Bensheim

Ausstellung Volker Frenzel zeigt Fotografien im Damenbau des Auerbacher Fürstenlagers

Urbane Momente mit besonderem Reiz

Bensheim.Er ist ein Meister in der Inszenierung des Zufälligen. Es ist die strategisch beflügelte Improvisation von Moment, Bildausschnitt und Perspektive, die den Motiven von Volker Frenzel einen besonderen Reiz verleiht.

Je länger man in seinen Fotografien verweilt, desto mehr Assoziationsräume und Interpretationswege öffnen sich. In seiner neuen, mittlerweile 28. Einzelausstellung „Urbane Momente“ tritt die Architektur als Hauptdarsteller etwas in den Hintergrund.

Es ist der Mensch und sein Verhalten in Raum und Zeit, was am Samstag die Gäste der Vernissage fasziniert hat und einen Besuch im Auerbacher Fürstenlager so lohnenswert macht.

Frenzel hat die fünf separaten Räume des Damenbaus thematisch ausgefüllt. Ein ideales Terrain für die komplexen Arbeiten des Mitbegründers und Leiters der renommierten Fotogruppe Bickenbach, der im Staatspark seine vierte große konzeptionelle Werkschau zeigt. Eine Premiere. Nach „Underground“, „Cool City“ und „Quo Vadis?“ hat er seine individuelle Bildsprache konsequent weiter geführt und inhaltlich aufgefächert.

Flüchtige Situationen

Die gezeigten Arbeiten stammen aus den Jahren 2005 bis heute. Erst im Frühjahr war er in Tokio unterwegs, wo er klassische Straßenszenen eingefangen hat. Mitten in einer unplanbaren, ätherischen Situation, die eine enorme Dosis an Geduld erfordert und die Fähigkeit, flüchtige Momente zu erfassen und fotografisch einzufrieren.

Für die Kunstfreunde Bergstraße begrüßte Vorsitzender Dr. Benno Wölfel am Nachmittag zahlreiche Gäste, die das neuste von Frenzels Langzeitprojekten erlebt haben. Meistens umfasst eine Serie viele Jahre, bis sie im Sinne des Fotokünstlers vollendet ist.

„Urbane Momente“ darf als weitere Fortsetzung der aufeinander aufbauenden Projekte verstanden werden, wenngleich die Motive noch zugespitzter, konkreter und spezifischer sind. Architektonische Standardisierungen treten etwas zurück und geben den Blick frei auf das soziokulturelle Pulsieren der Stadt. Urbanität als bunte Mischkultur wird in den Motiven stark verdichtet, so dass der Moment zum bleibenden Eindruck wird.

Brillante Bildfolgen

„Am Anfang steht immer ein Konzept, eine konkrete Idee“, so Dr. Karl Röser in seiner Einführung. Frenzels Impuls ist entweder fotografischer oder grafischer Natur, ausformuliert in brillanten Serien und Bildfolgen, die er mit dem wachen Blick des erfahrenen Porträtisten zu erfassen und zu inszenieren weiß.

Inszenierung meint in diesem Falle weniger das fertige Arrangement als eine szenische Organisation von Menschen im Moment der Zeit. Beispielhaft umgesetzt in der Reihe „Urbane Experimente“, die verschiedene Momente an ein und demselben Ort komprimiert. Motive als Summe von Augenblicken, zeitentrückt und räumlich gedehnt. Selbst die Gesetze der Schwerkraft kann der langjährige Lufthansa-Kapitän durch die digitale Fototechnik überwinden.

Der Alsbacher ist ein Star der Szene, vielfach ausgezeichnet und sowohl als Künstler wie als Juror international gefragt. Die Deutsche Gesellschaft für Photografie hat ihn als ordentliches Mitglied berufen, er gehört zum Deutschen Verband für Fotografie und ist Mitglied in der Global Photographic Union. Von der Fédération Internationale de l’Art Photographique wurde er zum Maitre ernannt, die höchsten Würde der Vereinigung.

Frenzel über seine Arbeit: „Meine Bilder zeigen keine Sehenswürdigkeiten, sondern der Mensch ist das Sehenswerte in meinen Bildern. Urbane Bereiche sind von Menschen für Menschen geschaffen worden, also sind sie immer die Hauptpersonen, ohne Menschen wäre nur Leere.“

Die Auerbacher Ausstellung ist eine facettenreiche fotografische Schatzkiste. Riesige asiatische Malls hat Frenzel als „Kathedralen der Moderne“ inszeniert: üppig belebt und von barocker Pracht strahlen diese Paläste des Kommerz eine ganz biedere weltliche Macht aus, die im Gegensatz zu ihren kirchlichen Verwandten von weitaus kürzerer Dauer sein dürfte.

Die Motive zeigen menschliches Gewimmel in architektonischer Verspieltheit – sind fast schon reale Wimmelbilder von erstaunlicher Schärfe und detaillierter Präzision.

„Street Europe“ bündelt Straßenfotos unter anderem aus Frankfurt, Gelsenkirchen und Pirmasens. „Die Schönen der Nacht“ sind Eindrücke aus den Animierstraßen von Bangkok und Pattaya. Momente inszenierter Erotik, ein nächtliches Spiel mit Lust und Illusionen. Der Betrachter wird bei aller Körperlichkeit nicht zum dumpfen Voyeur, sondern begegnet den Paradiesvögeln, darunter viele Ladyboys, respektvoll auf Augenhöhe. Dennoch geht es in den Walking Streets von Thailand immer um das eine: ums Geld.

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