Bensheim

Kultur-Förderkreis Sprachwissenschaftlerin Nina Janich kommt am Donnerstag ins PiPaPo-Theater

Unwörter und ihre Entstehung

Bensheim.Was ist eigentlich ein Unwort? Und was ist das Unwort des Jahres? Als Ergebnis einer sprachkritischen Initiative erzählt es so Einiges über das, was die Gesellschaft bewegt.

Nina Janich ist Sprachwissenschaftlerin an der TU Darmstadt und seit 17 Jahren Mitglied der Jury, die das „Unwort des Jahres“ kürt. Sie gibt in ihrem Vortrag am kommenden Donnerstag (20.) ab 19.30 Uhr im PiPaPo-Theater einen interessanten Einblick in das Verfahren der Jury und das Anliegen der Aktion. Auch über typische Missverständnisse bei Einsendern und Öffentlichkeit wird sie berichten. Gastgeber ist der Förderkreis Kleinkunst und Kultur Bensheim.

Gutmensch und Volksverräter

Die letzten Unwörter waren „Gutmensch“ (2015), „Volksverräter“ (2016) und im vergangenen Jahr „alternative Fakten“. Mit diesem Ausdruck „werden Falschbehauptungen salonfähig gemacht und mit Tatsachenbehauptungen auf eine Stufe gehoben“, heißt es aus dem Gremium. Und durch die Bezeichnung „Gutmensch“ würden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd bezichtigt, so die fünfköpfige Jury, deren Sprecherin Nina Janich ist. Schwerpunktthemen der Professorin sind unter anderen Sprachkultur und Sprachkultivierung sowie Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation. Sie lebt mit ihrer Familie seit zehn Jahren in Zwingenberg.

Als Basis für das „Unwort“ dienen ausschließlich eingeschickte Vorschläge aus der Bevölkerung, die von den Mitgliedern der Jury beraten werden. In dem Gremium sitzen vier Sprachwissenschaftler, ein Journalist und ein jährlich wechselndes Gastmitglied.

Die Unwörter spiegeln meist eine vitale gesellschaftliche Debatte. 1994 waren es die „Peanuts“, 2001 die „Gotteskrieger“. Im Jahr 2010 wurde „alternativlos“ gekürt, weil der Begriff demokratische Diskussionen tendenziell eher abwürge, anstatt sie voranzubringen. Manches Exemplar hat Karriere gemacht, andere sind leise verstorben. Im Jahr 2000 wurde zudem ein „Jahrhundert-Unwort“ gekürt. Es lautet: „Menschenmaterial.“

Nina Janich geht es um mehr Verantwortung im öffentlichen Sprachhandeln. Sie wünscht sich mehr verbale Kultur und Sensibilität. Auch darüber wird sie in ihrem Vortrag sprechen. tr

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