fans schon mal an den Gedanken gewöhnen, dass ab dem nächsten Jahr die Käfigtür zubleibt, weil der Nachtvogel über die Jahre hinweg zu viele Federn lassen musste.

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